UBS bleibt optimistisch für europäische Aktien trotz steigender Zinsen
Die Bank erwartet im dritten Quartal weiter steigende europäische Unternehmensgewinne und ein Gewinnwachstum von 15 Prozent in der Eurozone.

Die Großbank UBS geht davon aus, dass die kommende Quartalsberichtsperiode im dritten Quartal eine weitere Verbesserung der europäischen Unternehmensgewinne zeigen wird. Trotz steigender Zinsen und Energiepreise behält die Bank ihre optimistische Sicht auf die Aktienmärkte der Region bei. Das geht aus einer Einschätzung des Chief Investment Office von UBS Global Wealth Management hervor, über die Investing.com berichtet.
Matthew Gilman, Leiter der europäischen Aktienstrategie im Chief Investment Office von UBS Global Wealth Management, erklärte, dass Umsätze neben der „bereits gut etablierten Kostenkontrolle" zu einem wichtigeren Gewinntreiber werden. Auch die Währungseffekte kehren sich nach seiner Einschätzung um: Was zuvor als Gegenwind wirkte, wird nun zum Rückenwind. Damit verschieben sich die Rahmenbedingungen für europäische Unternehmen spürbar zugunsten der Gewinnentwicklung.
Die starken globalen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im September sowie das deutsche ifo-Geschäftsklima stützten die These von einer robusten grundlegenden Nachfrage, so Gilman. Für deutsche Anleger ist dabei besonders relevant, dass das ifo-Geschäftsklima als wichtiger Frühindikator für die hiesige Konjunktur gilt und die Einschätzung der UBS damit auch die Stimmung in Deutschland einbezieht.
Gewinnprognose von 15 Prozent für die Eurozone
UBS erwartet, dass strukturelle Treiber dem Gegenwind trotzen, und prognostiziert für die Eurozone in den Jahren 2026 und 2027 jeweils ein Gewinnwachstum von 15 Prozent. Diese Einschätzung unterstreicht die Zuversicht der Bank, dass die fundamentalen Faktoren auf mittlere Sicht stärker wiegen als makroökonomische Belastungen.
Gilman betonte, dass Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) „nach wie vor eher durch Angebotsengpässe als durch Finanzierungsbeschränkungen begrenzt" erscheinen. Er erwartet weitere Belege dafür, dass sich die Vorteile der KI verbreiten, ähnlich wie im vergangenen Quartal. Das Thema KI bleibt damit ein zentraler struktureller Wachstumstreiber für die europäischen Märkte.
Hohe Energiepreise verstärkten zudem die Argumente für Elektrifizierung und Verteidigungsinvestitionen, die der Stratege als weitgehend unempfindlich gegenüber makroökonomischen Bedenken einstufte. Er beobachte Anzeichen dafür, ob höhere Inputkosten und Zinsen die Nachfrage oder Margen schwächen. Diese Beobachtung ist entscheidend, um die Nachhaltigkeit der Gewinndynamik einzuschätzen.
Risiken vor allem bei konsumnahen Unternehmen
Das Risiko ist laut Gilman für verbraucherorientierte Unternehmen größer, bei denen die Nachfrage nach wie vor schwach bleibe und die Preisgestaltungsmacht begrenzt sei. Doch Kostenkontrolle und investitionsgetriebene Nachfrage sollten die Belastungen für die meisten Firmen ausgleichen. Für Anleger bedeutet das, dass die Auswahl einzelner Titel wichtiger wird als eine pauschale Positionierung.
UBS stuft die Eurozone weiterhin als „attraktiv" ein und bevorzugt innerhalb der Region die Sektoren Informationstechnologie, Industrie, Banken, Deutschland sowie Gesundheitswesen. Die Bank empfiehlt zudem ihre Themenstrategien „European Leaders" und „Swiss Mid-Caps in Focus". Die Kombination aus Branchenpräferenzen und Themenstrategien zeigt, wo die Analysten die besten Chancen sehen.
Der Konsumgütersektor mit freier Wahl hat aufgrund höherer Zinsen und Ölpreise an Wert verloren, doch Gilman erwartet eine Erholung, sobald sich die Aussichten für die Energieflüsse verbessern. Dennoch warnte er vor einem selektiveren Ansatz und befürwortete den Premium-Konsum über sein Thema „Luxury & Lifestyles", von dem er annimmt, dass es widerstandsfähiger sein wird als andere Segmente.
Für deutsche Privatanleger, die über europäische Aktien oder entsprechende Fonds engagiert sind, liefert die UBS-Einschätzung damit mehrere konkrete Anhaltspunkte: eine optimistische Gewinnprognose für die Eurozone, eine klare Sektorenpräferenz mit Deutschland im Fokus sowie den Hinweis auf ein selektiveres Vorgehen bei konsumnahen Werten. Ob sich die Erwartungen bestätigen, dürfte sich in der laufenden Berichtssaison zeigen.
