Waffenstillstand USA-Iran lässt Ölpreis und Energieaktien einbrechen
Ein Waffenstillstand im Nahostkonflikt vernichtet die Kriegsprämie beim Öl – Energieaktien weltweit unter massivem Druck.

Energieaktien in den USA und Europa haben am Mittwoch deutlich nachgegeben, nachdem US-Präsident Donald Trump einer zweiwöchigen Aussetzung der Angriffe auf den Iran zugestimmt hatte. Bedingung war die sofortige und sichere Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Der Ölpreis fiel daraufhin unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel – ein klares Signal, dass die Märkte die eingepreiste Kriegsprämie rasch abbauten.
Brent-Futures fielen auf 90,40 US-Dollar, den niedrigsten Stand seit fast einem Monat. Damit gaben sie die im März erzielten Rekordgewinne wieder ab, die durch konfliktbedingte Versorgungsunterbrechungen ausgelöst worden waren. Seit Ende Februar bis zum 7. April waren Brent und die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 50,8 % beziehungsweise 68,5 % gestiegen – getrieben von Befürchtungen über Störungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus, einem der wichtigsten Ölkorridore der Welt.
„Die erste Marktreaktion war signifikant, aber die Stimmung wird weiterhin von Schlagzeilenrisiken getrieben bleiben", sagte Achilleas Georgolopoulos, leitender Marktanalyst beim Brokerhaus XM. „Jedes Anzeichen dafür, dass der Waffenstillstand am seidenen Faden hängt, kann die heutige verbesserte Risikobereitschaft schnell umkehren, wobei die Ölpreise zuerst reagieren werden."
US-Energieriesen mit Verlusten von bis zu 9 Prozent
Energieaktien, die Anfang des Jahres aufgrund höherer Ölpreise stark gestiegen waren, führten die allgemeinen Marktrückgänge an. Die Aktien von Exxon Mobil und Chevron verloren jeweils mehr als 6 %. Produzenten wie Occidental Petroleum, Devon Energy, Diamondback Energy und ConocoPhillips gaben zwischen 7,7 % und 9 % nach. Auch Ölfelddienstleister und Raffinerien verzeichneten auf breiter Front Verluste.
Besonders hart traf es die Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), die während des Konflikts von erhöhten Spotpreisen profitiert hatten. Venture Global brach um 17 % ein, Cheniere Energy verlor 7 %. Der Rückgang folgt auf ein außergewöhnlich starkes erstes Quartal für den Sektor: Der S&P 500 Energy Index war in diesem Zeitraum um mehr als 37 % gestiegen und damit der beste Sektor im gesamten S&P 500, der im gleichen Zeitraum lediglich rund 4,6 % zulegte.
Ashley Kelty, Analyst bei Panmure Liberum, sieht in der Atempause dennoch eine Chance: Die Pause könnte den Märkten mehr Zeit geben, die Folgen des Konflikts zu verarbeiten und die Schäden an den Anlagen sowie die für den Hochlauf der Produktion benötigte Zeit einzupreisen.
Europäische Ölmultis und Fluggesellschaften im Fokus
In Europa fielen die Aktien von TotalEnergies, Shell, BP, Eni und Repsol zwischen 5,5 % und 8 %. Die norwegische Equinor brach besonders stark um 13,7 % ein, während Var Energi 13,2 % und Aker BP 2 % verloren. Der europäische Öl- und Gassektor war der schwächste Performer des Tages mit einem Minus von 3,3 % und steuerte auf seinen größten Tagesverlust seit April 2025 zu. Trotz des Einbruchs liegt der Index im Jahr 2026 bisher noch immer 31 % im Plus.
Matthew Ryan, Leiter der Marktstrategie beim globalen Finanzdienstleister Ebury, warnte vor anhaltender Unsicherheit: „Sollten die Gespräche ins Stocken geraten oder die Aktivitäten in der Meerenge gedämpft bleiben, könnten die Ölpreise und der Dollar ihren Kurs recht schnell wieder umkehren."
Auf der Gewinnerseite standen unterdessen die Fluggesellschaften: United Airlines, Delta Air Lines und American Airlines legten jeweils um über 10 % zu. Sinkende Ölpreise bedeuten für die Branche niedrigere Treibstoffkosten – nach wochenlangem Druck durch den Energiepreisanstieg eine spürbare Entlastung.
