US-Landwirte unter Druck: Düngemittelkosten verschlechtern finanzielle Lage
Fast 60 Prozent der US-Landwirte berichten von einer verschlechterten finanziellen Lage – steigende Düngemittel- und Kraftstoffkosten belasten die Anbausaison 2026.

Fast sechs von zehn US-Landwirten – genau 58 Prozent – berichten von einer Verschlechterung ihrer finanziellen Lage. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der American Farm Bureau Federation, die vom 3. bis 11. April 2024 durchgeführt wurde. Als Hauptursache nennen die Befragten die stark gestiegenen Kosten für Düngemittel und Kraftstoff, die die diesjährige Frühjahrsaussaat massiv belasten.
Die Düngemittelpreise sind infolge von Lieferunterbrechungen durch den Krieg im Nahen Osten stark angestiegen. Ein Großteil der Landwirte gibt an, sich nicht die gesamte benötigte Düngermenge leisten zu können. Die Folgen sind weitreichend: Betriebe reduzieren Betriebsmittel, ändern ihre Fruchtfolge und überdenken die Anbaumengen – mit möglichen Auswirkungen auf die Versorgung mit bestimmten Nutzpflanzen in den USA und weltweit.
Ein konkretes Beispiel liefert Lorenda Overman, die auf einem Bauernhof in Goldsboro, North Carolina, wirtschaftet, wo die Familie ihres Mannes seit Generationen das Land bewirtschaftet. Die Kosten für Düngemittel und Stickstoff auf ihrem Hof stiegen von 139 US-Dollar pro Acre im Vorjahr auf unerwartete 217 US-Dollar in dieser Saison. Da sie keine Vorbestellung aufgegeben hatte – ihr Betrieb kam im vergangenen Jahr finanziell nicht über die Runden –, trifft sie nun der volle Preisanstieg.
Regionale Unterschiede besonders gravierend
Die Auswirkungen sind nicht gleichmäßig über die USA verteilt. Im Süden des Landes haben lediglich 19 Prozent der Erzeuger Düngemittel vor der Saison vorbestellt – ein deutlicher Kontrast zum Mittleren Westen, wo sich 67 Prozent die Vorräte frühzeitig sicherten. Diese zeitliche Differenz beim Einkauf hat erhebliche finanzielle Konsequenzen: Wer nicht im Voraus kaufte, zahlt jetzt deutlich mehr.
Entsprechend stark ist die Belastung im Süden: 78 Prozent der dortigen Landwirte geben an, sich nicht den gesamten benötigten Dünger leisten zu können. Im Mittleren Westen liegt dieser Anteil bei 48 Prozent. In den Regionen Westen, Nordosten und Süden zusammen sind es mindestens 66 Prozent der Befragten, die sich die notwendigen Betriebsmittel nicht vollständig finanzieren können.
Besonders betroffen sind bestimmte Kulturpflanzen: Mehr als 80 Prozent der Reis-, Baumwoll- und Erdnusserzeuger geben an, die notwendigen Betriebsmittel nicht finanzieren zu können. Diese Kulturen gelten als besonders anfällig für geringere Erträge, da sie im Vergleich zu Sojabohnen tendenziell mehr Stickstoff benötigen.
Strategiewechsel bei den Landwirten
Viele Betriebe reagieren mit Anpassungen ihrer Anbauplanung. Tommy Salisbury, ein Landwirt aus Oklahoma und Leiter der Gruppe für junge Landwirte und Rancher des Farm Bureau, plant, seine Anbaufläche für Milo – ein maisähnliches Getreide – zu reduzieren und stattdessen verstärkt auf Sojabohnen zu setzen. Erschwerend kommt laut Salisbury hinzu, dass die Erzeugerpreise derzeit so niedrig sind, dass es bei gleichzeitig höheren Kosten schwierig wird, die Gewinnschwelle zu erreichen.
Auch Lorenda Overman überarbeitet ihre Kalkulation, um die Auswirkungen der steigenden Rohstoffkosten abzufedern. Solche Anpassungen könnten sich nicht nur auf das Nettoergebnis der einzelnen Betriebe auswirken, sondern auch auf ihre Fähigkeit, die üblichen Mengen an wichtigen Nutzpflanzen anzubauen.
Risiken für die Ernte 2026
Das Farm Bureau warnt, dass die Risiken für die Ernteerträge 2026 erheblich sind. Wenn Landwirte den Düngemitteleinsatz reduzieren oder Anbauflächen verlagern, steigt das Risiko geringerer Ernteerträge und sinkender Gesamtproduktion. Da große Teile des Südens, Nordostens und Westens ihre Kulturen nicht vollständig düngen können, dürften sich diese Risiken weiter verschärfen.
Die American Farm Bureau Federation plant daher, in den kommenden Monaten mit dem Weißen Haus zusammenzutreffen, um auf mehr Unterstützung für die betroffenen Landwirte zu drängen. Für deutsche Verbraucher und Investoren ist die Entwicklung relevant: Geringere US-Erntemengen bei Reis, Baumwolle und anderen Kulturen könnten mittelfristig die globalen Rohstoffmärkte beeinflussen und zu höheren Preisen auf den Weltmärkten führen.
