Trump setzt auf Zölle für Kupferimporte
Aurubis sieht Chancen im US-Recycling – Industrie fürchtet Handelshemmnisse und Preisverwerfungen

Die Kupferpreise an den internationalen Börsen reagieren mit spürbarer Nervosität auf eine neue Ankündigung aus Washington. US-Präsident Donald Trump plant, ab dem 1. August einen Einfuhrzoll von 50 Prozent auf Kupfer zu erheben – ein Schritt, der nicht nur die globalen Märkte unter Druck setzt, sondern auch weitreichende Folgen für Industrie, Handel und einzelne Unternehmen haben könnte. Ziel der Maßnahme ist es, die heimische Kupferproduktion zu fördern und die Abhängigkeit von Importen zu verringern. US-Handelsminister Howard Lutnick sprach davon, Kupfer wieder „nach Hause“ holen zu wollen.
Unmittelbar nach der Ankündigung stieg der Kupferpreis an der New Yorker Rohstoffbörse Comex um bis zu 17 Prozent. Gleichzeitig fiel der Preis an der Londoner Metallbörse um mehr als zwei Prozent. Der daraus entstandene Preisunterschied von rund 30 Prozent wird von Experten als Ausdruck hektischer Vorratskäufe in den USA gewertet. Händler versuchen, noch vor Inkrafttreten der Zölle größere Mengen Kupfer zu importieren – unklar bleibt bislang jedoch, welche Produktgruppen tatsächlich betroffen sein werden.
Analysten wie Dirk Schlamp von der DZ Bank äußern Zweifel an der Umsetzbarkeit der angekündigten Maßnahme. Die USA verfügen aktuell weder über ausreichende Minenkapazitäten noch über genügend Schmelzanlagen. Der Aufbau neuer Minen erfordert Zeit, Kapital und politische Unterstützung, die in der Vergangenheit nicht immer gegeben war. Etwa die Hälfte des jährlichen US-Bedarfs an Kupfer wird derzeit importiert, vor allem aus Chile, Kanada und Peru.
Europas größter Kupferproduzent Aurubis mit Sitz in Hamburg sieht sich nur geringfügig betroffen. Das Unternehmen exportiert unter einem Prozent seines Umsatzes in die USA und verarbeitet in seinen europäischen Hütten jährlich über eine Million Tonnen Kupfer. Dennoch könnte sich aus der Entwicklung ein Vorteil ergeben: Das neue Recyclingwerk von Aurubis in Richmond, Georgia, wird ab Herbst Kupferschrott vor Ort verarbeiten – genau im Sinne der von Trump geforderten lokalen Wertschöpfung. Der Konzern sieht in der Zollpolitik eine Chance, sein US-Geschäft auszubauen.
Insgesamt reagiert die Industrie mit Zurückhaltung auf die Ankündigung. Besonders betroffen wären Branchen, die Kupfer weiterverarbeiten – etwa Hersteller von Elektromotoren oder Transformatoren. Der deutsche Branchenverband der Elektro- und Digitalindustrie warnt bereits vor wirtschaftlichen Schäden durch „erratische Zollpolitik“.
