TSMC-Q3-Gewinn steigt auf Rekordhoch und prüft Werk in Texas
Der Chiphersteller übertrifft die Erwartungen deutlich und erwägt zusätzlich zu Arizona weitere US-Standorte, darunter Texas.

Taiwan Semiconductor Manufacturing Co (TSMC) hat im dritten Quartal einen stärker als erwarteten Gewinn erzielt. Der weltweit größte Auftragschip-Hersteller meldete für den Dreimonatszeitraum bis zum 30. September einen Anstieg des Nettogewinns auf T$763.06 billion ($23.55 billion). Das entspricht einem Plus von fast 69 Prozent im Jahresvergleich und markiert ein Rekordhoch.
Die Zahlen übertrafen die Schätzungen von Reuters/LSEG deutlich, die bei T$746.3 billion gelegen hatten. Der Umsatz kletterte um 50 Prozent auf T$1.49 trillion. Damit setzte TSMC das elfte Quartal in Folge mit Wachstum und das sechste Quartal in Folge mit Rekordgewinnen fort.
Getrieben wird die Entwicklung von der robusten Nachfrage aus der künstlichen Intelligenz. Das Unternehmen gab zugleich bekannt, den Aufbau weiterer Produktionsstätten in den USA zu prüfen – potenziell in Texas. Damit reagiert TSMC auf die steigende Chip-Nachfrage, die die Kapazitäten des Konzerns an ihre Grenzen treibt.
Die Details
Die Profitabilität bleibt auf hohem Niveau. Die Bruttomarge lag bei 66.4 Prozent, die Operating-Margin bei 58.7 Prozent und die Nettogewinnmarge bei 51.1 Prozent, wie TSMC mitteilte. Bei der Zusammensetzung des Umsatzes spielen die fortschrittlichsten Fertigungsverfahren eine zentrale Rolle: Die 2-Nanometer-Chips machten 8 Prozent des gesamten Wafer-Umsatzes aus, während 3-Nanometer-Chips 33 Prozent des Umsatzes beisteuerten.
In einer Webcast-Sitzung nach Veröffentlichung der Ergebnisse warnte CFO Wendell Huang jedoch vor einer weiteren Verschlechterung der Bruttomarge. Grund sind die Bemühungen des Unternehmens, die Kapazitäten sowohl im Inland als auch im Ausland auszubauen, um der wachsenden Chip-Nachfrage gerecht zu werden. Die Margendilution durch den Ausbau werde sich 2026 eher bei 2 Prozent bewegen, sagte Huang. Die Margendilution durch die ausländischen Standorte werde in den kommenden Jahren höher ausfallen. Für das vierte Quartal prognostizierte er einen Rückgang der Bruttomarge um mindestens 0.4 Prozent.
Huang erklärte zudem, dass die Kapitalausgaben in den kommenden Jahren „deutlich höher“ sein würden, da die anhaltende, überproportionale Nachfrage aus dem KI-Bereich mehr Produktionskapazität erfordere. Das Investitionsvolumen von TSMC für 2026 bekräftigte er auf zwischen $60 billion und $65 billion. Eine konkrete Zahl dazu, wie stark die Kapazitäten in den kommenden Monaten steigen werden, wollte er nicht nennen.
Zur US-Expansion äußerte sich CEO C. C. Wei. „Wir arbeiten sehr hart daran, unsere Kapazitäten in den USA zu erhöhen“, sagte Wei als Antwort auf eine Analystenfrage. Das Unternehmen habe Standorte in den USA außerhalb seines primären Standorts in Arizona untersucht, darunter auch in Texas, für weitere Anlagen. Wei sagte, das Unternehmen führe noch Gespräche über die Art der Einrichtungen – ob diese direkt von TSMC betrieben oder als Teil einer Partnerschaft mit Partnern wie Elon Musks Terrafab geführt werden sollen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen reihen sich in eine Serie starker Quartale ein. Bereits am 16.04.2026 berichtete aktien.news, dass TSMC im ersten Quartal 2026 einen Gewinnanstieg von 58 Prozent verbucht hatte. Der Nettogewinn belief sich damals auf 572,48 Milliarden Taiwanesische Dollar (NT$), es war das vierte Rekordquartal in Folge. Der Umsatz kletterte auf NT$1,134 Billionen und übertraf damit die Schätzungen der Analysten.
