Türkische Zentralbank senkt erstmals wieder Leitzins
Reaktion auf sinkende Inflation und Herausforderungen für die Landeswährung Lira

Die türkische Zentralbank hat erstmals seit Anfang 2023 den Leitzins gesenkt. Der Zinssatz wird von 50 Prozent auf 47,5 Prozent zurückgenommen. Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem die Inflation im Land deutlich nachgelassen hatte. Seit März 2023 war der Leitzins konstant bei 50 Prozent geblieben. Angaben zur weiteren geldpolitischen Ausrichtung wurden nicht gemacht; die Zentralbank erklärte lediglich, sie werde ihre Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung umsichtig treffen.
Die Reaktion an den Finanzmärkten war unterschiedlich. Während der türkische Aktienmarkt positiv auf die Entscheidung reagierte und der Leitindex um 1,2 Prozent zulegte, verzeichnete der Bankenindex sogar ein Plus von zwei Prozent. Die Landeswährung Lira hingegen geriet leicht unter Druck und verlor an Wert. Der Wechselkurs zum US-Dollar fiel auf 35,235. Diese Entwicklung spiegelt die anhaltenden Herausforderungen wider, mit denen die türkische Wirtschaft konfrontiert ist.
Die Inflationsrate ist im November auf den niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren gefallen. Laut Angaben des Statistikamts stiegen die Verbraucherpreise um rund 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zu Jahresbeginn lag die Inflationsrate noch bei 75 Prozent. Für das Jahr 2024 prognostiziert die Zentralbank eine durchschnittliche Inflationsrate von 44 Prozent, die sich im kommenden Jahr auf 21 Prozent verringern soll. Mittelfristig strebt die Behörde eine Inflationsrate von fünf Prozent an.
Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich in der Vergangenheit wiederholt als Gegner hoher Zinsen positioniert. Seine Politik der niedrigen Kreditkosten trotz steigender Preise wurde jedoch vielfach kritisiert. Die drastische Abwertung der Lira, die innerhalb von sieben Jahren fast 90 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar verloren hat, zwang die Zentralbank letztlich zu einer Kehrtwende in ihrer Zinspolitik. Die hohen Zinsen sollen die Nachfrage dämpfen und so den Preisauftrieb begrenzen.
Die Glaubwürdigkeit der Zentralbank hat unter den Eingriffen in die Geldpolitik in den vergangenen Jahren gelitten. Die drastischen Maßnahmen Erdogans, darunter die Senkung der Zinsen trotz steigender Inflation, führten zur Abwanderung ausländischer Investoren und zur erheblichen Reduzierung der Währungsreserven. Die aktuelle Zinssenkung wird daher auch als Versuch gesehen, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren, bleibt jedoch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.
