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Thyssenkrupp Steel Europe plant Verdreifachung des Kerngewinns

Die Stahlsparte des Essener Konzerns setzt auf Kapazitätskürzungen, Stellenabbau und Handelshemmnisse, um das bereinigte EBITDA auf mindestens 1,2 Milliarden Euro zu steigern.

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Thyssenkrupp Steel Europe plant Verdreifachung des Kerngewinns

Die Stahlsparte von Thyssenkrupp will ihren Kerngewinn mittelfristig mindestens verdreifachen. Das gab Thyssenkrupp Steel Europe heute im Rahmen eines Capital Markets Day bekannt. Gestützt werden soll dieses Ziel durch Kapazitätskürzungen, Personalabbau und hohe Handelshemmnisse gegenüber preiswerten Stahlimporten aus Asien.

Konkret peilt der als zweitgrößter europäischer Stahlproduzent geltende Geschäftsbereich ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) von mindestens 1,2 Milliarden Euro (1,4 Milliarden US-Dollar) an. Ein konkretes Zieldatum für die Erreichung dieser Marke nannte das Unternehmen nicht.

Für das am 30. September endende laufende Geschäftsjahr erwartet die Stahleinheit bislang ein bereinigtes EBITDA von rund 400 Millionen Euro. Ausgehend von diesem Wert bedeutet das mittelfristige Ziel eine Verdreifachung des Kerngewinns.

Die Details

Die Ziele von Thyssenkrupp Steel Europe gehen über den reinen Gewinn hinaus. Laut Folien einer Präsentation während des Capital Markets Day hat sich die Sparte auch eine bereinigte EBITDA-Marge von mehr als 11 Prozent zum Ziel gesetzt. Zugleich strebt das Unternehmen im selben Zeitraum einen positiven Free Cash Flow an.

Der CEO des Konzerns erklärte, Thyssenkrupp bereite die Stahlsparte auf eine potenzielle Kapitalmarkttransaktion vor. Damit rückt eine mögliche eigenständige Platzierung der Stahltochter am Kapitalmarkt in den Fokus. Der CEO der Stahlsparte betonte zudem, dass die eingeführten Stahl-Safeguards dem Geschäft einen zusätzlichen Schub verleihen. Diese Schutzmaßnahmen sollen den europäischen Markt gegen preiswerte Importe aus Asien abschirmen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die heutigen Ziele sind Teil einer längeren Neuausrichtung des Essener Industriekonzerns. Bereits am 12.02.2026 berichtete aktien.news, dass Thyssenkrupp im ersten Quartal Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 401 Millionen Euro verbucht hat. Diese Kosten entstanden durch einen umfassenden Stellenabbau in der kriselnden Stahlsparte Thyssenkrupp Steel Europe. Parallel liefen damals Verkaufsverhandlungen mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel International.

Am selben Tag meldete aktien.news zudem, dass die massiven Belastungen zu einem Nettoverlust von 353 Millionen Euro im ersten Geschäftsquartal führten. Analysten hatten hingegen im Durchschnitt mit einem Nettogewinn von 32 Millionen Euro gerechnet. Die Thyssenkrupp-Aktie reagierte im vorbörslichen Handel mit einem Kursrückgang von 3,2 Prozent auf die Zahlen.

Am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass Thyssenkrupp einem Medienbericht zufolge die Abspaltung seiner Materialhandelssparte Materials Services über einen Börsengang bereits im Herbst dieses Jahres erwog. Die Division, die mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes erwirtschaftet, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro (13,5 Milliarden Dollar). Die Aktie des Essener Industriekonzerns reagierte positiv auf die Nachricht und legte um bis zu 4,2 Prozent zu.

Am 02.05.2026 berichtete aktien.news, dass Thyssenkrupp und Jindal Steel International ihre Gespräche über einen möglichen Verkauf der Stahlsparte einvernehmlich ausgesetzt haben. Damit endete vorerst ein monatelanger Prozess aus Due-Diligence-Prüfungen und Verhandlungen. „Die ursprünglichen Annahmen und Voraussetzungen für einen potenziellen Verkauf von Thyssenkrupp Steel haben sich in den letzten Monaten erheblich verändert", erklärte Thyssenkrupp damals in seiner Mitteilung.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die heutige Ankündigung vor allem ein Signal zur strategischen Richtung der Stahlsparte. Nach dem ausgesetzten Verkaufsprozess mit Jindal und den hohen Restrukturierungskosten der vergangenen Quartale setzt der Konzern nun offenbar auf eine eigenständige Sanierung und eine mögliche Kapitalmarkttransaktion. Die Kombination aus Kapazitätskürzungen, Personalabbau und Handelshemmnissen soll die Ertragskraft deutlich steigern.

Interessant ist der Vergleich der Größenordnungen: Das laufende Geschäftsjahr soll ein bereinigtes EBITDA von rund 400 Millionen Euro bringen, mittelfristig sollen es mindestens 1,2 Milliarden Euro sein. Zugleich bleibt das Unternehmen ein konkretes Zieldatum schuldig, was die Planbarkeit für Anleger einschränkt. Die angestrebte EBITDA-Marge von mehr als 11 Prozent und ein positiver Free Cash Flow sind weitere Kennzahlen, an denen die Umsetzung künftig gemessen werden dürfte.

Zu beachten ist, dass die Aktie in der Vergangenheit sensibel auf Nachrichten aus dem Stahlgeschäft reagiert hat. Sowohl der Kursrückgang von 3,2 Prozent nach den Quartalszahlen im Februar als auch der Kursanstieg von bis zu 4,2 Prozent nach dem Bericht über einen möglichen Börsengang von Materials Services zeigen, wie stark die Stimmung von der Entwicklung der einzelnen Sparten abhängt. Dies ist ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Thyssenkrupp Steel Europe hat kein konkretes Datum für die Erreichung der mittelfristigen Ziele genannt. Klar ist, dass das laufende Geschäftsjahr am 30. September endet und die Sparte für diesen Zeitraum ein bereinigtes EBITDA von rund 400 Millionen Euro erwartet. Der Konzernchef hat angekündigt, die Stahlsparte auf eine potenzielle Kapitalmarkttransaktion vorzubereiten. Der CEO der Stahlsparte setzt darauf, dass die eingeführten Stahl-Safeguards dem Geschäft zusätzlichen Schub verleihen.

Kurz erklärt

  • Bereinigtes EBITDA: Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation, bereinigt um Sonderfaktoren, und gilt als Maß für die operative Ertragskraft.
  • EBITDA-Marge: Verhältnis des bereinigten EBITDA zum Umsatz und zeigt, wie profitabel das operative Geschäft arbeitet.
  • Free Cash Flow: Überschuss aus laufender Geschäftstätigkeit nach Abzug von Investitionen, der dem Unternehmen für Schuldenabbau oder Ausschüttungen zur Verfügung steht.
  • Stahl-Safeguards: Schutzmaßnahmen, die den heimischen Markt gegen preiswerte Importe abschirmen sollen.
  • Kapitalmarkttransaktion: Sammelbegriff für Schritte wie Börsengang oder Abspaltung, mit denen ein Unternehmen Anteile am Kapitalmarkt platziert.
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