Weil Gotshal verliert Top-Dealmaker und fünf Partner an Cravath
Weil Gotshal verliert sechs Partner an Cravath – darunter den Chef der Corporate-Praxis.

Die renommierte US-Wirtschaftskanzlei Weil, Gotshal & Manges erlebt einen schweren Aderlass in ihrer Führungsspitze. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen mitteilten, verliert die Kanzlei ihren führenden Deal-Macher Michael Aiello sowie fünf weitere Partner an die Konkurrenz. Aiello, der die über 600 Mitarbeiter starke Corporate-Praxis von Weil leitete, wird gemeinsam mit weiteren auf M&A spezialisierten Partnern zu Cravath, Swaine & Moore wechseln.
Der Abgang reiht sich in eine Serie von Partnerfluktuationen ein, die Weil derzeit zu schaffen macht. Bereits im vergangenen Monat berichtete das Wall Street Journal, dass die Kanzlei mit mehreren Partnerabgängen konfrontiert sei und damit rechne, mehrere auf Private Equity spezialisierte Partner an Wettbewerber zu verlieren. Christopher Machera, der ehemalige Co-Leiter der Private-Equity-Gruppe von Weil und früheres Mitglied des Managementausschusses, ist bereits zu Paul Weiss gewechselt.
Hintergrund: Führungswechsel und strategische Neuausrichtung
Die aktuellen Abgänge fallen in eine Phase des Umbruchs bei Weil. Die Kanzlei befindet sich mitten in einem Führungswechsel. Die Bostoner Partnerin Ramona Nees soll den langjährigen Exekutivpartner Barry Wolf ablösen, der die Kanzlei mehr als 16 Jahre lang geleitet hat. Solche Übergänge sind in der Kanzleiwelt oft sensible Phasen, in denen Partner ihre Zukunftsperspektiven neu bewerten und mitunter den Wechsel zu anderen Häusern erwägen.
Der Verlust von Michael Aiello wiegt für Weil besonders schwer. Als Leiter der Corporate-Praxis war er das Gesicht der Transaktionsberatung der Kanzlei und maßgeblich für die Akquisition von Mandaten im Bereich Fusionen und Übernahmen verantwortlich. Dass er nun mit fünf weiteren Partnern zu Cravath geht, einem der traditionsreichsten und angesehensten Kanzleihäuser der USA, ist ein deutlicher Fingerzeig auf die zunehmende Konkurrenz um die besten Juristen im Markt.
Wellenbewegungen im US-Kanzleimarkt
Die Vorgänge bei Weil sind kein Einzelfall. Der Markt für Spitzenjuristen in den USA ist extrem wettbewerbsintensiv. Kanzleien wie Cravath und Paul Weiss locken erfolgreiche Partner mit hohen Garantiegehältern und lukrativen Vergütungsmodellen. Für Weil kommt erschwerend hinzu, dass gleich mehrere Schlüsselfiguren aus dem Private-Equity-Bereich abwandern – einem Segment, das in den vergangenen Jahren zu den profitabelsten Beratungsfeldern zählte.
Die Abgänge könnten auch Auswirkungen auf das Tagesgeschäft haben. Wenn erfahrene Partner mit ihren Teams und Mandantenbeziehungen die Kanzlei verlassen, müssen die verbleibenden Partner diese Lücken schließen. Für die neue Führung unter Ramona Nees wird es daher eine der vordringlichsten Aufgaben sein, die verbleibenden Partner zu halten und das Vertrauen der Mandanten zu bewahren.
Weil, Gotshal & Manges zählt zu den führenden Wirtschaftskanzleien der Welt mit Hauptsitz in New York und Büros in zahlreichen Finanzmetropolen. Die Kanzlei berät seit Jahrzehnten große Unternehmen und Investmentbanken bei komplexen Transaktionen und Rechtsstreitigkeiten. Ob die aktuellen Abgänge langfristige strategische Konsequenzen haben werden, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die neue Führung Stabilität zurückgewinnen kann.
