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Figma-CFO erklärt Margenverzicht für KI-Wachstum als bewusstes Kalkül

Finanzchef Praveer Melwani stellt Renditeziele hinter die KI-Adoption zurück – und nimmt sinkende Bruttomargen bewusst in Kauf.

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Figma-CFO erklärt Margenverzicht für KI-Wachstum als bewusstes Kalkül

Der Designsoftware-Anbieter Figma ist bereit, seine Bruttomargen zugunsten einer schnelleren Verbreitung von KI-Funktionen zu opfern. Das machte Finanzchef Praveer Melwani am Donnerstag deutlich. Er äußerte sich im Rahmen des Reuters Global Markets Forum am Rande der unternehmenseigenen Config-Nutzerkonferenz in Bengaluru, Indien.

Melwani ließ offen, ob Figma jemals wieder die historisch hohen Margenniveaus erreichen wird. „Werden wir wieder in den Bereich der niedrigen 90er-Prozent-Marke bei der Bruttomarge zurückkehren? Das weiß ich nicht. Aber ist das der Punkt, auf den ich mich besonders konzentrieren würde? Nein“, sagte der Finanzchef. Die quartalsweisen Bruttogewinnmargen des Unternehmens waren im vergangenen Jahr in den mittleren 80-Prozent-Bereich gesunken, nachdem sie historisch über 90% gelegen hatten.

Figma investiert derzeit kräftig in KI-Funktionen. Dazu zählen der Figma-Design-Assistent sowie Werkzeuge, die Prototypen und Webanwendungen anhand von Text-Prompts erstellen können. Diese Produkte haben zwar zu einem stetigen Umsatzanstieg beigetragen, belasten aber die Margen. Der Verzicht auf Rendite soll sich nach Einschätzung des Managements langfristig auszahlen.

Nutzerwachstum vor kurzfristiger Rendite

Das Unternehmen kalkuliert damit, dass eine breitere KI-Adoption die Nutzerbasis vergrößert und Figma dadurch mittelfristig Spielraum für Preiserhöhungen verschafft. Anfang dieses Jahres stellte Figma sein Preismodell für KI-Credits auf ein nutzungsabhängiges Abrechnungsmodell um. Von dieser Monetarisierungsstrategie erwartet das Unternehmen in den kommenden Quartalen robustere Ergebnisse.

„Ich wäre bereit, dieselben Margin-Einbußen in Kauf zu nehmen, wie wir sie im letzten Jahr erlebt haben, wenn dies bedeutet, dass wir einen deutlich größeren adressierbaren Gesamtmarkt bedienen können“, so Melwani. Der Finanzchef räumte zugleich ein, dass die Prioritäten des Unternehmens nicht zwangsläufig mit den Erwartungen der Investoren übereinstimmen: „Was für uns gut sein mag, entspricht nicht immer dem, was ein Investor sucht … Wir wissen, dass wir zum richtigen Zeitpunkt die Möglichkeit haben werden, Preise anzuheben.“

Für Anleger sind die Aussagen vor dem Hintergrund einer angespannten Marktlage relevant. Investoren prüfen die Finanzen von Technologieunternehmen derzeit genauer, weil sie die Renditen der kostspieligen KI-Investitionen bewerten. Diese Skepsis, gepaart mit Sorgen vor KI-bedingten Marktverwerfungen, hat den Aktienkurs von Figma in diesem Jahr um etwa 43% fallen lassen.

Neue Partnerschaften und Funktionen vorgestellt

Auf der Config India kündigte Figma weitere Produkt- und Partnerschaftsschritte an. Dazu gehört ein erweiterter Zugang zu seinem Code-Layer-Tool sowie neue Kollaborationsfunktionen. Zudem geht das Unternehmen Partnerschaften mit Agenten-Plattformen ein, darunter OpenCode, Meta Muse und der indische Anbieter Sarvam AI.

Mit dem Vorgehen reagiert Figma auch auf den Wettbewerbsdruck durch ausgefeilte Tools von KI-Labors wie OpenAI und Anthropic. Melwani betonte, dass die laufenden Investitionen dazu beitragen sollen, Nutzer zu gewinnen und sich in diesem Umfeld besser zu behaupten. Für deutsche Anleger und Beobachter des Softwaremarktes illustriert der Fall Figma damit ein Muster, das derzeit viele KI-orientierte Technologieunternehmen prägt: Wachstum und Marktposition werden kurzfristig teurer bezahlt, während die Profitabilität zunächst zurücktritt.

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