Waffenruhe USA-Iran: Ölpreis klettert wieder über 100 Dollar
Trotz Waffenruhe zwischen USA und Iran treiben Blockade der Straße von Hormus und Tankerbeschlagnahmungen den Brent-Preis über 100 Dollar.

Die erhoffte Entspannung an den Ölmärkten bleibt aus. Obwohl eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran zunächst die Erwartung weckte, die Ölpreise könnten sich beruhigen, sorgten die anhaltende Blockade der Straße von Hormus sowie gegenseitige Tankerbeschlagnahmungen dafür, dass der Brent-Rohölpreis in dieser Woche erneut über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel stieg.
Die Situation erinnert an das Gedankenexperiment von Schrödingers Katze: Die Waffenruhe existiert offiziell – und tut es gleichzeitig nicht. Denn US-Präsident Donald Trump verlängerte zwar am Dienstag seine ursprünglich auf zwei Wochen angesetzte Frist für die Waffenruhe, bis die Verhandlungen mit Teheran abgeschlossen sind. Gleichzeitig hielt er jedoch die US-Seeblockade der Straße von Hormus für Schiffe auf dem Weg in den Iran aufrecht – ein klarer Widerspruch, der die Märkte verunsichert.
Aktienmärkte zeigen sich zunächst widerstandsfähig
Der Anstieg des Ölpreises bremste die globale Aktienrally am Donnerstag merklich aus. Allerdings geschah dies erst, nachdem viele wichtige Aktienmärkte zu Beginn der Woche bereits neue Höchststände erreicht hatten. Der kurzfristige Dämpfer kam also von einer bereits erhöhten Ausgangslage.
Marktbeobachter erwarten dennoch keine längere Pause bei der Aufwärtsbewegung an den Börsen. Für die meisten Anleger ist es schlicht zu kostspielig, weiterhin an der Seitenlinie zu verharren und auf günstigere Einstiegskurse zu warten. Das Kapital sucht Rendite – und das Risiko des Nichtstuns überwiegt in vielen Portfolios das Marktrisiko selbst.
Das größte Risiko ist die Risikoaversion
Besonders bemerkenswert ist eine paradoxe Einschätzung, die Analysten in diesem Umfeld zunehmend teilen: In einer Zeit geopolitischer Konflikte und rasanten technologischen Wandels könnte das größte Risiko für Anleger ausgerechnet die Risikoaversion selbst sein. Wer zu lange wartet, verpasst möglicherweise erhebliche Kursgewinne.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Rund 20 Prozent des global gehandelten Öls passieren diese enge Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Eine anhaltende Blockade oder Eskalation in dieser Region hat daher unmittelbare Auswirkungen auf die globale Energieversorgung und die Rohstoffpreise weltweit – und damit auch auf die Kaufkraft und Energiekosten in Deutschland und Europa.
Die Lage bleibt damit unübersichtlich: Waffenruhe und Blockade existieren nebeneinander, die Verhandlungen laufen, und die Märkte reagieren sensibel auf jede neue Entwicklung. Anleger sollten die Situation rund um den Persischen Golf und die Straße von Hormus weiterhin genau im Blick behalten.
