ANZEIGE

KI verändert die SaaS-Branche grundlegend

Herausforderungen und Chancen für Software-Unternehmen in einer KI-dominierten Zukunft

3 Min
KI verändert die SaaS-Branche grundlegend

Das US-Unternehmen Salesforce zählt zu den Marktführern für Kundenmanagement-Softwaresysteme, enttäuschte jüngst aber die Markterwartungen. Je höher die Erwartungen, desto größer die Enttäuschung – das musste in den vergangenen Wochen auch das Software-Unternehmen Workday lernen. Es vertreibt Personal- und Finanzdienstleistungen und bietet Software as a Service (SaaS) an, verkauft also seine Dienstleistung online in Form von Lizenzen. Trotz vielversprechender Quartalszahlen gab der Aktienkurs nach. Die Geschäftsführung hatte ihre Prognose für das Gesamtjahr gesenkt.

So wie Workday erging es einer ganzen Reihe von SaaS-Aktien: Die Entwicklungsplattform Gitlab verlor an der Börse, genauso wie die Automatisierungssoftware Ui Path. Stephan Kemper, Chefstratege bei BNP Paribas Wealth Management, fasst die aktuelle Entwicklung so zusammen: „Die letzten Quartalszahlen des Subsektors waren nicht schlecht. Aber der Ausblick war eher vorsichtig und konnte die hohen Erwartungen, die im Vorfeld der Zahlen eingepreist wurden, nicht erfüllen.“

Viele Kunden dieser Unternehmen hätten ihre Software bereits während der Pandemie auf den neuesten Stand gebracht. Das erschwere das Neukundengeschäft. Auch die ausbleibenden Zinssenkungen in den USA sowie die US-Wahlen dämpften die Nachfrage, weil „Unternehmen bei langfristigen Software-Entscheidungen aktuell eher zurückhaltend sind“, erklärt Kemper. Die Vorsicht der Investoren hängt zudem mit dem Trend hin zu mehr Künstlicher Intelligenz (KI) zusammen. Bernd Kiegler, Fondsmanager des Hightech-ESG-Fonds bei Raiffeisen Capital Management, warnt: „KI kann viele Services, die diese traditionellen Softwarefirmen anbieten, automatisieren und somit Geschäftsmodelle rasch obsolet machen. Das scheint mehr ein strukturelles Thema als ein zyklisches zu sein.“

KI stellt die abonnementbasierten Geschäftsmodelle auf die Probe. Wenn durch Automatisierung weniger Lizenzen benötigt werden, sinken damit schließlich die Einnahmen der SaaS-Unternehmen. Doch der aktuelle Trend bietet auch neue Chancen: Software-Unternehmen, die ihre eigenen Programme durch KI verbessern, dürften damit ihre Profitabilität steigern. „Aktuell stoßen viele Softwareprogramme bei komplexen Fragestellungen an ihre Grenzen, beispielsweise bei der Spracherkennung und Verarbeitung“, erklärt Kemper. „Hier eröffnet die Einbindung von KI neue Möglichkeiten.“ Er rechnet nicht damit, dass Unternehmenskunden künftig in großem Stil ihre eigenen Programme entwickeln werden. Auch in Zukunft sei das keine wirtschaftliche Alternative. „Hier wäre eher eine größere Individualisierung der angebotenen Softwarelösungen denkbar“, prognostiziert der Stratege.

An der Börse ist die Hoffnung auf einen KI-Boom vielerorts bereits eingepreist. Kaum eine Branche erzielt derzeit so hohe Bewertungen wie Software. Das gilt auch für den SaaS-Sektor. So kommt es, dass das prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Workday bei exorbitanten 124 liegt – obwohl der Titel im vergangenen Monat fast ein Fünftel nachgegeben hat. Workday zählt zu den etablierten Playern der Branche und erwirtschaftete in den vergangenen Quartalen mehrmals eine solide Umsatzrendite um die 25 Prozent. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 50 KI-Anwendungsfälle in Produktion sowie weitere 25 auf seiner Roadmap. Erst im Februar schluckte der Softwareriese das KI-Start-up Hired Score, um sich im Feld der Talent-Akquisition weiterzuentwickeln.

Ein zweites Schwergewicht in der Branche ist das US-Unternehmen Salesforce, das zu den Marktführern für Kundenmanagement-Softwaresysteme zählt. Auch Salesforce verfehlte beim letzten Quartalsmeeting die Markterwartungen und wurde mit einem Wertverlust in Höhe von einem Fünftel abgestraft. Die Citigroup senkte ihre Prognose und begründete das damit, dass breite makroökonomische Herausforderungen das Unternehmen belastet hätten. Optimistischer waren die Analysten von Goldman Sachs, die Salesforce als „unterschätzten generativen KI-Gewinner“ bezeichnen. Sie sehen noch Potenzial für deutliche Margenerhöhungen.

Mit einem prognostizierten KGV von 38 ist Salesforce auch günstiger als die direkte Konkurrenz, wenngleich etwas teurer als der Marktschnitt im MSCI World Software & Services Index. Die Titel im Index kommen derzeit auf ein Forward-KGV von 29. Kurskapriolen gab es zuletzt auch bei Adobe. Der Aktienkurs des Unternehmens kletterte nach guten Zahlen aufwärts. Die KI-Sparte Firefly hat die Nachfrage getrieben, weshalb Adobe seine Umsatzprognose für das laufende Jahr anhob. Dann ließ der Kurs wieder etwas nach, da die US-Regierung Adobe wegen seines Abo-Modells verklagt. Das prognostizierte KGV liegt derzeit bei 43.

Ein deutlich kleinerer, weniger etablierter Player am Markt ist Braze. Das Unternehmen bietet eine KI-basierte Kundenbindungsplattform an und zählt zu den direkten Konkurrenten von Salesforce. In den vergangenen Monaten befand sich die Aktie eher auf Abwärtskurs, nachdem das Unternehmen im März enttäuschende Zahlen vorgelegt hatte. Zwar lief es im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs besser, dennoch schreibt das im Jahr 2011 gegründete Unternehmen rote Zahlen. Analysten empfehlen Braze mehrheitlich zum Kauf.

Künstliche IntelligenzSalesforceAktien

Meistgelesene News

  1. Amazon Prime Air Crash in Miami: Fünf Tote bei Frachtflugzeug-Unglück
  2. Microsoft-Aktie fällt – Technologiekonzern kämpft mit Ausfällen
  3. Fed-Signale beflügeln US-Märkte: Palantir und Snowflake mit starken Kursgewinnen
  4. BP setzt auf Stabilität – Raffineriemargen erreichen Krisenniveau
  5. Europäische Indizes kaum verändert – Telekom treibt DAX an

Disclaimer