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Leica: Deutscher Kamerahersteller trotzt Deindustrialisierung in Europa

Mit rund 650 Millionen Dollar Umsatz beweist Leica, dass europäische Fertigung im Luxussegment überleben kann.

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Leica: Deutscher Kamerahersteller trotzt Deindustrialisierung in Europa

WETZLAR – Als Andreas Kaufmann sein Erbe nutzte, um Leica zu kaufen, befand sich der legendäre Kamerahersteller nahe am Bankrott. Neue digitale Technologien bedrohten das Unternehmen mit dem Aussterben. Zwei Jahrzehnte später ist Kaufmann stolzer Mehrheitsaktionär eines der seltensten Juwelen: eines Fertigungserfolgs in einer Region, die sich aufgrund steigender Kosten, rückläufigen internationalen Handels und rücksichtsloser Konkurrenz aus China schnell deindustrialisiert.

Die Geschichte von Leica liest sich damit wie ein Gegenentwurf zum allgemeinen Niedergang der europäischen Industrie. Während viele Hersteller Arbeitsplätze ins Ausland verlagern oder ganz verschwinden, hält das Traditionsunternehmen aus dem hessischen Wetzlar an seinem Standort in Europa fest. Mehr als 100 Jahre nach Einführung seines ersten Konsumentenprodukts fertigt Leica seine teuren, minimalistischen Kameras noch immer überwiegend in Europa.

Rekordumsätze trotz kleiner Marktgröße

Der wirtschaftliche Erfolg gibt dem Unternehmen recht. Die Umsätze erreichten in vier der vergangenen fünf Jahre einen Rekordstand. Mit einem Umsatz von rund 650 Millionen Dollar ist Leica im Vergleich zum Marktführer Canon allerdings eine kleine Größe. Die beiden Unternehmen bewegen sich damit in völlig unterschiedlichen Dimensionen des Kameramarkts.

Seine Position am Luxussegment des Marktes bedeutet zudem, dass die Überlebensstrategie von Leica nicht ohne Weiteres auf die leidenden Hersteller in Europa übertragbar ist. Was bei einem Nischenanbieter mit prestigeträchtigen Premiumprodukten funktioniert, lässt sich nicht einfach auf Massenhersteller mit geringeren Margen übertragen. Dennoch sagt Kaufmann, er könne größeren Wettbewerbern den einen oder anderen Lehren erteilen.

Ein wesentlicher Treiber des jüngsten Erfolgs ist das Retro-Design der Marke. Dieses hat jüngere Käufer überzeugt, die ein wiedererstarkendes Interesse an der analogen Fotografie vorangetrieben haben. Leica profitiert damit von einem kulturellen Trend, der ausgerechnet die Rückbesinnung auf alte Techniken mit dem Verlangen nach moderner, hochwertiger Verarbeitung verbindet.

Ein seltenes Beispiel europäischer Fertigungskompetenz

Für deutsche Anleger und Beobachter der hiesigen Industrie ist die Leica-Story bemerkenswert. Sie zeigt, dass hochpreisige Fertigung in Europa unter bestimmten Bedingungen überlebensfähig bleibt – dann nämlich, wenn eine Marke über ein starkes Erbe, ein klares Profil und eine zahlungskräftige Kundschaft verfügt. Der Standort Wetzlar steht dabei sinnbildlich für diese Verbindung aus Tradition und wirtschaftlicher Widerstandskraft.

Der Fall macht zugleich deutlich, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Niedergang ist. Noch vor zwei Jahrzehnten stand Leica am Rand des Aus, getrieben durch den technologischen Umbruch von der Analog- zur Digitalfotografie. Dass das Unternehmen diesen Wandel überstand und heute Rekordumsätze meldet, ist das Ergebnis einer Strategie, die konsequent auf das obere Marktsegment setzt.

Ob dieses Modell Schule macht, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass Leica in einer Zeit, in der viele europäische Industriestandorte unter Druck geraten, ein seltenes Gegenbeispiel liefert. Das Unternehmen zeigt, dass sich Fertigung in Europa behaupten kann, wenn Produkt, Marke und Zielgruppe zusammenpassen.

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