UBS-Studie: KI-Investitionen entfalten ungewöhnlich große Multiplikatoreffekte
Die Schweizer Großbank UBS zeigt, wie der KI-Boom die gesamte US-Investitionstätigkeit stützt – weit über die Techbranche hinaus.

Die Investitionstätigkeit im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI) entfaltet einen deutlich breiteren Schub für die US-amerikanische Unternehmensinvestitionstätigkeit, als es ihr direkter Beitrag vermuten lässt. Das geht aus Forschungsergebnissen der Schweizer Großbank UBS hervor, über die die Plattform Investing.com berichtet. Die Analyse unterstreicht, wie der KI-Boom zunehmend die Aktivitäten in der gesamten Wirtschaft stützt.
Die Zahlen fallen dabei deutlich auseinander: Die technologiebezogene Investitionstätigkeit im Zusammenhang mit KI wächst um etwa 30 Prozent im Jahresvergleich. Andere Investitionen in das betriebliche Anlagevermögen legten dagegen lediglich um 0,8 Prozent zu, während die Wohnbauinvestitionen um 3,8 Prozent schrumpften. Die Angaben stammen von Arend Kapteyn, Ökonom bei UBS, aus einem Forschungsbericht vom 25. September.
Dieser Kontrast deutet darauf hin, dass die Stärke der gesamten Investitionstätigkeit trotz einiger Anzeichen einer Verbesserung in den hochfrequenten Daten weiterhin stark auf die Ausgaben im Zusammenhang mit KI konzentriert bleibt. Der KI-Zyklus wird damit zu einer zunehmend wichtigen Quelle für das breitere Wachstum der Unternehmensinvestitionen.
Die Details
UBS schätzt, dass die KI-Investitionen ungewöhnlich große Spillover-Effekte auslösen. Die Ausgaben für Rechenzentren, Strominfrastruktur, Computer, Kommunikationsausrüstung und spezialisierte Maschinen treiben zusätzliche Investitionen in Sektoren voran, die weit über die Technologiebranche hinausgehen. Die Bank misst diesem Mechanismus eine wachsende Bedeutung für die Gesamtwirtschaft bei.
Konkret ergab die Analyse, dass jeder Prozentpunkt an Wachstumsbeitrag durch KI-bezogene Investitionen im folgenden Quartal rund 1,46 Prozentpunkte des Investitionswachstums generiert. Davon entfallen 0,46 Prozentpunkte auf fortgesetzte Investitionen innerhalb der KI-bezogenen Kategorien, 0,30 Prozentpunkte auf Software sowie Forschung und Entwicklung und 0,69 Prozentpunkte auf andere Sektoren.
UBS definiert seinen Proxy für KI-Investitionen über fünf Kategorien der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung: elektrische Übertragungs- und Verteilungsausrüstung, spezielle Industriemaschinen, Computer und Peripheriegeräte, Kommunikationsausrüstung sowie Rechenzentren. Zusammen machen diese Kategorien rund 18 Prozent der nichtwohngebäudebezogenen fixen Investitionen und etwa 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.
Der Spillover-Effekt ist insbesondere in Industrien sichtbar, die die Infrastruktur bereitstellen, die zur Unterstützung von Rechenzentren erforderlich ist. Genannt werden dabei Gasturbinen, Strominfrastruktur und Versorgungsunternehmen. UBS wies zudem auf weniger offensichtliche Nutznießer hin, wie das japanische Unternehmen TOTO. Dessen Expertise in der Keramikherstellung hat es dem Unternehmen ermöglicht, elektrostatische Chuck-Geräte für die Halbleiterproduktion herzustellen. Laut dem Bericht machen diese Produkte inzwischen mehr als die Hälfte des Gewinns des Unternehmens aus.
Die Forschung ergab außerdem, dass sich der Multiplikatoreffekt im Laufe der Zeit verstärkt hat. Das Diagramm von UBS zeigt, dass der geschätzte Beitrag eines Anstiegs der KI-bezogenen Kapitalausgaben um 1 Prozentpunkt von 88 Basispunkten im Jahr 1980 auf 106 Basispunkte im Jahr 2000 und bis Juni 2026 auf 146 Basispunkte gestiegen ist. Der Mechanismus wirkt also heute kräftiger als in früheren Jahrzehnten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass die UBS ihre Prognose für Anleiheemissionen amerikanischer Technologiekonzerne deutlich nach oben korrigiert hat. Statt der ursprünglich erwarteten 300 Milliarden Dollar rechnete die Bank damals mit einem Volumen von 360 Milliarden Dollar für 2026 – eine Erhöhung um 20 Prozent. Als Grund nannte die Bank die massiv gestiegenen Investitionsausgaben der großen Tech-Unternehmen in künstliche Intelligenz. Die sogenannten Hyperscaler planen laut UBS Gesamtausgaben von knapp 770 Milliarden Dollar für 2026.
