Tibets höchster Weinberg trotzt extremen Bedingungen
Auf 3.600 Metern Höhe gedeihen Trauben in Tibet – Chinas ambitioniertes Weinprojekt trägt Früchte.

In 3.600 Metern Höhe über dem Meeresspiegel gedeihen Trauben in Tibet gegen alle Wahrscheinlichkeit. Die Winter gefrieren den Boden entlang des Yarlung-Zangpo-Flusses, die ultraviolette Strahlung ist intensiv, und die umliegenden Berge erheben sich aus einer ariden Hochebene. Dennoch produziert die Pazhu Winery hier Tausende Flaschen Wein – und das mit Erfolg.
Die unerwartete Weinindustrie Tibets trägt Früchte, während China darauf drängt, die Himalaya-Region wirtschaftlich zu entwickeln und stärker zu integrieren. Seit Generationen waren die Lebensgrundlagen in Shannan, einer Gegend, die oft als Wiege der tibetischen Zivilisation bezeichnet wird, auf das Hüten von Yak, Schafen und Ziegen oder den Anbau von Gerste auf unwirtlichen Landstrichen konzentriert. Diese Routine ändert sich nun grundlegend.
Ein Rekord-Weinberg in extremen Höhen
Pazhu betreibt heute Rebberge in der gesamten Region, darunter einen, der vom Guinness-Buch der Rekorde als der höchste der Welt anerkannt wurde. Das Weingut stellt Tausende Flaschen Chardonnay, Eiswein und einen einheimischen Rotwein namens Yajiang No. 1 her. Die extremen Bedingungen – intensive UV-Strahlung, gefrierende Winter und die karge Hochebene – machen den Weinbau zu einer besonderen Herausforderung.
Das jahrzehntelange Unterfangen Chinas, Tibet zu einer Weinproduktionsregion zu machen, zeigt nun endlich Ergebnisse. Die Winzer haben sich an die widrigen Umstände angepasst und nutzen die einzigartigen klimatischen Bedingungen für ihre Produktion. Der Höhenwein aus Tibet findet zunehmend Beachtung über die Landesgrenzen hinaus.
Die Entwicklung der Weinindustrie in Tibet ist Teil der umfassenderen Strategie Chinas, die abgelegene Himalaya-Region wirtschaftlich zu erschließen. Neben dem traditionellen Lebensunterhalt – der Viehzucht und dem Gerstenanbau – eröffnet der Weinbau neue Perspektiven für die lokale Bevölkerung. Die Pazhu Winery steht dabei exemplarisch für den Wandel, der in der Region stattfindet.
Für deutsche Weinliebhaber und Investoren ist die Entwicklung interessant: Der Weinbau in extremen Höhenlagen zeigt, dass sich traditionelle Anbauregionen verschieben und neue Terroirs entstehen können. Ob die tibetischen Weine den Sprung auf den internationalen Markt schaffen, bleibt abzuwarten – die Produktionsmengen sind bislang noch überschaubar.
