Starbucks erwartet Umsatzrückgang: Aktie fällt trotz starker Kennzahl
Der Kaffeekonzern übertrifft bei einer wichtigen Umsatzkennzahl die Erwartungen, doch die Aktie verliert weiter an Boden.

Starbucks hat am Donnerstag seine Erwartungen für das kommende Geschäftsjahr vorgelegt – und dabei eine Prognose abgegeben, die bei Anlegern für Ernüchterung sorgte. Der Umsatz soll im Geschäftsjahr, das im September nächsten Jahres endet, um rund 1 Prozent sinken. Als Hauptgrund nannte das Unternehmen die kürzlich getroffene Entscheidung, den Einzelhandelsbetrieb in China in ein Joint Venture zu überführen. Die Umsätze dieser Filialen sind damit nicht mehr in den gesamten Umsatzangaben von Starbucks enthalten.
Für Anleger ist die Nachricht zwiespältig. Denn bei einer wichtigen Umsatzkennzahl übertraf die Kaffeekette die Erwartungen. Neue Getränke und renovierte Cafés haben Starbucks geholfen, Kunden zurückzugewinnen. Der Aktienkurs des Unternehmens (Ticker SBUX) gab dennoch weiter nach.
Die Kombination aus erwartetem Umsatzrückgang und schwachem Aktienkurs deutet darauf hin, dass der Markt mehr Tempo beim Umbau des Konzerns erwartet. Der Umschwung ist in Vorbereitung – doch möglicherweise nicht schnell genug für die Anleger.
Die Details
Im Zentrum der neuen Prognose steht die Bilanzierung des Chinageschäfts. Weil Starbucks seinen Einzelhandelsbetrieb in China in ein Joint Venture überführt, fließen die Erlöse dieser Filialen künftig nicht mehr in die gesamten Umsatzangaben des Konzerns ein. Dieser strukturelle Effekt ist der wesentliche Treiber für den erwarteten Rückgang von rund 1 Prozent im Geschäftsjahr, das im September nächsten Jahres endet.
Gleichzeitig betont das Unternehmen die operativen Fortschritte. Neue Getränke und renovierte Cafés hätten geholfen, Kunden zurückzugewinnen. Bei einer wichtigen Umsatzkennzahl übertraf Starbucks die Erwartungen der Analysten. Diese Kennzahl nennt die Quelle nicht im Detail; sie steht jedoch im Kontrast zur Umsatzprognose auf Konzernebene, die durch den China-Effekt belastet wird.
Die Aktie reagierte trotzdem mit weiteren Verlusten. Der Markt scheint die langfristigen Fortschritte zwar wahrzunehmen, sie aber nicht als ausreichend schnell zu bewerten. Der Umsatzrückgang auf Konzernebene überlagert die positiven Signale aus dem operativen Geschäft.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.01.2026 berichtete aktien.news über das erste Geschäftsquartal 2026. Damals steigerte Starbucks seinen Nettoumsatz um 6 Prozent auf 9,92 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen deutlich. Besonders erfreulich war, dass die Kundenfrequenz erstmals seit zwei Jahren wieder zulegte – ein Zeichen dafür, dass die Sanierungsstrategie von CEO Brian Niccol erste Früchte trug. Die vergleichbaren Filialen-Umsätze stiegen weltweit um 4 Prozent, während Analysten lediglich 2,3 Prozent erwartet hatten. Der Traffic-Anstieg von 3 Prozent markierte einen wichtigen Wendepunkt für das Unternehmen.
Nur einen Tag später, am 29.01.2026, stellte Starbucks bei einem Investorentag in New York City seine langfristige Unternehmensstrategie vor und veröffentlichte erstmals seit über einem Jahr wieder eine Jahresprognose. CEO Brian Niccol machte deutlich, dass die Neuausrichtung der Kaffeekette erst am Anfang steht, auch wenn erste Erfolge sichtbar werden. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostizierte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn pro Aktie zwischen 2,15 und 2,40 US-Dollar. Die weltweiten und US-amerikanischen flächenbereinigten Umsätze sollten um mindestens 3 Prozent wachsen. Die Starbucks-Aktie hatte im vergangenen Jahr rund 5 Prozent an Wert verloren; die Marktkapitalisierung lag bei etwa 108 Milliarden US-Dollar.
