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Tagesgeld-Zinsrallye: Banken liefern sich Wettlauf um Sparer

Banken liefern sich einen intensiven Wettbewerb um Sparer – mit Zinsen über 4 Prozent für Neukunden.

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Tagesgeld-Zinsrallye: Banken liefern sich Wettlauf um Sparer

Der Wettbewerb um die Gunst der Sparer in Deutschland hat eine neue Dimension erreicht. Im Vorfeld der erwarteten EZB-Leitzinserhöhung liefern sich Digitalbanken, etablierte Geldhäuser und ausländische Institute ein immer intensiveres Ringen um Tages- und Festgeldanleger. Die Zeiten des Nullzinses sind endgültig vorbei – und die Konditionen für Neukunden steigen auf ein Niveau, das es seit Jahren nicht mehr gab.

Aktuell locken mindestens elf Geldhäuser mit zeitweisen Zinssätzen von über 3,5 Prozent für Neukunden, wie eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt. Zum Vergleich: Bis Mitte Mai dieses Jahres gab es überhaupt keine Angebote in dieser Größenordnung. „Der Konkurrenzkampf an der Spitze des Marktes nimmt dadurch immer mehr Fahrt auf“, heißt es in der Studie, für die die Zinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet wurden.

Spitzenreiter und Lockangebote im Überblick

Die höchsten Tagesgeldzinsen bietet derzeit die britische Digitalbank Revolut. Neukunden erhalten hier für bis zu vier Monate 4,25 Prozent – allerdings gelten mehrere Nebenbedingungen. Ebenfalls attraktiv: Die Renault Bank gewährt 4,1 Prozent, Chase, der deutsche Ableger der US-Großbank J.P. Morgan, bietet 4 Prozent Zinsen – jeweils für vier Monate. Die niederländische Ayvens Bank liegt ebenfalls bei 4 Prozent, jedoch nur für drei Monate.

Hintergrund dieser Entwicklung sind die stark gestiegenen Kapitalmarktzinsen, etwa bei Staatsanleihen, sowie die Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Angesichts der durch geopolitische Spannungen angeheizten Inflation dürfte die EZB den Einlagenzins an diesem Donnerstag auf 2,5 Prozent anheben. Diesen Zins erhalten Banken, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Einige Institute geben diese verbesserten Konditionen nun an ihre Kunden weiter.

Das Kalkül der Banken: Köder für Neukunden

Die Strategie dahinter ist klar: Während ein Teil der Sparer als sogenannte „Zinshopper“ alle paar Monate das Konto wechselt, um sich die besten Konditionen zu sichern, bleibt ein Großteil der Kundschaft nach Ablauf der Aktionsphase beim Institut hängen. Zudem gelten Tagesgeldkonten als klassisches Einstiegsprodukt, um später weitere Geschäfte abzuschließen – etwa mit Kreditkarten, Wertpapierhandel oder Konsumentenkrediten.

Allerdings haben die Lockangebote ihre Tücken. Dazu gehören Beschränkungen des Aktionszinses auf bestimmte Guthaben und Zeiträume oder die Verpflichtung, ein Girokonto zu eröffnen. „Bei vielen Neukundenangeboten sinken die Zinsen nach den ersten Monaten so stark, dass Sparer dann erneut die Banken wechseln müssen, um weiterhin lukrative Erträge zu erzielen“, warnt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Er rät daher, auch die Bestandszinsen genau im Blick zu behalten.

Bestandskunden gucken in die Röhre

Während Neukunden mit Spitzenzinsen gelockt werden, sieht die Realität für treue Bestandskunden deutlich anders aus. Die höchsten Zinsen für Bestandskunden bietet mit 2,5 Prozent die Ascory Bank aus Hamburg. Beim Online-Broker Scalable Capital gibt es 2,6 Prozent – allerdings können die Spargelder hier auch bei Partnerbanken im Ausland oder in Geldmarktfonds angelegt werden.

Bundesweit verfügbare Angebote bringen Bestandskunden im Schnitt aktuell lediglich 1,4 Prozent, im Juni waren es 1,33 Prozent. Bei Sparkassen und Volksbanken liegt der Zins sogar unter 0,5 Prozent. „An der Mehrheit der treuen Bestandskunden läuft die Zins-Rally beim Tagesgeld bislang komplett vorbei“, konstatiert Maier.

Festgeld als Alternative im Aufwind

Deutlich besser entwickelt sich der Markt für Festgeld. Anfang Juni lagen die Zinsen bei durchschnittlich 2,32 Prozent für zwei Jahre Laufzeit, aktuell sind es bereits 2,55 Prozent. Die Münchner Finanzplattform Scalable Capital hat zuletzt sogar ein Festgeld mit 3 Prozent Zinsen für 24 Monate eingeführt. Auch etablierte Banken wie die DKB haben ihre Konditionen nachgebessert.

Ausländische Banken erobern den deutschen Markt

Verschärft wird der Wettbewerb durch ausländische Institute, die verstärkt in den deutschen Markt drängen. Revolut ist dabei einer der aggressivsten Akteure. „Deutschland ist ein Schlüsselmarkt bei unserem Ziel, die größte und vertrauenswürdigste Bank in Europa und der Welt zu werden“, sagte Béatrice Cossa-Dumurgier, Westeuropa-Chefin von Revolut, der Deutschen Presse-Agentur. Man habe bereits weit mehr als drei Millionen Kunden in Deutschland und werde die Schwelle von vier Millionen bald erreichen. „Allein 2025 haben wir mehr als 800.000 Kunden in Deutschland gewonnen.“

Die 2015 gegründete Finanzplattform kommt ohne Filialen aus, zählt aber rund 80 Millionen Kunden weltweit und wird mit etwa 115 Milliarden Dollar bewertet – das ist mehr als der aktuelle Börsenwert der Deutschen Bank.

Trade Republic als heimische Konkurrenz

In Deutschland treffen die ausländischen Anbieter auf starke Konkurrenz von Direktbanken wie ING und DKB sowie Neobanken wie Trade Republic. Der Berliner Online-Broker hat mit niedrigen Gebühren für den Aktienhandel und attraktiven Zinsen bereits mehr als fünf Millionen Kunden in Deutschland gewonnen.

Die zersplitterte deutsche Bankenbranche gilt zwar als schwieriges Terrain für neue Anbieter, auch weil die Bundesbürger als wenig digital-affin und börsenscheu gelten. Ausländische Banken wie die spanische BBVA, J.P. Morgan oder Revolut lassen sich davon jedoch nicht abschrecken – sie setzen auf die schiere Größe des deutschen Marktes.

Um Vertrauen zu schaffen, kooperiert Revolut beim befristeten Tagesgeldangebot mit der Deutschen Bank. Man brauche Zeit, um in Deutschland noch bekannter zu werden, räumte Managerin Cossa-Dumurgier ein: „Hier haben wir noch Luft nach oben.“ Sie kündigte bereits weitere Produkte für Deutschland an, wo dem Unternehmen etwa noch Kreditkarten im Angebot fehlen. Die Vision ist ambitioniert: „Wir wollen die Finanz-App für alles sein.“

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