Vireo Growth kauft Cannabis-Anbaufläche in Florida für 21 Millionen Dollar
Der Cannabis-Multistate-Operator erwirbt einen 415.000 Quadratfuß großen Anbau-Campus im Putnam County und steigt zum zweitgrößten Betreiber Floridas auf.

Vireo Growth setzt seine Expansionsstrategie in den USA fort. Der in Minneapolis ansässige Cannabis-Multistate-Operator (MSO) hat nach einem Bericht der Palatka Daily News 21 Millionen US-Dollar für einen 415.000 Quadratfuß großen „Cannabis-Anbau-Campus" im Bundesstaat Florida ausgegeben. Der Kauf erfolgte Anfang dieses Monats.
Bei der Immobilie handelt es sich um den ehemaligen Green Dragon Cannabis Cultivation Campus. Er liegt im Putnam County, einer ländlichen Region südlich von Jacksonville. Ein Käufer mit Verbindungen zu Vireo erwarb das Objekt; zuvor hatte Vireo das Gebäude nach Angaben der Zeitung bereits gemietet. Als ursprünglicher Vermieter wird in den Handelsregisterunterlagen die Rainbow Realty Group genannt, eine in New York ansässige Immobilien-Investmentgesellschaft (REIT).
Mit dem Schritt baut Vireo seine Stellung im größten rein medizinischen Cannabis-Markt der USA aus. Florida kommt nach Angaben aus dem Quelltext auf rund 2 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Vireo betreibt dort 108 Dispensaries unter den Marken Green Dragon, Planet 13 und Fluent und ist damit der zweitgrößte Betreiber in diesem Markt.
Die Details
Den jüngsten Schritt in Florida hatte Vireo bereits Anfang dieses Monats signalisiert. Damals gab das Unternehmen bekannt, einen Kredit über 60 Millionen US-Dollar zu einem jährlichen Zinssatz von 8,5 Prozent gesichert zu haben. Mit dem Geld sollen frühere Schulden umgeschuldet und der Kauf sowohl des Green-Dragon-Anbauorts in Florida als auch einer zweiten Cannabis-Anbau- und Produktionsstätte in New York finanziert werden.
Vireos Finanzvorstand Tyson Macdonald bezeichnete den Zinssatz in einer Erklärung vom 5. Oktober als „eine der attraktivsten Raten im Cannabis-Sektor". Zum damaligen Zeitpunkt teilte das Unternehmen mit, dass etwa 11 Millionen US-Dollar aus dem neuen Kreditgeschäft direkt für den Kauf der Immobilie in Florida verwendet werden sollten. Als Kreditgeber nannte Vireo eine nicht namentlich genannte „US-Kommerzialbank und institutionelle Kreditgeberin".
Der Kauf fällt in eine Phase, in der sich der Wettbewerb in Florida verändert. Erst im vergangenen Monat vergab der Bundesstaat nach einem langwierigen Verfahren 22 neue vertikal integrierte Lizenzen für medizinisches Cannabis. Zugleich gibt es Signale, dass andere Betreiber den rein medizinischen Markt verlassen wollen – Vireo geht mit seiner Wette auf Florida damit gegen diesen Trend.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Florida-Transaktion ist Teil einer seit Längerem laufenden Kaufserie. Bereits am 18.04.2026 berichtete aktien.news, dass Vireo Growth die Übernahme von The Hawthorne Gardening Company von The Scotts Miracle-Gro Company bekanntgegeben hat. Die Transaktion erfolgte im Rahmen einer Aktientransaktion: Als Gegenleistung wurden 213 Millionen Aktien zu einem fiktiven Preis von 0,60 US-Dollar ausgegeben, zusätzlich umfasste die Vereinbarung 80 Millionen Optionsscheine mit einem Ausübungspreis von 0,85 US-Dollar je Schein. Das kombinierte Barmittel- und Nettoumlaufvermögen belief sich damals auf rund 110 Millionen US-Dollar.
Ebenfalls am 18.04.2026 berichtete aktien.news über die Schwierigkeiten des Unternehmens am Kapitalmarkt. Der Aktienkurs von VREOF lag damals bei 0,45 US-Dollar und war seit Jahresbeginn um 26,6 Prozent gefallen – deutlich unter dem Ausgabepreis der großen Kapitalerhöhung Ende 2024, der bei 0,62 US-Dollar lag. Alan Brochstein, CFA, Gründer der Plattform 420 Investor, führte damals aus, dass Vireo trotz wachsender Marktpräsenz in der Cannabis-Investmentgemeinschaft kaum Anklang finde.