Am 16.07.2026 folgte der nächste Rekord: Wie aktien.news berichtete, stieg der Nettogewinn im zweiten Quartal auf T$706,56 Milliarden (rund 21,98 Milliarden US-Dollar), ein Plus von 77,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Bloomberg-Schätzungen von T$623,73 Milliarden wurden damit deutlich übertroffen. Es war das fünfte Quartal in Folge mit einem Rekordgewinn, der Umsatz legte mit T$1,27 Billionen (rund 39 Milliarden US-Dollar) um 36 Prozent zu.
Bereits am 08.10.2026 meldete aktien.news, dass TSMC im dritten Quartal die Markterwartungen übertroffen hatte. Der Umsatz belief sich auf rund NT$1.49 trillion (46,7 Milliarden US-Dollar), ein Anstieg von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit übertraf TSMC die von Bloomberg befragten Analysten, die im Schnitt mit NT$1.46 trillion gerechnet hatten. In einem weiteren Bericht vom 08.10.2026 hieß es, der Umsatz sei auf umgerechnet 41,66 Milliarden Euro geklettert; die eigene Prognose hatte zuvor ein Plus von rund 40 Prozent auf 38,9 bis 40 Milliarden Euro vorgesehen. Die detaillierten Quartalsergebnisse wollte das Unternehmen in der kommenden Woche vorlegen – genau diese liegen nun vor.
Was das für Anleger bedeutet
TSMC gilt als Leitindikator für die globale Chip-Nachfrage. Das Unternehmen ist der weltgrößte Auftragschip-Hersteller nach Produktionskapazität und stellt auch die fortschrittlichsten Chips auf dem Markt her. Diese Position ermöglicht es TSMC, stark von der steigenden globalen Nachfrage nach fortschrittlichen KI-Prozessoren zu profitieren. Zu den größten Kunden gehört NVIDIA Corporation (NASDAQ:NVDA).
Für Anleger sind zwei Signale wichtig. Einerseits zeigt das Wachstum, dass die KI-Nachfrage ungebrochen ist. Andererseits belasten der geplante Kapazitätsausbau und die damit verbundene Margendilution die Profitabilität. Hinzu kommt das Marktumfeld: Die TSMC-Ergebnisse kommen inmitten eines tiefen Einbruchs bei den Bewertungen von Chip-Herstellern und KI-Aktien, da die Aussicht auf steigende US-Zinseszinsen den verschuldungsintensiven Sektor belastet. Vorweggenommen wurden die Zahlen von einem starken Auftritt des Chip-Herstellungsausrüstungsriesen ASML Holding NV (AS: ASML), der ebenfalls Anfang dieser Woche eine starke, durch KI getriebene Nachfrage ankündigte.
Ausblick
Für das vierte Quartal erwartet Huang einen Umsatz zwischen $52.3 billion und $54.3 billion, was einem Anstieg von 58 Prozent im Jahresvergleich entspricht. CEO C. C. Wei prognostizierte unabhängig davon ein Umsatzwachstum für 2026 von rund 44 Prozent im Jahresvergleich in US-Dollar. „Der KI-Markt bleibt sehr stark“, so Wei. „Wir beobachten eine steigende KI-Nachfrage, angetrieben durch die zunehmende Einführung von agentic AI.“ Der Wert von Halbleitern in der globalen KI-Kette werde voraussichtlich weiter zunehmen.
Beim Kapazitätsausbau bleibt TSMC vage: Eine konkrete Zahl, wie stark die Kapazitäten in den kommenden Monaten steigen, nannte Huang nicht. Klar ist, dass die Investitionen für 2026 zwischen $60 billion und $65 billion liegen sollen und in den kommenden Jahren „deutlich höher“ ausfallen dürften. Offen ist auch, ob und wann ein weiterer US-Standort in Texas entsteht und in welcher Form er betrieben würde.
Kurz erklärt
- Auftragschip-Hersteller: Ein Unternehmen, das Halbleiter im Auftrag für andere Firmen produziert, statt eigene Chips zu verkaufen.
- Bruttomarge: Der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Produktionskosten übrig bleibt.
- Margendilution: Die Verwässerung der Gewinnmarge, wenn neue Investitionen oder Standorte zunächst Kosten verursachen.
