Ungarns Haushaltsdefizit droht 2026 weiter zu wachsen
Zentralbankgouverneur Mihaly Varga warnt vor einer Ausweitung des primären Defizits und betont die Notwendigkeit fiskalischer Kontrolle.

Ungarns primäres Haushaltsdefizit könnte sich im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahreswert von 0,9 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweiten. Das erklärte Zentralbankgouverneur Mihaly Varga am Dienstag auf einer Wirtschaftskonferenz der ungarischen Finanznachrichten-Website portfolio.hu. Varga betonte dabei ausdrücklich die Notwendigkeit, das Defizit unter Kontrolle zu halten.
Die ungarische Zentralbank hatte ihren Leitzins im vergangenen Monat unverändert bei 6,25 Prozent belassen. Varga bekräftigte, dass die Notenbank einen positiven Realzins beibehalten werde, um die Inflationsrisiken im Zaum zu halten. Ein positiver Realzins bedeutet, dass der Leitzins über der aktuellen Inflationsrate liegt – ein klassisches Instrument zur Inflationsbekämpfung.
Inflationsrisiken und dämpfende Faktoren
Varga verwies auf mehrere Faktoren, die das Inflationsgeschehen in Ungarn beeinflussen. Als risikotreibend nannte er den Iran-Konflikt, der die Inflationsrisiken erhöhe. Gleichzeitig hob er hervor, dass ein stärkerer Forint sowie eine staatliche Kraftstoffpreisobergrenze dazu beitragen würden, das Preiswachstum einzudämmen.
Der Gouverneur zeigte sich zuversichtlich, was die wirtschaftlichen Grundlagen des Landes betrifft. Er erklärte, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten stärker seien als zu Beginn des Jahres 2022 – einem Jahr, das durch den Ausbruch des Ukraine-Krieges und massive globale Inflationsschübe geprägt war. Dieser Vergleich unterstreicht die relative Stabilisierung der ungarischen Wirtschaft seither.
Wirtschaftspolitik und Wachstumstreiber
Als weiteren Schlüsselfaktor für die Inflationsaussichten nannte Varga die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der künftigen Regierung. Damit deutet er an, dass die politische Weichenstellung in Budapest maßgeblich darüber entscheiden wird, wie sich die Preisentwicklung in den kommenden Monaten gestaltet.
Beim Wirtschaftswachstum setzt Ungarn weiterhin auf den privaten Konsum als wesentlichen Treiber. Varga erklärte, dass der Konsum der privaten Haushalte, unterstützt durch staatliche Maßnahmen, voraussichtlich eine tragende Rolle für das Wachstum spielen werde. Staatliche Fördermaßnahmen sollen demnach die Kaufkraft der Bevölkerung stützen und so die Konjunktur ankurbeln.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Ungarn relevant, da das Land Mitglied der Europäischen Union ist und wirtschaftliche Instabilitäten Auswirkungen auf die gesamte Region haben können. Die Kombination aus steigendem Haushaltsdefizit, erhöhten Inflationsrisiken und einem hohen Leitzins von 6,25 Prozent zeigt, dass die ungarische Notenbank weiterhin vor einer anspruchsvollen Gratwanderung zwischen Wachstumsförderung und Preisstabilität steht.
