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Sinkende Arbeitslosenquote: BCA Research warnt vor Inflation über Fed-Ziel

BCA Research prüft, ob eine fallende US-Arbeitslosenquote die Inflation über dem Zielwert der Federal Reserve hält.

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Sinkende Arbeitslosenquote: BCA Research warnt vor Inflation über Fed-Ziel

Die US-Arbeitskräftebasis ist im vergangenen Jahr geschrumpft. Als Gründe nennt BCA Research den Weggang unbefugter Einwanderer aus dem Land sowie eine rückläufige Arbeitsmarktbeteiligung. Diese Entwicklung hat nach Einschätzung des Analysehauses eine zentrale Schwelle verschoben: Es braucht weniger neues Jobwachstum, um die Arbeitslosenquote zu senken.

Vor diesem Hintergrund prüft BCA Research in einer aktuellen Studie die Frage, ob eine fallende Arbeitslosenquote die Inflation in den USA über dem Zielwert der Federal Reserve halten wird. Anleger fragen sich, ob der Arbeitsmarkt stark genug anziehen wird, um die Inflation auch dann über dem Zielwert zu halten, wenn die Auswirkungen von Zöllen und Energiepreisen im kommenden Jahr nachlassen.

Im Zentrum der Analyse steht die Phillips-Kurve, die den kurzfristigen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit beschreibt. Sie wird typischerweise so interpretiert, dass starke Nachfrage und niedrige Arbeitslosigkeit inflatorischen Druck erzeugen, während schwächere Nachfrage und höhere Arbeitslosigkeit die Inflation reduzieren.

Die Details

Jonathan LaBerge von BCA Research weist darauf hin, dass das Bild der Phillips-Kurve widersprüchlich ist. Er verweist auf zwei Zeiträume, in denen eine unter 4% liegende Arbeitslosenquote ohne hohe Inflation zu beobachten war: die Jahre 1999 bis 2000 sowie 2018 bis 2019. Demgegenüber standen in den späten 1960er Jahren sowie im Zeitraum 2022 bis 2024 deutlich höhere Inflationsraten bei niedrigen Arbeitslosenquoten.

Das Unternehmen ist der Ansicht, dass eine unter 4% liegende Arbeitslosenquote dieses Mal möglicherweise inflationär wirken könnte. Als Begründung führt BCA Research an, dass die Kombination aus niedriger Arbeitslosigkeit und niedriger Inflation in den 1990er Jahren auf Produktivitätsgewinne zurückzuführen war. Zwar könnte die künstliche Intelligenz (KI) irgendwann bald die Produktivität steigern, doch sind solche Gewinne in den Produktivitätsdaten derzeit nicht sichtbar. Zudem waren die Inflationserwartungen von 2018 bis 2019 deutlich niedriger, was das Lohnwachstum wahrscheinlich gedämpft hat.

LaBerge ordnet die aktuelle Lage mit einem klaren Zitat ein: „Unsere US-Anlagestrategen betrachten die Befürchtungen eines signifikanten Ausbruchs beim Lohnwachstum als übertrieben. Verfestigte Fehlwahrnehmungen sterben nur schwer, aber das strukturelle Kräfteverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern hat sich zu weit verschoben, um eine Wiederholung der Ereignisse der 1970er Jahre zu ermöglichen."

Der Experte bemerkt, dass der Anstieg des Lohnwachstums nach der Pandemie auf ein Defizit am Arbeitsangebot zurückzuführen war. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Kündigungsquoten auf Rekordniveau, was darauf hindeutete, dass Firmen Mitarbeiter abwarben. Großzügige fiskalische Transferleistungen verzögerten die Rückkehr zur Arbeit, und Arbeitgeber, die offene Stellen besetzen wollten, mussten die Löhne nach oben treiben. Diese Bedingungen bestehen heute nicht mehr.

