UBS sieht Kaufchance beim Real nach Brasilien-Wahl
Nach der ersten Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahl empfiehlt UBS den Kauf des Real gegenüber dem US-Dollar.

Die Schweizer Großbank UBS hat nach den Ergebnissen der ersten Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahl eine konkrete Handelschance für den brasilianischen Real identifiziert. Die Ergebnisse deuten laut UBS auf eine marktfreundlichere politische Ausrichtung hin – ein Signal, das die Bank zum Handeln veranlasst hat.
Laut UBS führt Senator Flávio Bolsonaro mit rund zwei Prozentpunkten Vorsprung vor dem amtierenden Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Bolsonaro erreichte 47,1 Prozent der Stimmen, Lula kam auf 45,0 Prozent. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielte, treten beide am 25. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an.
Die Bank empfahl am Montag, den brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar zu kaufen. Als Kursziel für das Währungspaar USD/BRL setzte UBS einen Wert von 4,75 fest, der Stop-Loss liegt bei 5,11.
Die Details
Neben dem Präsidentschaftsrennen lieferten auch die gleichzeitig abgehaltenen Kongresswahlen ein klares Signal: Rechte und Mitte-rechts-Parteien haben eine starke Präsenz im brasilianischen Senat erlangt. UBS wertet dies als Verstärkung des Signals aus der Präsidentschaftswahl – ein breit aufgestelltes konservatives Lager im Parlament könnte eine marktfreundliche Wirtschaftspolitik absichern, unabhängig vom Ausgang der Stichwahl.
Die Bank begründet ihre positive Einschätzung mit mehreren Faktoren. Ein marktfreundlicher Ausgang der zweiten Runde könnte die Erwartungen an eine Haushaltskonsolidierung stärken und zu einer breiteren Neubewertung brasilianischer Vermögenswerte führen. Zusätzlich bietet der Real einen erheblichen Zinsvorteil – den sogenannten Carry – gegenüber dem US-Dollar. Höhere Energiepreise könnten durch verbesserte Terms of Trade weitere Unterstützung liefern.
Gleichzeitig benennt UBS klar die Risiken für diesen Ausblick:
- Ein weniger marktfreundliches Ergebnis im zweiten Wahlgang
- Eine Verschlechterung der globalen Risikostimmung
- Steigende langfristige US-Renditen
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Rennen zwischen Lula und Bolsonaro war lange Zeit äußerst eng. Bereits am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass zwei zeitgleich veröffentlichte Umfragen die beiden Kandidaten in einer simulierten Stichwahl statistisch gleichauf sahen – während Lula in der ersten Runde seine Führung leicht ausbauen konnte. Das brasilianische Wahlrecht sieht eine Stichwahl vor, wenn kein Kandidat in der ersten Runde mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen erzielt.
Bereits am 27.04.2026 hatte aktien.news über eine Umfrage des Finanzinstituts BTG Pactual in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Nexus berichtet: Demnach lagen Lula mit 46 Prozent und Bolsonaro mit 45 Prozent statistisch auf Augenhöhe – innerhalb der Fehlermarge von zwei Prozentpunkten. Dieses Bild blieb über Monate hinweg stabil.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news zudem über die Einschätzung eines Emerging-Market-Fondsmanagers, der für den brasilianischen Aktienmarkt ein asymmetrisches Risikoprofil sah: Die beiden möglichen Wahlergebnisse würden an der Börse sehr unterschiedlich aufgenommen werden.
Auch auf der Währungsseite gab es bereits frühere Bewegungen: Am 26.04.2026 berichtete aktien.news, dass Goldman Sachs seine USD/BRL-Prognose deutlich nach unten korrigiert hatte – auf 4,90 in drei Monaten sowie 5,00 in sechs und zwölf Monaten. Hintergrund war die starke Wertentwicklung des Real, der sich seit Jahresbeginn als die Währung mit der besten Performance unter den Schwellenländerwährungen erwiesen hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in Schwellenländer investieren oder dies erwägen, ist die UBS-Empfehlung ein relevantes Signal. Brasilien gehört zu den größten Volkswirtschaften der Welt und ist ein bedeutender Rohstoffexporteur – Entwicklungen dort wirken sich auf globale Märkte aus.
Die UBS-Analyse zeigt, dass politische Weichenstellungen in Schwellenländern unmittelbare Auswirkungen auf Währungen und Vermögenswerte haben können. Der genannte Carry-Vorteil des Real gegenüber dem US-Dollar ist für Anleger interessant, die in Währungsstrategien oder brasilianische Anleihen investieren. Allerdings sind Währungsgeschäfte mit erheblichen Risiken verbunden – der von UBS genannte Stop-Loss bei 5,11 verdeutlicht, dass auch die Bank selbst ein klares Verlustbegrenzungsniveau definiert.
Wichtig: Die Stichwahl am 25. Oktober ist noch offen. UBS selbst benennt ein weniger marktfreundliches Wahlergebnis als zentrales Risiko für den eigenen Ausblick. Anleger sollten die Entwicklungen rund um den zweiten Wahlgang aufmerksam verfolgen.
Ausblick
Der entscheidende Termin ist der 25. Oktober: An diesem Tag findet die Stichwahl zwischen Flávio Bolsonaro und Luiz Inácio Lula da Silva statt. Laut UBS könnte ein marktfreundlicher Ausgang dieser zweiten Runde die Erwartungen an eine Haushaltskonsolidierung stärken und eine breitere Neubewertung brasilianischer Vermögenswerte auslösen. Das Kursziel der Bank für USD/BRL liegt bei 4,75 – mit einem Stop-Loss bei 5,11 als definierter Risikogrenze.
Kurz erklärt
- Carry: Der Zinsvorteil, den eine Währung gegenüber einer anderen bietet – Anleger profitieren von der Zinsdifferenz beim Halten der höher verzinsten Währung.
- Stop-Loss: Eine vorab festgelegte Kursmarke, bei deren Erreichen eine Position automatisch verkauft wird, um weitere Verluste zu begrenzen.
- Terms of Trade: Das Verhältnis zwischen den Preisen eines Landes für seine Exporte und den Preisen seiner Importe – verbessert es sich, steigen die Exporterlöse relativ zu den Importkosten.
