Luxusbranche: JPMorgan erwartet Abschwächung im dritten Quartal
Analysten sehen nachlassende Trends in fast allen Regionen – Polarisierung zwischen starken und schwachen Marken nimmt zu.

Der Luxussektor dürfte im dritten Quartal einen spürbaren Rückgang gegenüber dem zweiten Quartal verzeichnet haben. Das geht aus einer aktuellen Einschätzung der Analysten von JPMorgan hervor. Demnach haben sich die Trends in den meisten Regionen und bei den meisten Nationalitäten verlangsamt – ein Bild, das sich quer durch die gesamte Branche zieht.
Besonders auffällig ist laut JPMorgan die zunehmende Polarisierung innerhalb des Sektors. Während einige Segmente und Marken weiterhin solide Ergebnisse liefern, geraten andere unter wachsenden Druck. Diese Spreizung der Performance dürfte sich im aktuellen Umfeld noch weiter verstärken.
Schmuck und hochwertige Mode als Gewinner
Trotz des allgemeinen Gegenwinds sehen die Analysten einzelne Bereiche, die sich positiv abheben. Schmuck und hochwertige Prêt-à-porter-Mode – also fertig konfektionierte Designerkleidung aus dem Luxussegment – dürften ein weiteres starkes Quartal verzeichnen. JPMorgan nennt in diesem Zusammenhang explizit Unternehmen wie Richemont, Brunello Cucinelli und Ermenegildo Zegna als bevorzugte Titel.
Diese drei Häuser stehen exemplarisch für das obere Ende des Luxusmarktes, das sich traditionell als widerstandsfähiger gegenüber konjunkturellen Schwankungen erweist. Richemont ist vor allem für seine Uhren- und Schmuckmarken bekannt, während Brunello Cucinelli und Ermenegildo Zegna für exklusive Herrenmode stehen.
Druck auf „Soft Luxury" wächst
Deutlich schwieriger gestaltet sich die Lage im Bereich des sogenannten „Soft Luxury". Darunter fallen Produkte wie Taschen, Bekleidung und Schuhe – also Kategorien, die in den vergangenen Jahren zu den Wachstumstreibern der Branche gehörten. Laut JPMorgan dürfte eine weitere Eintrübung des Umfelds zu zusätzlichem Druck auf die ohnehin bereits fragilen Trends in diesen Segmenten führen.
Die Analysten betonen dabei, dass keine Lederwarenmarke stark genug sei, um immun gegen diese Entwicklung zu bleiben. Das ist eine bemerkenswerte Aussage, die auch etablierte Häuser wie Louis Vuitton oder Gucci implizit einschließt – auch wenn diese im Quelltext nicht namentlich genannt werden.
Europäische Börsen mit positivem Auftakt
Parallel zur Luxusdebatte starteten die europäischen Aktienmärkte mit Gewinnen in den Handelstag. Der europaweite Stoxx 600 legte um 0,45 % zu und holte damit Gewinne der US-Märkte vom Vortag nach. Der Londoner FTSE 100 stieg um 0,6 %, angeführt vom Pharmakonzern AstraZeneca mit einem Plus von 2 %.
Der deutsche DAX gewann 0,5 %, wobei Merck mit einem Anstieg von 2,8 % und Adidas mit einem Plus von 1,2 % zu den stärksten Werten zählten. In Paris legte der CAC 40 um 0,3 % zu, während der Softwarekonzern Capgemini um 1,75 % stieg. Gegen den Trend fiel L'Oreal um 0,9 %, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen Restrukturierungsberater in den USA engagiert hat.
In Südeuropa trieben vor allem Bankenwerte die Indizes an: Der italienische FTSE MIB gewann 0,6 %, der spanische IBEX 35 legte um 0,7 % zu. Einziger deutlicher Verlierer war der niederländische Halbleiterkonzern BE Semiconductor, der um 3,6 % nachgab und damit den AEX belastete, der dennoch 0,3 % im Plus schloss.
