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UBS: Drei Szenarien für Merz – politische Risiken in Deutschland steigen

Die UBS skizziert drei Szenarien für die künftige Regierungsführung in Deutschland, während der Druck auf Kanzler Merz nach den Regionalwahlen wächst.

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UBS: Drei Szenarien für Merz – politische Risiken in Deutschland steigen

Die politischen Risiken in Deutschland bleiben hoch. Die jüngsten Regionalwahlen haben den Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz und die regierende Koalition weiter erhöht. In diesem angespannten Umfeld skizzieren Ökonomen der UBS drei mögliche Szenarien für die künftige Regierungsführung der Bundesrepublik.

Auslöser der Unsicherheit sind die jüngsten Wahlen in Berlin sowie in zwei ostdeutschen Bundesländern. Sie führten zu erheblichen Verlusten für die Regierungsparteien, insbesondere für die Union aus CDU und CSU. Hauptprofiteur war die AfD. Laut dem im UBS-Bericht zitierten neuesten Umfrage-Durchschnitt liegt die AfD mit 29 Prozent vor der CDU/CSU, die auf 20 Prozent kommt.

Die politische Unsicherheit trifft auf eine deutsche Wirtschaft, die nach fünf Jahren Stagnation wieder anziehen soll. Für das Jahr 2026 wird ein BIP-Wachstum von 1 Prozent prognostiziert, für 2027 von 1,5 Prozent. Getragen werden soll diese Entwicklung von einem umfangreichen fiskalischen Paket, das das Wachstum jedes Jahr um 0,6 Prozentpunkte ankurbeln soll.

Die Details

Die UBS-Ökonomen beschreiben drei denkbare Wege für die künftige Regierungsführung. Im ersten Szenario bleibt die aktuelle Koalition unter Führung von Merz bestehen. Der Kanzler erhält dabei Rückhalt aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie von CDU-Landesministern. Die Regierung würde fortgeführt, ohne dass es zu einem Wechsel an der Spitze käme.

Das zweite Szenario sieht den Ersatz von Merz durch einen anderen Politiker der Union vor. Dieser Wechsel würde über ein konstruktives Misstrauensvotum erfolgen. Ein solcher Schritt würde keine Bundestagswahl erfordern. Allerdings müssten sich CDU/CSU und Sozialdemokraten auf einen neuen Kanzler einigen.

Das dritte Szenario umfasst eine Vertrauensfrage durch Merz. Scheitert eine solche Vertrauensfrage, könnte dies potenziell vorgezogene Neuwahlen auslösen. Merz hat diese Möglichkeit jedoch ausgeschlossen. Zudem könnten die aktuellen Stärkegewinne der AfD die Regierungsparteien davon abhalten, auf eine Wahl zu setzen.

Für die Wirtschaftspolitik hätten die Szenarien unterschiedliche Folgen. Unter den ersten beiden politischen Szenarien wären große Änderungen in der Wirtschaftspolitik wahrscheinlich begrenzt. Eine Regierung, die unter stärkerem politischem Druck steht, könnte sich stärker auf die Umsetzung fiskalischer Impulse konzentrieren. Geplante strukturelle Reformen in den Bereichen Rente, Arbeitsmarkt und Bürokratie könnten dagegen zurückgefahren werden.

Die fiskalische Expansion ist im Szenario einer vorgezogenen Wahl größeren Risiken ausgesetzt. Das gilt insbesondere dann, wenn die Regierung ihre Fähigkeit verliert, die zur Umsetzung der Impulse notwendigen jährlichen Haushalte zu verabschieden. Politische Unsicherheit könnte zudem Deutschlands Rolle bei EU-Entscheidungen verzögern. Betroffen wären der Haushalt der Europäischen Union sowie die Handelspolitik gegenüber China.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 27.01.2026 berichtete aktien.news, dass Bundeskanzler Merz bei seinem Amtsantritt eine beispiellose fiskalische Ausgabenoffensive versprochen hatte, um Europas größte Volkswirtschaft nach zwei Jahren der Kontraktion wiederzubeleben. Damals mahnten Wirtschaftsexperten, dass die notwendigen Strukturreformen ausblieben. Nach einem mageren Wachstum von nur 0,2 Prozent im Jahr 2025 erwarteten Ökonomen für 2026 eine deutliche Verbesserung: Der Internationale Währungsfonds prognostizierte ein Plus von 1,1 Prozent, die Bundesregierung rechnete offiziell mit 1,3 Prozent, wobei eine Kürzung auf 1,0 Prozent wahrscheinlich war. Die Investorenstimmung erreichte im Januar den höchsten Stand seit August 2021.

