Trump, Cannabis-Klage und Psychedelika: Aktuelle US-Drogenpolitik im Überblick
Neue Entwicklungen in der US-Cannabispolitik: Trump kritisiert Marihuana-Geruch, Klage gegen Neueinstufung nimmt Form an.

US-Präsident Donald Trump hat erneut Kritik an von Demokraten regierten Städten geübt und dabei den Geruch von Cannabis in den Vordergrund gerückt. „Die Gehwege sind ekelhaft. Die Straßen sind ekelhaft. Sie sind einfach in einem schlechten Zustand… Alles ist schmutzig", sagte Trump. Besonders auffällig war seine Bemerkung, dass es in diesen Städten „nach Marihuana und anderen Dingen riecht, die schlimmer als Marihuana sind" – was er damit konkret meinte, ließ er offen.
Gleichzeitig bewegt sich die rechtliche Auseinandersetzung um die geplante Neueinstufung von Cannabis auf Bundesebene weiter voran. Das Justizministerium und Gegner der Reform haben sich auf einen gemeinsamen Zeitplan für die Einreichung von Schriftsätzen geeinigt. Beide Seiten sprechen sich dafür aus, dass das US-Berufungsgericht für den District of Columbia Circuit „die mündliche Verhandlung so bald wie vernünftigerweise machbar ansetzen" sollte.
Parallel dazu fordert der Co-Vorsitzende des Cannabis Caucus im Kongress, Abgeordneter Brian Mast (R-FL), eine Ausweitung der laufenden Überprüfung. Mast erklärte gegenüber Marijuana Moment: „Ich möchte, dass sie alles überprüfen… Es geht nicht nur um Cannabis. Es ist eine größere Diskussion." Er plädiert dafür, den Schritt der Trump-Administration zur Neueinstufung von Cannabis auf eine „umfassende" Überprüfung der Klassifizierung von Psychedelika und anderen Drogen auszuweiten.
Die Details
Eine neue Umfrage liefert interessante Einblicke in das Konsumverhalten: Mehr als ein Drittel der Wanderer hat demnach Marihuana konsumiert, um ihr Erlebnis auf dem Wanderweg zu verbessern. 15 Prozent gaben an, unter dem Einfluss von Psilocybin gewandert zu sein. Die Erhebung zeigt, wie weit verbreitet der Konsum von Cannabis und Psychedelika auch in Freizeitkontexten bereits ist.
Das Marijuana Policy Project fordert seine Unterstützer auf, Briefe an den Kongress zu senden und sich gegen die derzeit geplante bundesweite Rekriminalisierung von Hanf-THC-Produkten auszusprechen. Die Organisation plädiert stattdessen für umfassende gesetzliche Regelungen für alle Cannabisprodukte. Auch der Chefjurist der Cannabis Control Commission von Rhode Island äußerte sich zur Lage: Der Bundesstaat müsse „abwarten, was die Bundesregierung" in Bezug auf die Politik für Hanfprodukte unternimmt, „bevor wir in dieser Hinsicht handeln und unsere Lizenznehmer beraten können."
Auf Bundesebene überarbeitete das Justizministerium zudem einen Vorschlag zur Einstufung von Substanzen im Zusammenhang mit Kratom. Die Neufassung ermöglicht es, dass einige Produkte auf Grundlage einer Empfehlung des Gesundheitsministeriums legal verfügbar bleiben. Der Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses zur Schaffung eines Zugangs für Patienten zu Drogen der Schedule-I-Liste erhielt einen weiteren Mitunterzeichner – insgesamt sind es nun 18.
Auf Ebene der Bundesstaaten gibt es ebenfalls zahlreiche Entwicklungen: Der Generalstaatsanwalt von Connecticut schloss einen Vergleich mit einem Unternehmen, das mutmaßlich illegal Cannabisprodukte verkauft hatte. In Colorado gaben Aufsichtsbehörden eine erweiterte Gesundheits- und Sicherheitswarnung zu Marihuanaprodukten mit einem synthetischen, nicht zugelassenen Aromastoff heraus. Massachusetts feierte das 10-jährige Jubiläum der Legalisierung von Marihuana für Erwachsene mit der Veröffentlichung entsprechender Ressourcen. Montana blickte auf das erste Jahr der fusionierten Cannabis & Alcohol Regulation Division zurück.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass Trump in einer Rede anlässlich des Columbus Day scharfe Kritik an demokratisch regierten Städten geübt und dabei den Marihuana-Geruch thematisiert hatte. Die nun erneut aufgegriffenen Aussagen des Präsidenten bestätigen, dass dieses Thema für ihn politisch relevant bleibt.
