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US-Dienstleistungssektor unter Druck: Inflation und geopolitische Spannungen belasten Wirtschaft

Der ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor sinkt im September leicht, während der Preisdruck ein Vierjahreshoch erreicht.

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US-Dienstleistungssektor unter Druck: Inflation und geopolitische Spannungen belasten Wirtschaft

Der US-Dienstleistungssektor hat sich im September leicht abgekühlt. Wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte, sank der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Nicht-Verarbeitenden Sektor von 55,4 Punkten im August auf 54,9 Punkte. Da jeder Wert oberhalb der 50-Punkte-Marke Wachstum signalisiert, bleibt der Sektor weiterhin auf Expansionskurs – allerdings mit nachlassendem Tempo.

Gleichzeitig erreichte der Preisdruck auf die Unternehmen ein Vierjahreshoch. Der ISM-Index für die von Unternehmen gezahlten Preise kletterte auf 74,0 Punkte und markiert damit den höchsten Stand seit Juli 2022. Es entsteht ein zweigeteiltes Bild: Die Nachfrage bleibt robust, doch die Kostenbelastung wächst spürbar.

Getragen wird das Wachstum nach Angaben des ISM maßgeblich vom privaten Konsum sowie von Investitionen in Künstliche Intelligenz und Infrastruktur. Als zentraler Belastungsfaktor für die US-Wirtschaft gilt der anhaltende Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran. Die kriegerischen Auseinandersetzungen dauern seit dem 28. Februar an und haben zu einer Verknappung von Rohstoffen geführt, die durch die Straße von Hormus verschifft werden.

Die Details

Die wirtschaftlichen Folgen der geopolitischen Lage schlagen sich in mehreren Teilindizes des ISM nieder. Besonders auffällig ist der Preisdruck: Mit 74,0 Punkten liegt der Index für die von Unternehmen gezahlten Preise deutlich über der Expansionsschwelle und auf dem höchsten Niveau seit Juli 2022. Insbesondere die Rekordpreise für Diesel und steigende Energiekosten belasten Logistik, Landwirtschaft und Einzelhandel. Experten warnen, dass sich dieser Preisdruck zunehmend auf andere Sektoren ausweiten könnte.

Auch die Lieferketten zeigen Anspannung. Der ISM-Index für Lieferungen stieg auf 53,2 Punkte, was auf eine weitere Verlangsamung hindeutet. Unternehmen berichten von Engpässen bei Stahl, Treibstoff und Speicherkomponenten sowie von massiv gestiegenen Frachtkosten. Die Kombination aus knapper werdenden Vorprodukten und höheren Transportkosten verstärkt den ohnehin hohen Preisdruck.

Parallel dazu verschärft Washington den finanziellen Druck auf Teheran. Das US-Finanzministerium warnte ausländische Finanzinstitute eindringlich davor, weiterhin Geschäfte mit dem iranischen Finanzsektor zu tätigen. Institutionen, die Transaktionen mit sanktionierten iranischen Banken ermöglichen, müssen mit Sanktionen ohne Vorankündigung rechnen. Dies könnte den Ausschluss vom US-Dollar-basierten Finanzsystem sowie zivil- und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Der Beschäftigungsindex für den Dienstleistungssektor stieg im September auf 50,1 Punkte und überschritt damit knapp die Wachstumsschwelle. Während einige Unternehmen Stellen aufgrund von Effizienzgewinnen durch KI-Tools umstrukturieren, konnten andere Vakanzen durch natürliche Fluktuation neu besetzen. Ökonomen wie Jonathan Millar von Barclays bewerten dies als konsistent mit einem moderaten Beschäftigungswachstum für das vierte Quartal.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der aktuelle Bericht reiht sich in eine Serie von Meldungen ein, die die wachsende Belastung der US-Wirtschaft durch den Iran-Konflikt dokumentieren. Bereits am 07.04.2026 berichtete aktien.news, dass sich der Iran-Krieg in der sechsten Woche befand und die globalen Finanzmärkte trotz verschärfter Rhetorik aus Washington und steigender Energiepreise eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit zeigten. US-Präsident Trump drohte damals erneut mit massiven Angriffen auf den Iran, sollte die Straße von Hormus nicht wiedereröffnet werden.

