US-Rendite vor 5 Prozent: Setzt Bessent jetzt seine Bazooka ein?
Rendite der 10-jährigen US-Anleihe nähert sich der 5-Prozent-Marke – Finanzminister unter Druck.

Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen steigen unaufhaltsam – und die 5-Prozent-Marke bei der zehnjährigen Laufzeit rückt in greifbare Nähe. Am Freitag notierte die Rendite bei 4,975 Prozent, ein Anstieg um 19,1 Basispunkte allein in dieser Woche. Das langfristige 30-Jahres-Papier erreichte sogar ein Niveau nahe dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Für Anleger stellt sich zunehmend die Frage, ob Finanzminister Scott Bessent eingreifen wird, um einen weiteren Renditeanstieg zu verhindern.
Hinter dem Druck auf die Anleihemärkte stehen mehrere Faktoren. Inflationsbefürchtungen, angeheizt durch stark steigende Ölpreise, sowie die massiven Kapitalanforderungen für den Aufbau von KI-Infrastruktur belasten die Kurse. Hinzu kommen wachsende Sorgen über die anschwellende fiskalische Verschuldung der USA. Die Kombination dieser Faktoren hat zu einer anhaltenden Verkaufswelle geführt, die die Renditen auf mehrjährige Hochs getrieben hat.
Das US-Finanzministerium hat bereits versucht, gegenzusteuern – bislang mit begrenztem Erfolg. Laut Yardeni Research zeigt der anhaltende Renditeanstieg trotz der Interventionsbemühungen, dass die sogenannten „Bond Vigilantes“ (Anleihe-Wachhunde) Bessent herausfordern, die „Bazooka“ in seinem Werkzeugkasten einzusetzen.
Bessents bisherige Maßnahmen und der „Bessent-Twist“
Das Finanzministerium hatte im August angekündigt, die Rückkäufe langfristiger Anleihen von zuvor zwei Milliarden Dollar auf mindestens vier Milliarden Dollar zu erhöhen. In dieser Woche bestätigte das Ministerium dann Rückkäufe von Anleihen mit Laufzeiten von zehn bis 20 Jahren im Wert von sechs Milliarden Dollar – eine Summe, die die Markterwartungen von mindestens zehn Milliarden Dollar deutlich enttäuschte.
Die endgültigen Ergebnisse der Rückkaufoperation zeigten, dass das Finanzministerium Angebote im Wert von 10,489 Milliarden Dollar erhielt, aber nur 5,187 Milliarden Dollar annahm. Yardeni Research kommentierte dazu: „Sechs Milliarden Dollar sind kaum mehr als ein Rundungsfehler in einem 31,8 Billionen Dollar großen US-Staatsanleihemarkt, einschließlich 5,5 Billionen Dollar an langfristigen Anleihen.“
Sollte Bessent seine „Bazooka“ tatsächlich einsetzen, würde dies laut Yardeni bedeuten, dass „deutlich größere Anleiherückkäufe durchgeführt werden, finanziert durch die Ausgabe weiterer Treasury-Bills“. Eine solche Operation wird als „Bessent-Twist“ beschrieben.
Fed-Zinsentscheidung rückt in den Fokus
Die Anleiherallye wurde zudem durch die jüngsten US-Inflationsberichte für Verbraucher und Produzenten verschärft, die die Erwartungen auf eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte durch die Federal Reserve am kommenden Mittwoch gefestigt haben. Yardeni Research hält diesen Schritt für zunehmend wahrscheinlich: „Ein solcher Schritt würde die Glaubwürdigkeit der Fed im Kampf gegen die Inflation untermauern. Unserer Ansicht nach könnte dies den Aufwärtsdruck auf die langfristigen Renditen etwas mildern. Wir sind der Auffassung, dass die Fed diesen Schritt bereits im Juli hätte vollziehen sollen.“
In den vergangenen Wochen hat Bessent nach Angaben von Yardeni verschiedene Instrumente eingesetzt, um gegen steigende Renditen vorzugehen. Dazu gehören die Unterstützung des Yen gemeinsam mit Japan, die Ausweitung der Rückkäufe langfristiger Anleihen und möglicherweise die Ausschöpfung des Treasury General Account, um zusätzliche Anleihekäufe zu finanzieren.
Ausblick: 5-Prozent-Marke als psychologische Schwelle
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe bewegt sich nun in greifbare Nähe der psychologisch wichtigen 5-Prozent-Marke. Yardeni Research erwartet, dass „politische Maßnahmen und kräftige Kaufaktivitäten auf diesem Niveau die 10-Jahres-Rendite innerhalb unseres Erwartungsbereichs von 4,00 bis 5,00 Prozent halten“.
Für Anleger bleibt die Lage angespannt. Sollte die Rendite die 5-Prozent-Marke durchbrechen, könnte dies weitreichende Folgen für die globalen Finanzmärkte haben. Die kommenden Tage – insbesondere die Fed-Entscheidung am Mittwoch – werden zeigen, ob Bessent und die Notenbank gemeinsam den Renditeanstieg stoppen können oder ob die Bond Vigilantes die Oberhand behalten.
