Trump attackiert die US-Notenbank
Streit um Gouverneurin Cook entfacht Debatte über Fed-Unabhängigkeit und Marktrisiken

Die Unabhängigkeit der US-Notenbank gerät zunehmend unter politischen Druck. Präsident Donald Trump hat mit der fristlosen Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook den bislang heftigsten Angriff auf die Zentralbank gestartet. Er wirft ihr vor, sich vor ihrer Zeit bei der Fed unrechtmäßig günstige Hypotheken gesichert zu haben. Cook bestreitet die Vorwürfe und klagt gegen die Entscheidung. Solange die Gerichte nicht entschieden haben, bleibt sie im Amt. Dennoch zeichnet sich ab, dass Trump den Gouverneursrat zu seinen Gunsten umbauen will. Bereits im August hatte er nach dem Rücktritt von Gouverneurin Adriana Kugler seinen umstrittenen Berater Stephen Miran in das Gremium berufen, der für eine Lockerung der Fed-Unabhängigkeit steht.
Sollte Trump erfolgreich sein, könnte er mit Miran sowie den ihm nahestehenden Gouverneuren Christopher Waller und Michelle Bowman bereits eine Mehrheit im siebenköpfigen Gouverneursrat gewinnen. Die Finanzmärkte reagieren bislang jedoch kaum auf diese Gefahr. Beobachter warnen, dass ein politischer Einfluss auf die Geldpolitik zu massiven Verwerfungen führen könnte. Christine Lagarde und Isabel Schnabel von der Europäischen Zentralbank betonten, die Unabhängigkeit der Fed sei entscheidend für die Stabilität der Weltwirtschaft. Auch fast 600 US-Ökonomen, darunter Nobelpreisträger Claudia Goldin und Paul Romer, fordern in einem offenen Brief, die Notenbank dürfe nicht zum politischen Spielball werden.
Einflussreiche Investoren schlagen ebenfalls Alarm. Hedgefonds-Milliardär Ray Dalio warnte vor einer möglichen Autokratie und zog Parallelen zu den 1930er-Jahren. Er befürchtet, dass eine geschwächte Fed gezwungen sein könnte, die Zinsen künstlich niedrig zu halten, was das Vertrauen in den Dollar erschüttern und Kapital in andere Anlageklassen wie Gold umleiten würde. Bereits jetzt deuten steigende Renditen bei US-Staatsanleihen und der Rekordstand des Goldpreises auf wachsende Unsicherheit hin.
Auch Devisenexperte George Saravelos von der Deutschen Bank sieht Gefahren. Er verweist darauf, dass die Inflationserwartungen bislang stabil geblieben sind, obwohl eine politisierte Fed sie eigentlich nach oben treiben müsste. Die historische Parallele zu den 1970er-Jahren, als die Fed unter politischem Druck die Zinsen zu stark senkte und eine Inflation auslöste, zeigt die Risiken. Sollte Trump sich durchsetzen und Cook verlieren, könnte der Dollar massiv abwerten, während Investoren langlaufende Staatsanleihen abstoßen.
Zwar entscheidet letztlich das Federal Open Market Committee über den Leitzins, in dem neben den Gouverneuren auch regionale Notenbankchefs vertreten sind. Doch diese müssen regelmäßig bestätigt werden – das nächste Mal im Februar 2026. Experten befürchten, dass Trump-Lageristen hier Druck aufbauen könnten. Schon allein die Enthaltung einzelner Gouverneure bei Zinsentscheidungen könnte nach Einschätzung von Marktbeobachtern zu erhöhter Volatilität führen.
