Pfund legt zu: Dollar schwächelt bei Pause der US-Staatsanleihen
Das Britische Pfund gewinnt leicht, während der Dollar durch eine Verschnaufpause bei US-Treasuries unter Druck gerät.

Das Britische Pfund notierte am Freitag etwas fester gegenüber dem US-Dollar. GBP/USD stieg um 0,08 Prozent auf 1,3242 Dollar. Auch der Euro legte zu: EUR/USD kletterte um 0,10 Prozent auf 1,1222 Dollar – und überwand damit wieder die psychologisch wichtige Marke von 1,120. Ausschlaggebend für die Bewegungen war nicht etwa eine Stärke des Pfunds oder des Euros, sondern eine vorübergehende Schwäche des Greenbacks.
Der Auslöser für die Dollar-Schwäche liegt am US-Anleihemarkt. Die US-Staatsanleihen (Treasuries) legten eine Verschnaufpause ein, was den Dollar belastete. Dennoch warnen Analysten davor, diese Bewegung überzubewerten. Francesco Pesole, Devisenstratege bei ING, kommentierte die Lage nüchtern: „Der Dollar hat gestern etwas an Boden verloren, da die Treasuries eine Verschnaufpause einlegten, aber wir sehen keine Anzeichen für eine breitere USD-Korrektur, die sich zusammenbraut."
Pesole ergänzte, dass „die globalen Anleihemärkte und die Risikostimmung weiterhin fragil wirken" – und dass ING „kurzfristig eine Präferenz für einen etwas stärkeren Dollar" beibehält. Die Gewinne des Pfunds scheinen damit klar durch die Dollar-Seite getrieben zu sein, nicht durch britische Fundamentaldaten. ING nannte in seinem Bericht keine britischen Wirtschaftsdaten, keine Kommentare der Bank of England und keine innenpolitischen Entwicklungen aus Großbritannien.
Die Details
Ein weiterer Faktor, der den Devisenmarkt beschäftigt, ist der Ölpreis. Dieser bleibt über 100 Dollar pro Barrel. Der Markt zögert laut ING, eine geopolitische Prämie auszupreisen – selbst nachdem US-Präsident Donald Trump erklärte, dass die Vereinigten Staaten den Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November nicht angreifen würden. Die Unsicherheit bleibt damit ein stützender Faktor für den Ölpreis.
Auf der geldpolitischen Seite sendeten zwei Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Donnerstag klare Signale. Alberto Musalem und Christopher Waller bekräftigten beide die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen. Diese hawkischen Aussagen halten die Märkte laut ING „von einer Zinserhöhung im Dezember überzeugt". Als einzige Fed-Rednerin des Tages ist Susan Collins angekündigt; ING gab keinen Hinweis auf ihre geldpolitische Positionierung.
Das wichtigste US-Datenereignis des Tages sind die Umfragen der University of Michigan. Erwartet wird, dass die Inflationserwartungen leicht steigen und die Stimmung etwas nachlässt. Diese Daten könnten den Devisenmärkten kurzfristig eine neue Richtung geben.
Beim Euro ist die Lage differenzierter. Zwar stieg EUR/USD wieder über 1,120, doch Pesole betont: „Es ist ein Zeichen dafür, dass die Devisenmärkte noch nicht bereit sind, die französische Fiskalprämie abzubauen." Der Spread zwischen 10-jährigen französischen OATs und deutschen Bundesanleihen schloss am Donnerstag bei 140 Basispunkten. ING glaubt nicht, dass Marine Le Pens Versprechen zur Haushaltskonsolidierung ausreicht, um das Blatt für französische Staatsanleihen zu wenden. Pesole sieht EUR/USD mittelfristig eher unter Druck: „Wir glauben weiterhin, dass 1,110/1,112 in naher Zukunft getestet werden könnten."
Bemerkenswert ist zudem, dass der Euro laut ING gegenüber dem Pfund, dem Schweizer Franken und der schwedischen Krone „keinerlei Anzeichen einer Erholung zeigt" – ein weiteres Indiz dafür, dass die aktuelle EUR/USD-Bewegung rein dollarseitig getrieben ist.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass das Pfund Sterling unter Druck geraten war. Damals trieben festgefahrene Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran den Brent-Rohölpreis auf 107 US-Dollar pro Barrel und stützten damit den Greenback. GBP/USD notierte seinerzeit bei 1,3232 Dollar (minus 0,19 Prozent), EUR/USD fiel auf 1,1344 Dollar (minus 0,24 Prozent).