BCA Research argumentiert weiter, dass die vernachlässigbaren Kosten für die Online-Einstellung von Stellen zu einer Überschätzung der aktuellen offenen Stellen geführt haben. Die derzeit niedrige Einstellungsrate zeigt nach Einschätzung des Unternehmens, dass die Arbeitsnachfrage nachgelassen hat, während das Arbeitsangebot aufgrund der Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen unter Druck gerät.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die aktuelle Analyse reiht sich in eine Serie von Berichten ein, die aktien.news in den vergangenen Monaten veröffentlicht hat. Bereits am 08.06.2026 berichtete aktien.news, dass die These von Kevin Warsh, wonach künstliche Intelligenz als disinflationäre Kraft wirken wird, auf deutlichen Widerspruch von BCA Research stößt. Laut dem damaligen Strategiebericht unter der Leitung von Chefstratege Peter Berezin stand Warshs Einschätzung im klaren Widerspruch zu aktuellen Wirtschaftsdaten.

Am 26.06.2026 meldete aktien.news, dass Morgan Stanley an seiner Erwartung festhält, die US-Notenbank Federal Reserve werde die Zinssätze bis zum Jahresende unverändert lassen. Gleichzeitig warnte die Bank vor zwei Szenarien, die die Fed zu Zinserhöhungen zwingen könnten: ein Rückgang der Arbeitslosenquote unter 4,0% oder eine anhaltend hohe Inflation. Analyst Michael Gapen nannte damals sinkende Ölpreise infolge der Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran als stützenden Faktor.

Am 07.08.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Arbeitslosenquote im Juli auf 4,1 Prozent gesunken ist – nach 4,2 Prozent im Juni. Gleichzeitig verlor die US-Wirtschaft in demselben Monat unerwartet 23.000 Arbeitsplätze. Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man die Methodik versteht: Die Arbeitslosenquote basiert auf der monatlichen Haushaltsbefragung des US-Arbeitsministeriums, bei der jemand nur dann als arbeitslos gilt, wenn er aktiv nach einer Stelle sucht. Wer die Jobsuche aufgibt, fällt aus der Statistik heraus.

Bereits am 09.02.2026 hatte aktien.news über die jüngste Verbraucherumfrage der New Yorker Federal Reserve berichtet. Demnach sank die Ein-Jahres-Inflationserwartung im Januar von 3,4 auf 3,1 Prozent, während die mittelfristigen Erwartungen für drei und fünf Jahre unverändert bei 3 Prozent blieben. Am Arbeitsmarkt hellte sich die Stimmung spürbar auf, und die Erwartungen für das Lohnwachstum stiegen im Januar an.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Analyse vor allem deshalb relevant, weil sie die Zinsperspektive der Federal Reserve berührt. BCA Research ist der Überzeugung, dass strukturelle Kräfte den Arbeitgebern zugutekommen, während Arbeitnehmer weniger Hebelwirkung gegenüber shareholder-fokussierten Managements haben, da die Gewerkschaftsmitgliedschaft im Privatsektor eingebrochen ist. Das Unternehmen glaubt nicht, dass die Kräfte, die eine Lohn-Preis-Spirale verursachen könnten, aktiv sind.

Die Argumentation lautet, dass Bedenken bezüglich eines solchen Szenarios auf Erinnerungen an außergewöhnliche arbeitspolitische Maßnahmen basieren, die sehr unwahrscheinlich sind. Damit widerspricht BCA Research der verbreiteten Sorge, niedrige Arbeitslosigkeit könnte automatisch eine neue Inflationswelle auslösen. Anleger sollten jedoch beachten, dass die Analyse keine Prognose für einzelne Anlageklassen liefert und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung darstellt.

Ausblick

Während eine sich selbst verstärkende Schleife aus Löhnen und Preisen, die sich gegenseitig nach oben treiben, nach Einschätzung von BCA Research ausgeschlossen ist, bleibt ein anderes Szenario möglich. Das Unternehmen hält es für denkbar, dass die Fed im Laufe der nächsten 12 Monate mit einer überraschend restriktiven Politik aufwartet. Diese Aussicht ist für Anleger von Bedeutung, weil sie die Zinserwartungen und damit die Bewertung von Anleihen und Aktien beeinflussen kann.

Kurz erklärt

  • Phillips-Kurve: Beschreibt den kurzfristigen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit.
  • Lohn-Preis-Spirale: Ein sich selbst verstärkender Prozess, bei dem steigende Löhne und steigende Preise sich gegenseitig nach oben treiben.
  • Arbeitsmarktbeteiligung: Anteil der Bevölkerung, der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht oder aktiv eine Stelle sucht.
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