USA verlängern Ausnahmeregelung für NIS
Serbiens einzige Raffinerie bleibt trotz russischer Anteile vorerst von Sanktionen verschont

Die Vereinigten Staaten haben zum sechsten Mal eine Ausnahmegenehmigung von den Sanktionen gegen das serbische Ölunternehmen NIS verlängert. Das teilte Serbiens Energieministerin Dubravka Djedovic Handanovic am Mittwoch mit. Die neue Frist gilt bis zum 26. September. NIS betreibt die einzige Raffinerie des Landes und ist mehrheitlich im Besitz des russischen Ölproduzenten Gazprom Neft.
Nach Angaben der Ministerin ist das Ziel, NIS vollständig von der Sanktionsliste des US-Finanzministeriums zu streichen. Washington hatte am 10. Januar Sanktionen gegen den russischen Ölsektor verhängt und Gazprom Neft 45 Tage Zeit gegeben, sich aus der Beteiligung an NIS zurückzuziehen. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums reagierte zunächst nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Ein serbischer Regierungsvertreter hatte bereits am Dienstag erklärt, dass die Ausnahmeregelung von Washington gesichert sei. NIS ist für die Energieversorgung des Landes von zentraler Bedeutung. Die Raffinerie im nahe Belgrad gelegenen Pancevo verfügt über eine jährliche Verarbeitungskapazität von 4,8 Millionen Tonnen und deckt den größten Teil des serbischen Bedarfs.
An NIS hält Gazprom Neft 44,9 Prozent der Anteile, Gazprom 11,3 Prozent und die serbische Regierung 29,9 Prozent. Um Sanktionen abzuwenden, übertrug Gazprom Neft am 26. Februar rund 5,15 Prozent seiner Anteile an die Muttergesellschaft Gazprom. Trotz dieser Maßnahmen bleibt das Unternehmen weiterhin mit Sanktionen belegt, die allerdings durch die erneute Ausnahmegenehmigung bis Ende September ausgesetzt sind.
Die Belieferung der Raffinerie ist stark von Rohöllieferungen über die kroatische Pipelinegesellschaft Janaf abhängig. Sollten die Sanktionen wirksam werden, könnte dies die Versorgung Serbiens mit Erdöl gefährden. Die Anlage in Pancevo ist die einzige Raffinerie des Landes und spielt eine entscheidende Rolle für die Stabilität des Energiemarktes in Serbien.
Washingtons wiederholte Verschiebung der Sanktionen verdeutlicht die schwierige Balance zwischen geopolitischen Maßnahmen gegen Russland und der Sicherstellung der Energieversorgung in Südosteuropa. Während die Regierung in Belgrad auf eine endgültige Streichung von der Sanktionsliste hofft, bleibt die Abhängigkeit von russischem Einfluss im Energiesektor bestehen.
Wirtschaftlich ist NIS einer der bedeutendsten Industriebetriebe Serbiens und beschäftigt mehrere Tausend Mitarbeiter. Die Zukunft des Unternehmens hängt nun davon ab, ob es gelingt, eine dauerhafte Lösung im Hinblick auf die Sanktionen zu finden und die Versorgung des Landes weiterhin stabil zu gewährleisten.