Am 21.09.2026 berichtete aktien.news über ein Wahldebakel für die CDU: Bei zwei Landtagswahlen am Wochenende erlitt die regierende CDU von Bundeskanzler Merz schwere Verluste. In Mecklenburg-Vorpommern landete die rechtsextreme AfD auf Platz eins, in Berlin führte Die Linke das Ergebnis an. Ökonomen warnten, dass die politische Instabilität die Wachstumsaussichten Deutschlands gefährde. Merz selbst räumte am Sonntag eine „Katastrophe“ für seine Partei ein und kündigte an, trotz der Niederlagen im Amt zu bleiben und seine wachstumsfördernde Agenda voranzutreiben.

Ebenfalls am 21.09.2026 meldete aktien.news, dass die Regionalwahlen die deutsche politische Landschaft nachhaltig erschüttert und Merz in eine existenzielle Führungskrise gestürzt hätten. Die Wahlergebnisse markierten einen historischen Tiefpunkt für die CDU; in Mecklenburg-Vorpommern sei das Resultat das schlechteste seit 1949 gewesen. Merz, der das Ergebnis selbst als „Desaster“ bezeichnete, sah sich nach nur 17 Monaten im Amt mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

In einem weiteren Bericht vom 21.09.2026 hieß es, dass Merz versprochen habe, trotz schwerer Verluste seiner CDU im Amt zu bleiben. In Mecklenburg-Vorpommern erreichten seine Konservativen nur 4,9 Prozent der Stimmen – das schlechteste Ergebnis einer Partei in einem Landeswahlkampf in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die CDU werde damit keine Sitze im regionalen Parlament gewinnen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist vor allem die Frage entscheidend, ob die fiskalischen Impulse wie geplant umgesetzt werden. Das Paket soll das Wachstum jedes Jahr um 0,6 Prozentpunkte ankurbeln – ein Hebel, der die Prognosen von 1 Prozent Wachstum für 2026 und 1,5 Prozent für 2027 stützt. Bleibt die Regierung handlungsfähig und verabschiedet sie die notwendigen jährlichen Haushalte, dürfte die fiskalische Expansion ihre Wirkung entfalten.

Unter den ersten beiden Szenarien wären große Änderungen in der Wirtschaftspolitik wahrscheinlich begrenzt. Anleger müssten dann eher damit rechnen, dass strukturelle Reformen in Rente, Arbeitsmarkt und Bürokratie zurückgefahren werden. Im Szenario vorgezogener Neuwahlen wäre die fiskalische Expansion dagegen größeren Risiken ausgesetzt, weil die Regierung möglicherweise keine jährlichen Haushalte mehr verabschieden kann.

Zusätzlich könnte politische Unsicherheit Deutschlands Rolle bei EU-Entscheidungen verzögern. Betroffen wären der EU-Haushalt sowie die Handelspolitik gegenüber China. Dies sind Faktoren, die über den deutschen Markt hinaus Wirkung entfalten können. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Die UBS-Ökonomen erwarten unter den ersten beiden Szenarien nur begrenzte Änderungen in der Wirtschaftspolitik. Eine Regierung unter stärkerem politischem Druck könnte sich stärker auf die Umsetzung fiskalischer Impulse konzentrieren und geplante strukturelle Reformen zurückfahren. Eine Vertrauensfrage durch Merz hat der Kanzler ausgeschlossen; vorgezogene Neuwahlen sind damit unwahrscheinlicher, zumal die Stärkegewinne der AfD die Regierungsparteien davon abhalten könnten, auf eine Wahl zu setzen. Für 2026 wird weiterhin ein BIP-Wachstum von 1 Prozent erwartet, für 2027 von 1,5 Prozent.

Kurz erklärt

  • Konstruktives Misstrauensvotum: Ein Verfahren, mit dem das Parlament einen Kanzler abwählt und zugleich einen neuen wählt, ohne dass Neuwahlen nötig sind.
  • Vertrauensfrage: Der Kanzler bittet das Parlament um Zustimmung zu seiner Politik; ein Scheitern kann Neuwahlen auslösen.
  • Fiskalisches Paket: Ein Bündel staatlicher Ausgaben- und Steuermaßnahmen, das die Konjunktur stützen soll.
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