Schweizer Inflation steigt auf 16-Monats-Hoch durch Energiekosten
Energiepreise treiben die Schweizer Inflation im April auf 0,6 Prozent – den höchsten Stand seit 16 Monaten.

Die Schweizer Verbraucherpreise sind im April im Jahresvergleich um 0,6 Prozent gestiegen. Damit erreicht die Inflation in der Schweiz ein 16-Monats-Hoch. Als Haupttreiber gelten steigende Energiekosten, die im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten stark zugelegt haben.
Der Anstieg folgt auf ein Plus von 0,3 Prozent im März und entspricht damit exakt der mittleren Prognose einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen. Es handelt sich bereits um die zweite monatliche Beschleunigung der Inflation in Folge – ein Zeichen, dass der Preisdruck in der Schweiz zuletzt wieder an Fahrt gewonnen hat.
Energiekosten als zentraler Treiber
Laut dem Schweizer Bundesamt für Statistik zählen steigende Kosten für Erdölprodukte zu den wichtigsten Ursachen der Inflationsbeschleunigung. Öl- und Gasknappheit wirkte sich dabei nicht nur direkt auf die Energiepreise aus, sondern trieb auch die Preise in anderen Sektoren in die Höhe. Besonders deutliche Zuwächse verzeichneten zudem Gemüse und tropische Früchte.
Noch nicht vollständig im aktuellen Inflationswert enthalten sind die Auswirkungen höherer Stromrechnungen. Aufgrund lokaler Regulierungen werden diese die Schweizer Verbraucher erst im nächsten Jahr belasten – was bedeutet, dass ein weiterer Preisanstieg in diesem Bereich noch bevorsteht.
Kerninflation bleibt gedämpft
Trotz des Anstiegs der Gesamtinflation zeigt die Kerninflation ein anderes Bild. Sie schließt Energie aus der Berechnung aus und verlangsamte sich im April auf 0,3 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass sich der Preisdruck bislang nicht auf breiter Front in der Schweizer Wirtschaft ausbreitet, sondern vor allem auf den Energiesektor konzentriert bleibt.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bewertet den aktuellen Kostenanstieg als vorübergehend. SNB-Präsident Martin Schlegel betonte in einer Rede am 24. April, dass es beim mittelfristigen Preisdruck „kaum Veränderungen" gebe. Die Notenbank sieht demnach keinen Grund zur Beunruhigung hinsichtlich einer dauerhaften Inflationsbeschleunigung.
Für deutsche und europäische Anleger ist die Entwicklung in der Schweiz aus mehreren Gründen relevant. Die Schweiz gilt als stabiler Wirtschaftsraum mit traditionell niedriger Inflation. Ein Anstieg auf ein 16-Monats-Hoch – selbst auf dem vergleichsweise moderaten Niveau von 0,6 Prozent – signalisiert, dass auch die Eidgenossenschaft nicht vollständig von globalen Energiepreisschocks abgeschirmt ist. Die weitere Entwicklung der Lage im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte dürften daher auch die SNB-Geldpolitik im Blick behalten.
