Exxon und Chevron: Gewinne brechen wegen Iran-Krieg ein
Der Iran-Krieg trifft die US-Ölgiganten hart: Exxon verbucht 45% weniger Gewinn, Chevron 36% weniger.

Die beiden größten US-Ölkonzerne Exxon Mobil und Chevron haben im ersten Quartal 2026 drastische Gewinneinbrüche gemeldet. Trotz stark gestiegener Ölpreise infolge des Iran-Krieges profitierten die Unternehmen nicht von unerwarteten Zusatzgewinnen. Exxon verzeichnete einen Rückgang des Nettogewinns um 45%, Chevron um 36% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Vorbörslich zeigten sich die Aktien beider Unternehmen kaum verändert, da beide die Gewinnerwartungen der Wall Street dennoch übertrafen. Die Ölpreise waren in den ersten beiden Monaten des Jahres zunächst gedrückt, da der Markt einen Angebotsüberschuss erwartete. Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar stiegen die Preise jedoch sprunghaft um 57% an – ausgelöst durch die größte Unterbrechung der Ölversorgung in der Geschichte.
Exxon: Milliardenverlust durch Timing-Effekt
Exxon-CEO Darren Woods erklärte gegenüber CNBC, dass etwa 15% der Produktion des Konzerns vom Krieg betroffen seien. Besonders kritisch: Sollte die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt – für das gesamte zweite Quartal geschlossen bleiben, würde die Produktion im Nahen Osten um 750.000 Barrel pro Tag sinken. Zudem würde der Raffinerie-Durchsatz um 3% zurückgehen.
Exxon leitete während des Krieges rund 13 Millionen Barrel in die Märkte um, die sie am dringendsten benötigten. Diese Maßnahme belastete jedoch die Quartalsbilanz erheblich. Die Handelsabteilung des Konzerns setzte Finanzabsicherungen (sogenannte Hedges) ein, um die Gewinne aus diesen Lieferungen zu sichern. Da sich die Lieferungen jedoch noch auf dem Weg zu ihren Bestimmungsorten befanden, wurden die Erlöse im Quartal nicht verbucht – die Absicherungen standen damit ohne Gegenposition da.
Dies führte zu einem Verlust von rund 4 Milliarden US-Dollar, den Exxon als „Timing-Effekt" bezeichnet. Zusätzlich verbuchte der Konzern eine Belastung von 700 Millionen US-Dollar aus geschlossenen Absicherungsgeschäften, denen aufgrund der Unterbrechungen im Nahen Osten keine physischen Lieferungen gegenüberstanden. Exxon betont, dass diese Auswirkungen vorübergehend seien und die Absicherungen in den folgenden Quartalen nach Auslieferung der Produkte zu einem Nettogewinn führen würden.
Unterm Strich wies Exxon einen Nettogewinn von 4,2 Milliarden US-Dollar oder 1,00 US-Dollar je Aktie aus, verglichen mit 7,7 Milliarden US-Dollar oder 1,76 US-Dollar je Aktie im Vorjahr. Bereinigt um die negativen Timing-Effekte und andere Sonderposten hätte das Unternehmen 8,8 Milliarden US-Dollar oder 2,09 US-Dollar je Aktie verdient. Bereinigt um die 700-Millionen-Belastung ergibt sich ein Ergebnis von 1,16 US-Dollar je Aktie.
Woods wies zudem darauf hin, dass es nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus bis zu zwei Monate dauern werde, bis die Ölströme wieder vollständig hochgefahren seien. Hinzu komme, dass es etwa einen Monat dauere, bis die aus dem Persischen Golf verschifften Barrel ihre Kunden erreichten.
Chevron weniger stark betroffen
Chevron-CEO Mike Wirth betonte, dass sein Unternehmen weniger stark vom Krieg betroffen sei als die Wettbewerber. Zwar unterhalte Chevron Aktivitäten in Saudi-Arabien, Kuwait und Israel, diese seien jedoch im Vergleich zu den großen Positionen des Konzerns in Nord- und Südamerika, Asien und Afrika von geringerer Bedeutung. Dennoch konnte auch Chevron sich dem allgemeinen Gegenwind nicht entziehen und meldete einen Gewinnrückgang von 36%.
Der Iran-Krieg und seine Folgen für die globalen Energiemärkte verdeutlichen, wie stark die Ölversorgung der Welt von geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten abhängt. Für deutsche Verbraucher und Anleger sind die Entwicklungen bei den US-Ölmultis ein wichtiger Indikator für die künftige Preisentwicklung an den Energiemärkten.
