Energiepreisschock in UK: Bank of England unter Druck
Geopolitische Spannungen treiben Benzinpreise auf 167 Pence – BoE vor Zinsentscheidung am 17. September.
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten schlagen zunehmend auf die britische Wirtschaft durch. Während die Kraftstoffpreise an den Zapfsäulen drastisch steigen, steht die Bank of England (BoE) vor einer schwierigen geldpolitischen Entscheidung. Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran beeinträchtigt die Rohölversorgung massiv und treibt die Energiepreise in die Höhe.
Laut dem RAC sind die Preise für bleifreies Benzin innerhalb einer Woche um 5 Pence pro Liter auf durchschnittlich 167,17 Pence gestiegen. Diesel legte ebenfalls um 5 Pence auf 188,63 Pence zu. Dies markiert den stärksten wöchentlichen Anstieg seit April. Der Preis für Brent-Rohöl erreichte erstmals seit Juli wieder die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, nachdem US-Streitkräfte iranische Tanker angriffen und Huthi-Rebellen saudische Ölanlagen attackierten.
Bank of England vor geldpolitischem Dilemma
Diese Entwicklung stellt die Bank of England vor ein Dilemma. Ökonomen der UBS gehen davon aus, dass das Monetary Policy Committee (MPC) bei seiner Sitzung am 17. September den Leitzins unverändert bei 3,75 Prozent belassen wird. Dennoch wird ein „hawkisheres“ Auftreten der Notenbank erwartet. Während die Mehrheit des Gremiums aufgrund stabiler Lohn- und Inflationserwartungen sowie gestiegener Renditen bei Staatsanleihen für ein Festhalten am Zinsniveau plädiert, zeichnet sich eine Spaltung ab.
Huw Pill, Megan Greene und Catherine Mann werden voraussichtlich erneut für eine Anhebung um 25 Basispunkte stimmen. Die UBS warnt, dass die MPC die steigenden Energiepreise mit Sorge betrachten dürfte, da diese das Risiko von Zweitrundeneffekten auf die Inflation erhöhen. Sollten die Energiepreise dauerhaft erhöht bleiben, steigt laut UBS das Risiko, dass die Bank of England zu einer Zinserhöhung gezwungen wird, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren.
Zinsausblick bis 2027
Die UBS rechnet aktuell damit, dass die Zinsen bis Ende 2026 stabil bleiben und erst 2027 zwei Zinssenkungen folgen könnten. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Sitzung am 5. November, die nach der Budgetvorlage Ende Oktober stattfindet. Sollte es zu einer Zinserhöhung kommen, erwartet die UBS keinen neuen Straffungszyklus, sondern lediglich „Anpassungsschritte“, denen eine schnelle Umkehr folgen würde.
Für britische Autofahrer bleibt die Lage angespannt. Der RAC sieht derzeit „keinerlei Anzeichen für eine Entlastung“, da die hohen Großhandelspreise zeitnah an die Zapfsäulen weitergereicht werden. Die Kombination aus geopolitischen Risiken und steigenden Energiepreisen stellt die britische Notenbank vor eine ihrer schwierigsten Entscheidungen der letzten Jahre.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Großbritannien durchaus relevant. Die britische Wirtschaft ist eng mit dem europäischen Markt verflochten, und geldpolitische Entscheidungen der Bank of England haben oft Signalwirkung für die Europäische Zentralbank. Zudem sind steigende Energiepreise ein globales Phänomen, das auch die deutsche Inflationsentwicklung beeinflussen könnte. Sollte die BoE tatsächlich zu weiteren Zinserhöhungen gezwungen sein, wäre dies ein klares Signal, dass der Inflationskampf noch nicht gewonnen ist.