Am 07.08.2026 hatte aktien.news über eine ähnliche Konstellation berichtet: Das Pfund gab nach, während sich der Euro kaum bewegte. Im Mittelpunkt stand damals die Positionierung vor dem US-Arbeitsmarktbericht. GBP/USD fiel auf 1,3443 Dollar, EUR/USD hielt sich bei rund 1,1525 Dollar. Auch damals war es Francesco Pesole von ING, der eine Verschlechterung der Risikostimmung und eine Erholung des Ölpreises als Haupttreiber nannte.
Am 28.04.2026 berichtete aktien.news, dass Pfund und Euro unter Druck gerieten, nachdem Washington kühl auf einen iranischen Vorschlag für ein befristetes Waffenstillstandsabkommen reagiert hatte. GBP/USD fiel um 0,5 Prozent auf 1,3476, EUR/USD verlor 0,3 Prozent auf 1,1691. Pesole stellte damals fest, dass der Dollar „nur schwer glänzen kann", obwohl das Umfeld eigentlich dollarsupportiv war.
Am 25.06.2026 schließlich meldete aktien.news eine leichte Stabilisierung von Pfund und Euro. GBP/USD notierte mit einem Plus von 0,08 Prozent bei 1,3178 – eine Bewegung, die der aktuellen Situation sehr ähnelt. Auch damals war die Erholung fragil und durch eine Beruhigung der Risikostimmung getrieben, nicht durch fundamentale Stärke der europäischen Währungen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in britische oder US-amerikanische Wertpapiere investiert sind oder Währungsrisiken im Blick behalten müssen, ist die aktuelle Lage komplex. Die Gewinne des Pfunds sind nicht fundamental untermauert – sie spiegeln lediglich eine vorübergehende Dollar-Schwäche wider. ING hält explizit an einer Präferenz für einen stärkeren Dollar fest, was bedeutet, dass die aktuelle Pfund-Stärke möglicherweise nicht nachhaltig ist.
Beim Euro kommt die französische Haushaltsproblematik als zusätzlicher Belastungsfaktor hinzu. Der Spread zwischen französischen OATs und Bundesanleihen bei 140 Basispunkten signalisiert, dass die Märkte ein erhöhtes Risiko für französische Staatsanleihen einpreisen. Wer in Euro-denominierte Anleihen oder europäische Aktien investiert ist, sollte diese Entwicklung im Auge behalten.
Die hawkischen Signale der Fed-Vertreter Musalem und Waller deuten darauf hin, dass weitere US-Zinserhöhungen wahrscheinlich sind. Ein höheres Zinsniveau in den USA stützt tendenziell den Dollar und belastet Währungen wie das Pfund und den Euro. Anleger sollten Währungsrisiken in ihren Portfolios entsprechend berücksichtigen.
Ausblick
Kurzfristig richtet sich der Blick auf die Umfragen der University of Michigan, die als wichtigstes US-Datenereignis des Tages gelten. Erwartet werden leicht steigende Inflationserwartungen und eine etwas nachlassende Stimmung. Zudem steht Susan Collins als einzige Fed-Rednerin des Tages auf dem Programm.
ING sieht EUR/USD mittelfristig in Richtung 1,110/1,112 tendieren. Für eine nachhaltige Euro-Erholung wäre laut Pesole eine Verringerung der französischen Fiskalprämie notwendig. Die bullishe Dollar-Haltung von ING würde laut dem Analysehaus durch eine Stabilisierung der globalen Anleihen und der Risikostimmung oder eine Aufweichung des hawkischen Fed-Narrativs infrage gestellt. Die Zwischenwahlen in den USA am 3. November bleiben ein weiterer Termin, den Devisenmarktteilnehmer im Blick behalten.
Kurz erklärt
- Treasuries: Staatsanleihen der US-Regierung, die als Benchmark für globale Zinsniveaus gelten und den Dollar-Kurs maßgeblich beeinflussen.
- Hawkisch: Bezeichnung für eine geldpolitische Haltung, die auf Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung ausgerichtet ist.
- OAT/Bundesanleihen-Spread: Renditedifferenz zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen, die als Maß für das wahrgenommene Risiko französischer Staatsfinanzen gilt.
