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Trump erhält Zollbefugnis gegen China und Indien – was nun?

US-Repräsentantenhaus verabschiedet Gesetz für Zölle bis 100% auf Russland-Ölkäufer

2 Min
Trump erhält Zollbefugnis gegen China und Indien – was nun?

Das US-Repräsentantenhaus hat am Mittwoch ein umfassendes Sanktionsgesetz gegen Russland verabschiedet, das Präsident Donald Trump ermächtigt, Zölle von bis zu 100 Prozent auf Länder zu erheben, die zu den größten Abnehmern russischen Öls zählen. Damit geraten vor allem China und Indien ins Visier Washingtons.

Der Gesetzentwurf richtet sich gezielt gegen die wichtigsten Käufer russischer Energie. Laut Berechnungen des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) entfielen bis Ende August 50 Prozent der russischen Rohölexporte auf China. Indien folgte mit 37 Prozent, die Türkei und die Europäische Union lagen jeweils bei fünf Prozent. Die neuen Zollbefugnisse könnten Trump nun erheblichen wirtschaftlichen Druck auf Peking und Neu-Delhi ermöglichen.

Hintergrund und politische Einordnung

Der Schritt des Repräsentantenhauses erfolgt unmittelbar im Anschluss an den jüngsten BRICS-Gipfel. Dort hatten der russische Präsident Wladimir Putin sowie die Führer des Globalen Südens, darunter China und Indien, einseitige Wirtschaftssanktionen und Sekundärsanktionen verurteilt – ohne die USA namentlich zu nennen. Die zeitliche Nähe zwischen Gipfel und Gesetzesverabschiedung unterstreicht den wachsenden geopolitischen Konflikt um die Energieversorgung.

Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 haben sowohl China als auch Indien massiv auf vergünstigtes russisches Rohöl gesetzt. Die günstigen Energieimporte halfen beiden Ländern, ihre Wirtschaft am Laufen zu halten, während westliche Sanktionen Russlands Ölexporte zunehmend einschränkten. Weder China noch Indien werden nach Einschätzung von Experten ihre Käufe von russischem Rohöl freiwillig reduzieren.

Hebelwirkung für Washington

Die neue gesetzliche Befugnis könnte Trump die Macht geben, „jederzeit und aus jedem Grund hart und schnell zuzuschlagen“, sagte Deborah Elms, Leiterin der Handelspolitik bei der Hinrich-Stiftung. Alle fünf Hauptabnehmer russischer Energie würden „äußerst besorgt“ über die potenzielle Anwendung dieses Gesetzes sein, so Elms weiter.

Ronak D. Desai, Gastwissenschaftler an der Hoover Institution der Stanford University, geht davon aus, dass Trump das Gesetz unterzeichnen wird, „seine Zollbefugnis aber als Hebelmittel in Reserve halten“ werde. Allerdings gebe es auch Widerstand: Fast „ein Dutzend Republikaner im Repräsentantenhaus haben die Führung intern aufgefordert, die Zollbestimmungen zu streichen, aus Angst vor steigenden Preisen am Vorabend der Midterm-Wahlen“, fügte Desai hinzu.

Diplomatische Implikationen

Die Zollbefugnis kommt zu einem geopolitisch sensiblen Zeitpunkt. Indien verhandelt derzeit ein Handelsabkommen mit den USA und drängt Washington auf eine Präferenzrate im Vergleich zu seinen Wettbewerbern. Der chinesische Präsident Xi Jinping soll später in diesem Monat mit Trump zusammentreffen. Die drohenden Zölle könnten beiden Ländern als Verhandlungsmasse dienen – oder die Gespräche massiv erschweren.

Für deutsche und europäische Anleger ist die Entwicklung von Bedeutung, da verschärfte US-Zölle gegen China und Indien globale Lieferketten und Energiepreise beeinflussen könnten. Sollte Trump die Zollbefugnis tatsächlich anwenden, drohen neue Handelskonflikte, die auch die ohnehin angespannte Energieversorgung in Europa weiter belasten könnten.

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