Am 04.07.2026 meldete aktien.news den Eintritt von Vireo in den Markt von Pennsylvania. Der Deal mit einem Gesamtvolumen von rund 20 Millionen US-Dollar wurde über ein Joint Venture mit Hive Holdings namens Vive Penn abgewickelt, das FarmX übernimmt – ein Unternehmen, das unter dem Markennamen PhytoNatural firmiert und eine noch nicht aktive Einzelhandelslizenz hält. Diese Lizenz erlaubt dem Joint Venture vorbehaltlich behördlicher Genehmigung den Betrieb von bis zu sechs Verkaufsstellen für medizinisches Marihuana.
Am 05.10.2026 berichtete aktien.news zudem, dass in Florida Aktivisten zwei neue Initiativen zur Legalisierung von Marihuana für die Wahlurne 2028 eingereicht haben, während eine dritte, zuvor eingereichte Maßnahme weiterhin aussteht.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Transaktion vor allem ein Signal zur Kapitaldisziplin. Vireo finanziert den Florida-Kauf nicht aus dem operativen Geschäft, sondern über einen Kredit mit 8,5 Prozent Jahreszins – ein im Cannabis-Sektor vergleichsweise günstiger Satz, wie das Unternehmen selbst betont. Die frühere Finanzierung des New-York-Standorts im Mai erfolgte dagegen zu deutlich höheren Kosten: eine Verkäuferschuldverschreibung von IIP über 49 Millionen US-Dollar zu einem Zinssatz von 15 Prozent sowie ein Kredit von Chicago Atlantic Financial Services in Höhe von 41 Millionen US-Dollar. Damals hatte Vireo ein 390.000 Quadratfuß großes Grundstück in Perth, NY, von seinem Vermieter, dem in San Diego ansässigen REIT Innovative Industrial Properties, erworben.
Interessant ist auch die Struktur der Zukäufe. Vireo nutzt wiederholt Aktientransaktionen statt Barmittel – etwa beim 47 Millionen US-Dollar schweren, reinen Aktien-Tausch gegen Eaze, über den sich das Unternehmen Anfang dieses Jahres Green Dragon und dessen 41 medizinische Cannabis-Dispensaries sicherte. Auch die Übernahme des in Florida ansässigen Unternehmens Fluent im April erfolgte als reiner Aktien-Deal im Tausch gegen die Übernahme der Schulden des Unternehmens. Für Aktionäre bedeutet das eine Verwässerung, für das Unternehmen aber den Verzicht auf zusätzliche Barmittelabflüsse.
Zu weiteren wichtigen Akquisitionen von Vireo in jüngster Zeit zählen ein reiner Aktienzusammenschluss mit Planet 13 im Juli, ein Joint-Venture-Deal über 20 Millionen US-Dollar zum Erwerb einer Einzelhandelslizenz in Pennsylvania im Juli sowie 49 Millionen US-Dollar für den Erwerb der Colorado-Assets des MSO PharmaCann.
Der regulatorische Rahmen bleibt der größte Unsicherheitsfaktor. Mehrere Bemühungen zur Legalisierung von Cannabis für Erwachsene in Florida, finanziert von dem in Tallahassee ansässigen MSO Trulieve Cannabis Corp., sind am erbitterten Widerstand des republikanischen Gouverneurs Ron DeSantis gescheitert. Vireos Engagement in Florida hängt damit weiterhin stark vom rein medizinischen Markt ab.
Ausblick
Vireo hat mit dem Kredit über 60 Millionen US-Dollar nicht nur den Florida-Kauf, sondern auch eine zweite Cannabis-Anbau- und Produktionsstätte in New York finanziert. Beide Standorte sind damit Teil derselben Finanzierungsrunde. In Florida bleibt abzuwarten, wie sich der Markt nach der Vergabe der 22 neuen vertikal integrierten Lizenzen entwickelt. Auf politischer Ebene liegen mit den im Oktober eingereichten Initiativen zwei Vorlagen für die Wahlurne 2028 vor, während eine dritte Maßnahme noch aussteht.
Kurz erklärt
- MSO: Ein Multistate Operator ist ein Cannabisunternehmen, das in mehreren US-Bundesstaaten Anbau, Produktion und Verkauf betreibt.
- REIT: Ein Real Estate Investment Trust ist eine börsennotierte Gesellschaft, die Immobilien hält und vermietet.
- Vertikal integrierte Lizenz: Sie erlaubt einem Betreiber, Anbau, Verarbeitung und Verkauf von Cannabis im selben Bundesstaat zu betreiben.