Am 19.09.2026 meldete aktien.news, dass die UBS ihre Prognosen für die weltweiten Investitionen in KI drastisch nach oben korrigiert hat. Demnach bezifferten die aktualisierten Schätzungen der Bank die gesamten KI-Kapitalkosten für das laufende Jahr auf 998 Milliarden Dollar – nahezu eine Verdopplung gegenüber den 506 Milliarden Dollar, die 2025 in KI investiert wurden. Für das Jahr 2027 prognostizierte die Bank einen weiteren Anstieg auf rund 1,4 Billionen Dollar. Am selben Tag berichtete aktien.news zudem über 14 „überzeugendste Empfehlungen“ der UBS in den Sektoren Technologie, Medien und Telekommunikation, wobei die Analysten den Ausgabenzyklus für KI noch am Anfang sahen.
Am 29.09.2026 berichtete aktien.news über den KI-Infrastruktur-Boom in den USA. Im Zentrum stehe der Neubau von Rechenzentren, hinzu komme der Ausbau der Stromnetze, hieß es damals. Vor allem US-Techkonzerne investierten sehr hohe Summen in diese physische Basis der KI, das Ausgabenvolumen bewege ganze Industrien. Offen blieb allerdings die Frage, wer tatsächlich von diesem Boom profitiert. Die aktuelle UBS-Analyse liefert dazu nun eine Antwort: Die Wirkung reicht weit über die unmittelbaren Technologieunternehmen hinaus.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist vor allem die Struktur der Zahlen relevant. Wenn das Wachstum der Unternehmensinvestitionen derart stark auf KI-Ausgaben konzentriert ist, hängt die Dynamik der breiten Investitionstätigkeit maßgeblich von einem einzigen Ausgabenzyklus ab. Die von UBS berechneten Spillover-Effekte zeigen zugleich, dass Kapital nicht nur bei den Rechenzentrumsbetreibern landet, sondern auch bei Zulieferern von Ausrüstung, Software sowie Forschung und Entwicklung.
Interessant ist dabei die Beobachtung, dass nur ein Teil des Effekts innerhalb der KI-Kategorien selbst anfällt, während ein erheblicher Teil auf andere Sektoren entfällt. Das erweitert den Kreis möglicher Profiteure über die bekannten Technologiewerte hinaus – hin zu Industrie-, Energie- und Spezialmaschinenanbietern. Das Beispiel TOTO verdeutlicht, dass sich auch Unternehmen außerhalb des klassischen Technologieumfelds in diese Lieferkette einordnen können.
Zu beachten ist jedoch, dass die Analyse lediglich die geschätzten Wirkungszusammenhänge beschreibt. Sie enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, und die tatsächliche Entwicklung der Investitionsausgaben kann von den Modellrechnungen abweichen. Anleger sollten die Angaben daher als Einordnung des Umfelds verstehen, nicht als Grundlage für eine Anlageentscheidung.
Ausblick
Die UBS erwartet eine weitere Zunahme der KI-bezogenen Kapitalausgaben: Für 2027 rechnet die Bank mit einem Anstieg auf rund 1,4 Billionen Dollar. Der Ausgabenzyklus für künstliche Intelligenz steht nach Einschätzung der UBS-Analysten weiterhin am Anfang. Nach Angaben der Bank sollen die Hyperscaler im Jahr 2026 Gesamtausgaben von knapp 770 Milliarden Dollar tätigen.
Konkrete Termine für eine Neubewertung nennt die Quelle nicht. Allerdings zeigt die UBS-Rechnung, dass der geschätzte Multiplikator laut Diagramm bis Juni 2026 auf 146 Basispunkte gestiegen ist. Damit würde sich der Effekt auf die Investitionstätigkeit weiter verstärken, sollte die Dynamik der KI-Ausgaben anhalten.
Kurz erklärt
- Multiplikatoreffekt: Bezeichnet den Effekt, bei dem eine Investition weitere Investitionen an anderer Stelle auslöst und so eine größere Gesamtwirkung erzielt als der ursprüngliche Betrag.
- Spillover-Effekt: Beschreibt das Übergreifen wirtschaftlicher Impulse von einem Sektor auf andere, angrenzende Bereiche.
- Proxy: Stellvertretergröße, mit der sich ein wirtschaftlicher Sachverhalt messen lässt, wenn keine direkten Daten vorliegen.
- Basispunkt: Kleine Maßeinheit für Zins- und Prozentveränderungen im Finanzwesen.
