Sima.ai und Trumpf kooperieren für KI-Chips
Ex-Bosch-Manager Kröger öffnet deutschem Mittelständler den Weg zur innovativen Chip-Technologie

Harald Kröger hat vor zweieinhalb Jahren seine sichere Führungsposition beim Technologiekonzern Bosch aufgegeben und versucht seitdem, dem US-Start-up Sima.ai den Zugang zur deutschen Industrie zu ermöglichen. Sima.ai, ein Unternehmen, das sich auf die Herstellung von speziell für Künstliche Intelligenz (KI) entwickelten Chips konzentriert, hat unter Krögers Leitung nun einen bedeutenden Durchbruch erzielt. Der Laserspezialist Trumpf ist das erste deutsche Unternehmen, das eine strategische Partnerschaft mit dem Silicon Valley-Start-up eingeht. Gemeinsam arbeiten die beiden Firmen an einer KI-Software, die Laseranwendungen verbessern soll. Die Kombination aus Sima-Chip-Technologie und der Expertise von Trumpf könnte die Produktion von Elektroautos beschleunigen.
Kröger erklärte dem Handelsblatt, dass es sich um einen intensiven und praxisorientierten Austausch handele, der beiden Seiten zugutekomme. Der KI-Chip von Sima.ai sei in der Lage, jedes neuronale Netz und KI-Framework zu beherrschen und könne in jede Elektronik- und Sensorumgebung integriert werden. Hergestellt werden die Halbleiter beim weltgrößten Auftragsfertiger TSMC in Taiwan. Richard Bannmüller, Technikchef der Lasersparte von Trumpf, betonte die strategische Relevanz von KI für Trumpf und erklärte, dass die Expertise des Unternehmens bei Laserprozessen ihnen helfe, intelligente Software für die Produktion zu entwickeln.
Ein Beispiel für die Anwendung der Sima-Chips ist die Echtzeit-Qualitätsprüfung. Der Chip ermöglicht es, bei der Kameraüberwachung einer Laseranwendung 5000 Bilder pro Sekunde zu verarbeiten und auszuwerten, was separate und aufwendige Prüfverfahren in der Elektroautoproduktion ersetzen könnte. Dies könnte letztlich zu einer Senkung der Preise für Elektroautos führen. Die Entscheidung von Trumpf, diese junge Technologie zu nutzen, ist mutig, aber auch nachvollziehbar, da ein mittelständischer Maschinenbauer normalerweise nicht die Möglichkeit hat, mit einem Start-up zusammenzuarbeiten, das mehr als eine Milliarde US-Dollar wert ist.
Sima.ai, das 2018 vom erfahrenen Chipentwickler Krishna Rangasayee im Silicon Valley gegründet wurde, hat in jüngster Zeit bewiesen, dass ihre neuen Chips beim sogenannten Edge-Computing deutlich schneller sind als die des Branchenriesen Nvidia. Beim Edge-Computing werden Chip und Software als System-on-Chip direkt in Maschinen wie denen von Trumpf integriert, wodurch die Rechenleistung vor Ort stattfindet und nicht über die Cloud im Rechenzentrum.
Kröger betonte, dass Sima nicht gegen Nvidia antrete. Nvidia dominiert zwar das Geschäft für KI-Anwendungen in Rechenzentren, doch für Edge-Devices wie Kameras, Roboter, Maschinen oder Fahrzeuge sind ihre Halbleiter oft zu teuer und energieintensiv. Sima.ai hat bisher 270 Millionen Dollar von namhaften Tech-Investoren eingesammelt und plant, weitere Kunden in Deutschland bekannt zu geben. Die Partnerschaft mit Trumpf ist dabei nur der Anfang.
