ANZEIGE

Frankreich droht in die Rezession zu rutschen

Politische Krise, hohe Schulden und Marktverwerfungen verstärken die wirtschaftliche Unsicherheit

2 Min
Frankreich droht in die Rezession zu rutschen

Die politische Krise in Frankreich hat die wirtschaftlichen Sorgen im Land verschärft und führt nach Einschätzung von Wirtschaftsvertretern zunehmend zu einem Risiko für eine Rezession. Die Unsicherheit über die künftige Ausrichtung der Regierung und die fehlende Einigkeit über eine Konsolidierung der Staatsfinanzen lähmen nach Ansicht von Unternehmensvertretern sowohl Investitionen als auch Konsum. Besonders der Chef des Unternehmerverbandes MEDEF, Patrick Martin, sprach von einer äußerst prekären Situation. Er verwies darauf, dass die Auftragsbücher schrumpfen, zusätzliche Belastungen durch Zölle die Stimmung verschlechtern und die politische Instabilität das Vertrauen weiter schwäche.

Auch der Chef des Handelskonzerns Carrefour, Alexandre Bompard, machte deutlich, dass das gegenwärtige Wirtschaftswachstum fast ausschließlich vom Konsum getragen werde. Die anhaltende Unsicherheit treffe jedoch direkt die Kaufbereitschaft der Verbraucher und setze damit die wichtigste Stütze der Konjunktur unter Druck. Experten trauen dem Bruttoinlandsprodukt für 2025 nur noch ein Wachstum von 0,6 Prozent zu, nachdem es im Jahr zuvor noch bei 1,1 Prozent gelegen hatte.

Die Schuldenlast des Landes ist dabei ein zentraler Punkt der politischen Auseinandersetzung. Premierminister François Bayrou hat ein Sparpaket im Umfang von 43,8 Milliarden Euro geschnürt, das Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen vorsieht. Doch bereits jetzt deutet vieles darauf hin, dass er die Vertrauensabstimmung am 8. September verlieren wird. Mit einer Schuldenstandsquote von 114 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt Frankreich weit über der von der Europäischen Union vorgesehenen Obergrenze von 60 Prozent. Auch die Neuverschuldung reißt mit voraussichtlich 5,4 Prozent deutlich die EU-Marke von drei Prozent.

Das politische Patt wirkt sich auch unmittelbar auf die Finanzmärkte aus. Der französische Leitindex CAC 40 stagniert seit Monaten, während die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen zuletzt über 3,5 Prozent kletterten. Damit liegen sie in einem Bereich, der an die Euro-Schuldenkrise erinnert. Investoren verlangen höhere Risikoaufschläge, um französische Anleihen zu halten. Diese Entwicklung setzt auch die Banken im Land unter Druck, wenngleich Beobachter sie im Vergleich zur letzten Finanzkrise als stabiler einschätzen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, sie verfolge die Entwicklung aufmerksam. Zwar sei ein Eingreifen des Internationalen Währungsfonds derzeit unwahrscheinlich, doch jedes Risiko eines Regierungssturzes innerhalb der Eurozone sei ein Anlass zur Besorgnis. Haushaltsdisziplin bleibe für Frankreich unverzichtbar, auch wenn die Banken nach Einschätzung der EZB nicht selbst die Quelle der aktuellen Risiken darstellen. Entscheidend sei, dass die Märkte in dieser Lage die Stabilität des Landes kritisch bewerten.

FrankreichRezessionFinanzenRegierungGeldpolitik

Meistgelesene News

  1. Amazon Prime Air Crash in Miami: Fünf Tote bei Frachtflugzeug-Unglück
  2. Microsoft-Aktie fällt – Technologiekonzern kämpft mit Ausfällen
  3. Fed-Signale beflügeln US-Märkte: Palantir und Snowflake mit starken Kursgewinnen
  4. BP setzt auf Stabilität – Raffineriemargen erreichen Krisenniveau
  5. Europäische Indizes kaum verändert – Telekom treibt DAX an

Disclaimer