US-Blockade der Straße von Hormus vollständig in Kraft getreten
Das US Central Command erklärt die Seeblockade iranischer Häfen für vollständig umgesetzt – mit massiven wirtschaftlichen Folgen für Teheran.

Die USA haben ihre Seeblockade iranischer Häfen für vollständig in Kraft erklärt. Das U.S. Central Command teilte am späten Dienstagabend (Ortszeit) mit, dass der internationale Seehandel Teherans damit „komplett" abgeschnitten sei. Dieser Handel macht laut Angaben rund 90 Prozent der iranischen Wirtschaftskraft aus.
Mehr als 90 Prozent des jährlichen Seehandels Irans – mit einem Volumen von 109,7 Milliarden US-Dollar – werden über die Straße von Hormus abgewickelt. Laut Miad Maleki, Senior Fellow bei der Foundation for Defense of Democracies, einer überparteilichen Denkfabrik in Washington, verfügt der Iran über keine nennenswerten alternativen Handelsrouten. Maleki schätzt die täglichen wirtschaftlichen Schäden durch die Blockade auf rund 435 Millionen US-Dollar.
Die Blockade trat am Montag inmitten eines brüchigen zweiwöchigen Waffenstillstands in Kraft. Nach Angaben des US-Militärs sind mehr als 10.000 US-Soldaten sowie über ein Dutzend Navy-Schiffe und Kampfjets im Golf von Oman und im Arabischen Meer im Einsatz. In den ersten 24 Stunden gelang es keinem Schiff, die Blockade zu passieren. Sechs Handelsschiffe erhielten den Befehl zur Umkehr in einen iranischen Hafen am Golf von Oman.
Erste Verstöße gegen die Blockade gemeldet
Das Unternehmen für maritime Analysen Windward identifizierte jedoch mindestens zwei Schiffe, die die Straße von Hormus am ersten vollen Tag der aktiven US-Durchsetzung passierten. Darunter befand sich der unter US-Sanktionen stehende Tanker „Rich Starry" in chinesischem Besitz, der den Golf am Dienstag verließ.
Der Iran hatte die Straße von Hormus als Vergeltung für gemeinsame US-israelische Angriffe auf iranisches Territorium blockiert, die am 28. Februar begannen. Vor dem Krieg wurde über diese strategisch wichtige Wasserstraße etwa ein Fünftel des weltweiten Ölangebots transportiert. Die nun gegenseitigen Blockaden beider Seiten verschärfen die Lage in der Region erheblich.
Die US-Seeblockade birgt das Risiko, die Beziehungen Washingtons zu wichtigen Partnern wie China und Indien zu belasten, die zu den größten Abnehmern von iranischem Öl zählen. China bezeichnete die US-Blockade am Dienstag als „gefährliche und unverantwortliche Handlung", die die Spannungen in der Region weiter anheizen werde.
Diplomatische Signale dämpfen Ölpreisdruck
Parallel zu den militärischen Entwicklungen sendet das Weiße Haus Signale für eine diplomatische Lösung des Nahostkonflikts. Gespräche über die Fortsetzung von Verhandlungen mit Teheran sind nach Angaben der Quelle im Gange. Diese Signale haben den Druck auf den Ölmärkten etwas gemildert.
Die US-Rohöl-Futures für die Lieferung im Mai fielen bis 20:35 Uhr ET um 0,88 Prozent auf 90,40 US-Dollar pro Barrel. Die Futures für die internationale Referenzsorte Brent zur Lieferung im Juni verloren 0,31 Prozent auf 94,47 US-Dollar pro Barrel.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte am Dienstag seine Wachstumsprognose für das globale BIP im Jahr 2026 auf 3,1 Prozent – nach 3,3 Prozent in seiner Januar-Prognose. Gleichzeitig warnte der IWF davor, dass die Welt auf ein „negatives Szenario" zusteuere, in dem die Ölpreise bei etwa 100 US-Dollar pro Barrel verharren könnten. Die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus dürften dabei eine zentrale Rolle spielen.
