Wall-Street-Anleger gelassen
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An der Wall Street fehlten gestern zunächst neue Impulse, wodurch lange Unsicherheit herrschte, insbesondere im Vorfeld der Verbraucherpreise für den April. Trotz eines überraschend starken Anstiegs der US-Erzeugerpreise blieben die Anleger gelassen. Erst gegen Ende der Sitzung kam Kaufinteresse auf. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,32 Prozent höher bei 39.558 Punkten und bleibt damit nahe seinem Rekordhoch. Der S&P 500 stieg um 0,48 Prozent auf 5.246 Punkte, und der Nasdaq legte um 0,75 Prozent auf 16.511 Punkte zu.
Paul Nolte, Portfoliomanager bei Kingsview, erklärte, dass die Anleger einige Revisionen des Erzeugerpreisindex betrachteten und die Situation als nicht so schlecht bewerteten. Dies könnte darauf hindeuten, dass höhere Preise bei vielen Unternehmen in die Erträge einfließen. Auch die sogenannten Meme-Aktien standen wieder im Fokus. So stiegen die Aktien der Einzelhandelskette Gamestop um 60 Prozent und die des Kinobetreibers AMC Entertainment um 32 Prozent. Analyst Brett Castelli von Morningstar sah keinen fundamentalen Grund für diese Entwicklungen und führte sie auf den Meme-Handel zurück.
Google kündigte auf der Entwicklerkonferenz Google I/O an, seine Suchmaschine und andere Dienste mit Künstlicher Intelligenz zu verbessern. KI-erzeugte Übersichten zu Suchergebnissen sollen bald für alle Nutzer in den USA verfügbar sein, weitere Länder folgen. Diese Neuerungen könnten die Art und Weise, wie Suchanfragen verarbeitet werden, erheblich verändern. Aktien der Google-Mutter Alphabet drehten nach einem verhaltenen Start ins Plus und schlossen 0,6 Prozent höher.
Notenbankpräsident Jerome Powell mahnte zur Geduld hinsichtlich der zukünftigen Geldpolitik. Er erklärte, dass das erste Quartal in den USA bemerkenswert war für das Fehlen weiterer Fortschritte bei der Inflationsentwicklung. Die hohen Inflationsraten waren unerwartet und man müsse den hohen Zinsen Zeit lassen, ihre Wirkung zu entfalten. Der Rückgang der Inflation war zuletzt ins Stocken geraten, und die Erwartungen für Zinssenkungen durch die Federal Reserve wurden in die zweite Jahreshälfte verschoben.
Im DAX blieb die Bewegung am Ende gering, er schloss bei 18.716 Punkten leicht im Minus. Der MDAX performte hingegen deutlich besser und gewann 1,47 Prozent auf 27.219 Punkte. Dieser Anstieg wurde unter anderem durch einen Kurssprung bei Delivery Hero unterstützt, nachdem Uber das Foodpanda-Geschäft in Taiwan übernommen hatte.
Die Ölpreise gaben nach, und der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel auf 82,40 Dollar. Der Rüstungskonzern Rheinmetall verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatzanstieg von 16 Prozent, während Bayer durch ein schwaches Agrargeschäft belastet wurde. Der Chemikalienhändler Brenntag schnitt schwach ab und senkte seine Gewinnziele, was die Aktie belastete. Der Großaktionär von Volkswagen, Porsche SE, verzeichnete aufgrund des schwächeren operativen Ergebnisses von Volkswagen einen Gewinnrückgang. Der Nettogewinn der Hannover Rück stieg um 15 Prozent, während die Siemens-Pensionsfonds ihre Beteiligung an Siemens Energy verringerten.