Am 16.07.2026 berichtete aktien.news über einen juristischen Erfolg: Ein US-Bundesrichter wies eine Sammelklage gegen Starbucks ab. Darin war dem Kaffeeriesen vorgeworfen worden, Aktionäre durch das Verschweigen rückläufiger Umsatzzahlen in seinen beiden größten Märkten – den USA und China – getäuscht zu haben. Das Urteil fiel im US-Bezirksgericht in Seattle, Richter John Chun entschied zugunsten des Unternehmens. Im Kern der Klage stand die Frage, ob der damalige CEO Laxman Narasimhan während einer Analystenkonferenz im Januar 2024 bewusst falsche Angaben über die Umsatztrends gemacht hatte. Der Richter befand, dass Narasimhans Annahme, er habe die Trends des bereits abgeschlossenen Quartals erörtert, eine plausible Erklärung darstelle.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die wichtigste Botschaft: Bei Starbucks stehen operative Verbesserung und bilanzielle Entwicklung derzeit auseinander. Das Unternehmen gewinnt Kunden zurück und übertrifft bei einer wichtigen Umsatzkennzahl die Erwartungen, doch die Umsatzprognose auf Konzernebene fällt durch den China-Effekt negativ aus.
Hinzu kommt die Reaktion des Aktienmarkts: Trotz der positiven operativen Signale gab die Aktie weiter nach. Anleger sollten daher genau unterscheiden zwischen Veränderungen, die aus der Umstellung des Chinageschäfts auf ein Joint Venture resultieren, und solchen, die das tatsächliche operative Geschäft betreffen. Der erwartete Umsatzrückgang von rund 1 Prozent ist zu einem erheblichen Teil struktureller Natur und damit nicht eins zu eins mit einer schwächeren Nachfrage gleichzusetzen.
Die früheren Berichte von aktien.news zeigen zugleich, dass Starbucks bereits mehrfach zwischen Fortschritt und Rückschlag navigiert hat: Auf starke Quartalszahlen folgten juristische Auseinandersetzungen, und die Jahresprognose wurde erst nach längerer Pause wieder vorgelegt. Diese Mischung erklärt, warum die Aktie trotz einzelner guter Nachrichten unter Druck bleibt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der zentrale Termin für Anleger ist das Ende des Geschäftsjahres im September nächsten Jahres. Bis dahin will Starbucks den Umbau vorantreiben. Für dieses Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen einen Umsatzrückgang von rund 1 Prozent, vor allem wegen der Umstellung des chinesischen Einzelhandelsbetriebs auf ein Joint Venture.
Aus den früheren Berichten von aktien.news stammen weitere Orientierungspunkte: Für das Geschäftsjahr 2026 prognostizierte Starbucks einen bereinigten Gewinn pro Aktie zwischen 2,15 und 2,40 US-Dollar sowie ein Wachstum der weltweiten und US-amerikanischen flächenbereinigten Umsätze von mindestens 3 Prozent. Ob der Turnaround schnell genug vorankommt, dürfte sich an der Entwicklung dieser Kennzahlen und an der Reaktion der Aktie zeigen.
Kurz erklärt
- Joint Venture: Ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem sich zwei oder mehr Partner beteiligen und das rechtlich meist eigenständig geführt wird.
- Flächenbereinigter Umsatz: Eine Kennzahl, die nur die Umsätze von Filialen vergleicht, die schon länger geöffnet sind, um Neueröffnungen auszublenden.
- Bereinigter Gewinn pro Aktie: Der auf eine Aktie entfallende Gewinn, bereinigt um Sonderposten, um die operative Ertragskraft besser vergleichbar zu machen.
