Uniper-Verkauf: Křetínský bietet mit, Bund plant parallel Börsengang
Die Frist für Kaufangebote ist abgelaufen, die EP-Gruppe hat ein unverbindliches Angebot abgegeben, während der Bund weiter nach einem Käufer sucht.

Die Frist für Kaufangebote auf Uniper ist am vergangenen Montag abgelaufen. Ein unverbindliches Angebot liegt vor – es stammt von der EP-Gruppe des tschechischen Investors Daniel Křetínský. Über das Gebot berichteten das Handelsblatt und die WirtschaftsWoche. Parallel dazu sucht die Bundesregierung weiter nach einem Käufer und bereitet einen Börsengang des Energiekonzerns vor.
Der Bund hält mehr als 99 Prozent an Uniper. Diese Beteiligung ist keine Dauerlösung: Nach den geltenden Vorgaben darf der Staat maximal 25 Prozent plus eine Aktie behalten. Der Verkauf der Mehrheit ist bis Ende 2028 vorgeschrieben. Die EU-Kommission hatte die Staatsübernahme im Jahr 2022 nur unter dieser Verkaufsauflage bewilligt. Für den Bund geht es also nicht um die Frage, ob er sich trennt, sondern nur darum, wann und an wen.
Börsengang oder Zerschlagung?
Innerhalb des Unternehmens ist die Sorge vor einer Zerschlagung groß. Die Arbeitnehmervertreter fordern vehement einen Börsengang und sehen darin den besseren Weg für die rund 7000 Mitarbeiter. Ein strategischer Käufer könnte dagegen Teile des Konzerns herauslösen und den Rest in der Fläche schrumpfen lassen. Uniper-Chef Michael Lewis positioniert den Konzern als Garant der Versorgungssicherheit – ein Argument, das in der politischen Debatte Gewicht hat.
Lewis machte zuletzt deutlich, worauf es ihm ankommt: "Ich finde es gut, wenn wir einen Eigentümer haben, der unsere Strategie unterstützt", sagte er. Genau diese Frage steht im Zentrum der Auseinandersetzung. Der Bund prüft, ob ein Verkauf an einen Investor oder ein Börsengang die bessere Lösung ist.
Wer ist Daniel Křetínský?
Der Tscheche ist 51 Jahre alt. Laut Forbes beläuft sich sein Vermögen auf 9,8 Milliarden US-Dollar. Ihm gehört die EP-Gruppe, außerdem kontrolliert er die Leag und die Mibrag sowie die Mehrheit am Handelskonzern Metro. In Großbritannien und Frankreich ist er an vielen Firmen beteiligt. In Deutschland tritt er öffentlich praktisch nie in Erscheinung – in Frankreich war er dagegen sichtbar und gab Interviews.
Sein Ruf eilt ihm voraus: Křetínský setzte lange auf fossile Kraftwerke, vor allem auf Kohle. 2016 erwarb er die Leag-Anlagen von Vattenfall in der Lausitz. Zuletzt gab er einen 20-Prozent-Anteil an Thyssenkrupp Steel Europe zurück. Der Vorwurf lautet, er kaufe Geschäfte im Niedergang und verstecke Geld. Eine eindeutige Beweisspur für gebrochene Zusagen wurde allerdings nicht gefunden.
Beim Stahlgeschäft zeigt sich, wie umstritten solche Engagements sind. Thyssenkrupp-CEO Miguel López warb für ein Joint Venture mit Křetínský, während die indische Stahlfamilie Jindal ein Angebot für Steel Europe abgab. Die Betriebsräte formulierten ihre Haltung so: "Wir haben hier nichts gegen Milliardäre. Wenn sie ihr Geld in Stahl investieren, freuen wir uns."
Warum Uniper politisch heikel ist
Uniper gilt in der Energiekrise der Jahre 2021 und 2022 als too big to fail. Hunderte Stadtwerke hängen von dem Versorger ab. Der Gasspeicher Rehden, vor der Energiekrise der größte deutsche Speicher, gehörte damals Gazprom Germania – ein Erbe der russischen Verbindungen, die Uniper als früherer Nachfolger der E.On-Ruhrgas mitbrachte. Křetínský zeigt allerdings keine erkennbare Nähe zum Kreml oder zu Wladimir Putin.
Heute profiliert sich Uniper als Brückenkopf zu neuen Lieferanten, etwa nach Kanada. Der Konzern nimmt an Ausschreibungen für zusätzliche Gaskraftwerke teil, die nur wenige Stunden bei Dunkelflauten laufen sollen. Die Stromerzeugung macht etwa 20 Prozent des Umsatzes aus.
Beobachter vermuten, dass es Křetínský weniger auf die Kraftwerke als auf Unipers Handelsabteilung abgesehen haben könnte. In der Lausitz erwägt die Leag parallel den Bau eigener Gaskraftwerke – ein möglicher Anknüpfungspunkt zwischen seinen Beteiligungen und dem Uniper-Geschäft.
Politisch liegt die Federführung für die Beteiligung beim Finanzministerium unter Lars Klingbeil. Im Plenarsaal debattierten Abgeordnete über Gesetzesvorschläge von Katherina Reiche. Uniper selbst lud zu einem Dialog ins Käfer-Restaurant auf dem Reichstagsdach, der am Donnerstagabend stattfand.
Worauf Anleger achten sollten
Für Privatanleger ist entscheidend, dass Uniper derzeit praktisch kein börsennotiertes Unternehmen im üblichen Sinne ist: Der Bund hält über 99 Prozent, der Streubesitz ist minimal. Ein Börsengang würde den Handel mit Uniper-Aktien wieder möglich machen – ein Verkauf an die EP-Gruppe dagegen würde den Konzern erneut vollständig in private Hände überführen.
Beide Wege haben Folgen für die Bewertung. Ein strategischer Käufer kann Synergien heben und einzelne Geschäftsbereiche abstoßen, was den Wert der verbleibenden Teile verändert. Ein Börsengang wiederum schafft Transparenz über Zahlen und Strategie und gibt Minderheitsaktionären Einfluss. Bis eine Entscheidung fällt, bleibt die Unsicherheit hoch – und damit auch die Frage, wie sich das Engagement des Bundes langfristig auflöst.
