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US-Ölriesen entdecken „uninvestierbares" Venezuela plötzlich neu

Exxon Mobil, ConocoPhillips und texanische Betreiber sondieren in Caracas Chancen zur Wiederbelebung venezolanischer Ölfelder.

2 Min
US-Ölriesen entdecken „uninvestierbares" Venezuela plötzlich neu

In der Lobby des J. W. Marriott in Venezuelas Hauptstadt Caracas ist derzeit ein ungewöhnliches Geräusch zu hören: Spanisch mit texanischem Akzent. Ingenieure, Anwälte und andere Gesandte der US-Ölindustrie sind in das streng bewachte Hotel geströmt, um ihren venezolanischen Geschäftspartnern Pläne zur Wiederbelebung der maroden Ölfelder des Landes zu präsentieren.

Dutzende Vertreter der amerikanischen Energiebranche trafen sich dabei mit Delcy Rodriguez, der amtierenden Präsidentin Venezuelas, die sich als gesprächsbereit zeigte. Das Signal ist eindeutig: Nach Jahren der Isolation und des gegenseitigen Misstrauens rückt Venezuela wieder in den Fokus der US-Ölindustrie.

Vom Risikostaat zur Investitionschance

Noch vor wenigen Monaten galt Venezuela für viele internationale Energiekonzerne als schlicht zu riskant für ernsthafte Geschäfte. Doch die Stimmung hat sich offenbar gedreht. Selbst Branchenschwergewichte wie Exxon Mobil und ConocoPhillips, die das Land zuletzt gemieden hatten, sind für eine erneute Prüfung möglicher Engagements nach Caracas zurückgekehrt.

Besonders auffällig ist das Auftreten kleinerer, flexibler Akteure. Ein kleiner texanischer Betreiber wurde beobachtet, wie er damit prahlte, sein Unternehmen sei agil genug, um die Ölförderung schneller als die großen Branchenriesen anzukurbeln. Damit deutet sich an, dass nicht nur die etablierten Konzerne, sondern auch spezialisierte Mittelständler auf eine Öffnung des venezolanischen Marktes setzen.

„Das Gefühl einer bevorstehenden Chance war unverkennbar", sagte Jon Hughes, CEO der spezialisierten Energie-Investmentbank Petrie Partners, der das belebte Hotel vergangene Woche besuchte. Hughes' Einschätzung unterstreicht, wie stark sich die Wahrnehmung Venezuelas in der internationalen Energiebranche verändert hat.

Hintergrund: Venezuelas Ölindustrie im Niedergang

Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt, doch die Förderung ist in den vergangenen Jahrzehnten drastisch eingebrochen. Jahrelange Misswirtschaft, US-Sanktionen und der Verfall der staatlichen Ölinfrastruktur haben das Land von einem einstigen Schwergewicht der globalen Energieversorgung zu einem Schatten seiner selbst gemacht. Die Ölfelder gelten als dringend sanierungsbedürftig — genau das macht sie nun für ausländische Investoren mit dem nötigen technischen Know-how interessant.

Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung in Caracas vor allem mit Blick auf die Aktien der beteiligten US-Konzerne relevant. Exxon Mobil und ConocoPhillips gehören zu den größten börsennotierten Energieunternehmen der Welt. Eine mögliche Rückkehr in den venezolanischen Markt könnte langfristig die Förderkapazitäten und damit die Ertragsperspektiven dieser Unternehmen beeinflussen — birgt aber auch erhebliche politische und regulatorische Risiken.

Ob aus den Sondierungsgesprächen in Caracas konkrete Investitionen werden, bleibt abzuwarten. Die Signale aus dem J. W. Marriott sind jedoch deutlich: Die US-Ölindustrie hat Venezuela wieder auf dem Radar.

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