Bereits am 01.04.2026 berichtete aktien.news, dass das US-verarbeitende Gewerbe im März zugelegt hatte: Der ISM-PMI kletterte von 52,4 im Februar auf 52,7 Punkte. Ein wesentlicher Treiber des Anstiegs waren jedoch keine positiven Konjunktursignale, sondern gestörte Lieferketten infolge der Schifffahrtsbeschränkungen in der Straße von Hormus. Die weltweiten Rohölpreise waren seit Beginn des Konflikts Ende Februar um mehr als 50 Prozent gestiegen, auch Düngemittel- und Aluminiumlieferungen waren betroffen.

Bereits am 16.04.2026 berichtete aktien.news über das „Beige Book" der US-Notenbank Federal Reserve. Darin stellte die Fed fest, dass US-Unternehmen und Haushalte unter doppeltem Druck standen: Neben der Unsicherheit durch die Zollpolitik der Trump-Regierung sorgte der Iran-Krieg für einen sprunghaften Anstieg der Energiepreise. Der Konflikt im Nahen Osten wurde als wesentliche Quelle der Unsicherheit angeführt, die Entscheidungen über Neueinstellungen, Preisgestaltung und Kapitalinvestitionen erschwerte.

Bereits am 07.07.2026 berichtete aktien.news, dass der US-Dienstleistungssektor im Juni an Dynamik verloren hatte. Der ISM-PMI für den Dienstleistungssektor war von 54,5 Punkten im Mai auf 54,0 Punkte im Juni gesunken. Der Dienstleistungssektor macht mehr als zwei Drittel der gesamten amerikanischen Wirtschaftsleistung aus – ein Rückgang des PMI-Wertes ist daher ein wichtiges Signal für die konjunkturelle Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung in den USA von erheblicher Bedeutung, da die weltgrößte Volkswirtschaft die globalen Finanzmärkte maßgeblich prägt. Der anhaltende Preisdruck im Dienstleistungssektor ist ein Signal, dass die Inflation hartnäckig bleiben könnte. Steigende Kosten für Diesel, Energie und Fracht wirken sich nicht nur auf US-Unternehmen aus, sondern können über Lieferketten und Exportpreise auch europäische Firmen treffen.

Besondere Beachtung verdient die Zinspolitik. Während einige Analysten aufgrund des anhaltenden Preisdrucks weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Federal Reserve fordern, hat die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung bei der kommenden Sitzung laut dem CME Group FedWatch Tool abgenommen. Diese Unsicherheit über den künftigen Zinspfad ist ein zentraler Faktor für die Bewertung von Aktien und Anleihen.

Die verschärften Sanktionsdrohungen des US-Finanzministeriums gegen ausländische Finanzinstitute erhöhen zudem das Risiko für Banken, die noch Geschäfte mit dem iranischen Finanzsektor abwickeln. Ein Ausschluss vom US-Dollar-basierten Finanzsystem wäre eine schwerwiegende Konsequenz. Anleger sollten die weitere Entwicklung der geopolitischen Lage daher aufmerksam verfolgen.

Ausblick

Der Blick richtet sich auf die kommende Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve. Laut dem CME Group FedWatch Tool ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung bei diesem Termin zurückgegangen, obwohl einige Analysten angesichts des Preisdrucks weitere Erhöhungen fordern. Der Ausgang bleibt damit offen.

Am Arbeitsmarkt rechnet Ökonom Jonathan Millar von Barclays mit einem moderaten Beschäftigungswachstum für das vierte Quartal. Diese Einschätzung stützt sich auf den im September auf 50,1 Punkte gestiegenen Beschäftigungsindex des ISM. Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte sein, ob sich der Preisdruck auf andere Sektoren ausweitet und wie sich die Lage in der Straße von Hormus entwickelt.

Kurz erklärt

  • PMI: Ein Einkaufsmanagerindex misst die Stimmung von Unternehmen und gilt als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung.
  • ISM: Das Institute for Supply Management ist ein US-Verband, der monatlich diese Stimmungsindizes für Industrie und Dienstleistungen erhebt.
  • CME Group FedWatch Tool: Ein Marktbarometer, das aus Terminkontrakten die erwartete Wahrscheinlichkeit von Zinsentscheidungen der US-Notenbank ableitet.
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