Ebenfalls am 10. Oktober 2026 berichtete aktien.news über die Einigung auf einen Zeitplan im Rechtsstreit gegen die Cannabis-Umstufung. Beide Seiten hatten damals einen gemeinsamen Schriftsatz beim US-Berufungsgericht für den District of Columbia eingereicht. Der aktuelle Newsletter bestätigt diesen Verfahrensstand und präzisiert das Ziel, die mündliche Verhandlung möglichst bald anzusetzen.
Bereits am 18. Juli 2026 hatte aktien.news über die Klage eines Branchenverbands für Drogentests und eines Pharmaunternehmens berichtet, die die Trump-Administration daran hindern wollten, die Neuklassifizierung von Cannabis voranzutreiben. Die Kläger argumentierten damals, dass „Marihuana-Missbrauch gefährliche, lebenslange Folgen hat – insbesondere für Jugendliche und Schwangere." Dieser Rechtsstreit bildet den Hintergrund des nun vereinbarten Zeitplans.
Schon am 26. April 2026 hatte aktien.news berichtet, dass Trump medizinisches Cannabis als „die beste aller Alternativen" für Menschen mit schweren Krankheiten bezeichnet hatte. Der amtierende Justizminister Todd Blanche hatte damals angekündigt, die Neueinstufung von Marihuana zu beschleunigen – mehr als vier Monate nachdem Trump per Exekutivverordnung das Justizministerium angewiesen hatte, dies auf „schnellstmögliche Weise" umzusetzen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in den US-Cannabismarkt investiert sind oder dies erwägen, bleibt die Rechtslage komplex. Die laufende Klage gegen die Neueinstufung von Marihuana auf Bundesebene sorgt für anhaltende Unsicherheit. Solange das Berufungsverfahren läuft, ist eine endgültige Entscheidung über den regulatorischen Status von Cannabis in den USA offen. Die Forderung von Abgeordnetem Mast nach einer umfassenderen Überprüfung auch von Psychedelika deutet darauf hin, dass die politische Debatte über die Drogenpolitik in den USA breiter werden könnte – mit potenziellen Auswirkungen auf weitere Marktsegmente.
Die Unsicherheit auf Bundesebene spiegelt sich auch in den Reaktionen einzelner Bundesstaaten wider: Rhode Island etwa wartet ausdrücklich auf klare Signale aus Washington, bevor es eigene Schritte unternimmt. Dies zeigt, wie stark die Bundesstaaten von der Bundespolitik abhängig sind – und wie viel Bewegung noch in diesem Markt steckt.
Ausblick
Das US-Berufungsgericht für den District of Columbia Circuit soll die mündliche Verhandlung im Rechtsstreit gegen die Cannabis-Neueinstufung „so bald wie vernünftigerweise machbar" ansetzen. Ein konkretes Datum wurde noch nicht genannt. Das Marijuana Policy Project setzt seine Lobbykampagne gegen die bundesweite Rekriminalisierung von Hanf-THC-Produkten fort und ruft weiterhin zur Kontaktaufnahme mit Kongressabgeordneten auf. Ein Senator aus Oregon plant zudem Gesetzgebung zur Einschränkung von essbaren Marihuana-Produkten (Edibles).
Kurz erklärt
- Schedule I: US-amerikanische Drogenkategorie für Substanzen, die als besonders gefährlich und ohne anerkannten medizinischen Nutzen eingestuft werden.
- Rekriminalisierung: Wiedereinführung strafrechtlicher Verfolgung für Handlungen, die zuvor entkriminalisiert oder legalisiert wurden.
- Psilocybin: Psychoaktiver Wirkstoff, der natürlich in bestimmten Pilzarten vorkommt und zunehmend in der Drogenpolitikdebatte diskutiert wird.
