Fed bleibt bei Zinsen trotz Trump-Druck
Zentralbank ignoriert Forderungen und beobachtet wirtschaftliche Folgen der US-Zollpolitik

Die US-Notenbank Federal Reserve hat sich gegen eine Zinssenkung entschieden und damit den jüngsten Forderungen von Präsident Donald Trump widersprochen. Der Leitzins bleibt einstimmig in der bisherigen Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent. Trumps Drängen auf eine Lockerung der Geldpolitik fand bei den Währungshütern unter Fed-Chef Jerome Powell kein Gehör. Powell erklärte, die Zentralbank sei in der Lage, abzuwarten, und es bestehe keine Eile zu handeln. Äußerungen aus dem Weißen Haus hätten keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Notenbank.
Die Federal Reserve beobachtet aufmerksam die wirtschaftlichen Auswirkungen des von der US-Regierung angestoßenen Zollkonflikts. Bislang seien in den Wirtschaftsdaten keine gravierenden Folgen erkennbar, sagte Powell. Zugleich ließ er offen, ob die nächste geldpolitische Maßnahme eine Zinssenkung oder das Festhalten am aktuellen Niveau sein werde. Dies hänge vom weiteren wirtschaftlichen Verlauf ab.
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten hat sich zu Jahresbeginn leicht abgeschwächt. Die Notenbanker verwiesen auf eine zunehmende Unsicherheit im Konjunkturausblick. Es bestehe das Risiko sowohl einer steigenden Inflation als auch einer wachsenden Arbeitslosigkeit. Der Ausschuss betonte, dass man sich beider Aspekte des geldpolitischen Doppelmandats bewusst sei.
Am 2. April hatte Präsident Trump neue Zölle verhängt, darunter zehn Prozent auf Importe aus den meisten Ländern und 25 Prozent auf Autos, Stahl und Aluminium. Die Maßnahmen wurden teilweise nach Unruhe an den Finanzmärkten für 90 Tage ausgesetzt. Gegen Kanada, Mexiko und China wurden ebenfalls hohe Zölle beschlossen. Die US-Regierung erklärte, derzeit mit mehreren Ländern über mögliche Handelsabkommen zu verhandeln, um die Zölle wieder zurückzunehmen.
Marktbeobachter erwarten keine kurzfristige Zinssenkung. Experten wie Thomas Gitzel von der VP Bank gehen davon aus, dass die Fed die Entwicklung der Inflation abwarten wird. Eine Lockerung sei frühestens im Juli zu erwarten. Händler an den Terminmärkten schließen sich dieser Einschätzung an. Auch Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner geht davon aus, dass Powell weiterhin zurückhaltend agieren wird.
Trumps Kritik an Powell sowie seine Handelspolitik haben wiederholt für Unruhe an den Märkten gesorgt. Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank kamen auf, wurden von Powell jedoch deutlich zurückgewiesen. Ein Treffen mit dem Präsidenten werde er nicht von sich aus anstreben, stellte er klar.
