USA verdoppeln Strafzölle auf indische Waren
Washington reagiert auf russische Ölimporte, Neu-Delhi sucht engere Nähe zu China

Die Vereinigten Staaten haben die Strafzölle auf zahlreiche Importe aus Indien von 25 auf 50 Prozent verdoppelt. Betroffen sind vor allem Produkte wie Textilien, Schmuck oder Lederwaren, die nach Angaben der US-Regierung seit Mittwoch zu den neuen Konditionen eingeführt werden müssen. Präsident Donald Trump hatte die Maßnahme bereits vor Wochen angekündigt, nun ist sie in Kraft getreten. Nach Einschätzung des Handelsberaters des Weißen Hauses, Peter Navarro, handelt es sich um eine der höchsten Strafabgaben, die Washington bislang gegen einen Handelspartner verhängt hat.
Begründet werden die Zölle mit den anhaltenden Ölkäufen Indiens in Russland. Diese würden indirekt dazu beitragen, den Krieg Moskaus gegen die Ukraine zu finanzieren. Seit dem russischen Angriff im Jahr 2022 hat sich der Anteil russischen Öls an den indischen Importen von zwei auf rund 36 Prozent erhöht. Indien ist nach China der zweitgrößte Abnehmer russischen Erdöls. Trotz internationaler Kritik hält Neu-Delhi an dieser Strategie fest und verweist auf günstige Preise, zu denen Russland Rohstoffe auch aufgrund westlicher Sanktionen mit Abschlägen anbieten muss.
Russlands Vizeregierungschef Denis Manturow erklärte zuletzt bei einer russisch-indischen Regierungssitzung, dass die Lieferungen von Rohöl, Ölprodukten sowie Kohle fortgeführt würden. Zudem sehe er Potenzial für eine Ausweitung der Exporte von Flüssiggas. Erst in der vergangenen Woche war der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar zu Gesprächen in Moskau, wo er auch Präsident Wladimir Putin traf. Zwar gibt es Berichte, wonach Indien seine Ölkäufe aus Russland reduzieren könnte, doch offiziell hält die Regierung an ihrer Linie fest.
Die Zölle gelten nicht für alle Waren aus Indien. Ausgenommen sind unter anderem Pharma-Produkte und Computerchips. Trump kündigte jedoch an, dass für diese Warengruppen in den kommenden Monaten weltweit gesonderte Aufschläge eingeführt werden sollen. Schon seit fast drei Wochen galt für Importe aus Indien ein Strafzoll von 25 Prozent. Premierminister Narendra Modi hatte Mitte August betont, dass Indien langfristig seine Energieversorgung unabhängiger gestalten wolle.
Der Handelskonflikt hat die Beziehungen zwischen beiden Ländern deutlich belastet. Nach Schätzungen von Exportverbänden könnten die neuen Zölle bis zu 55 Prozent der indischen Exporte in die USA betreffen. Diese hatten im vergangenen Jahr ein Volumen von rund 87 Milliarden US-Dollar. Zugleich könnte die Attraktivität Indiens als alternativer Produktionsstandort zu China sinken. In Reaktion darauf hat sich Neu-Delhi stärker Peking zugewandt, Linienflüge nach Washington gestrichen und die Wiederaufnahme von Verbindungen nach China angekündigt.
Trotz der Spannungen betonen beide Regierungen in offiziellen Erklärungen, ihre bilateralen Beziehungen weiter vertiefen zu wollen. Das US-Außenministerium und das indische Außenministerium veröffentlichten gestern gleichlautende Stellungnahmen, in denen hochrangige Vertreter diese Absicht bestätigten.
