Sell in May? Ölpreise, Yen und US-Jobdaten im Fokus
Händler stehen vor einer ereignisreichen Woche: Nahost-Konflikt, hohe Ölpreise, schwacher Yen und US-Arbeitsmarktdaten prägen das Geschehen.

Die Finanzmärkte stehen zu Beginn des Mai unter erheblichem Druck. Der anhaltende Krieg zwischen den USA und dem Iran, steigende Ölpreise und ein schwächelnder japanischer Yen sorgen für Unsicherheit bei Händlern weltweit. Hinzu kommen wichtige Wirtschaftsdaten aus den USA sowie eine Zinsentscheidung in Australien und Kommunalwahlen in Großbritannien.
Der Ölpreis ist dabei das beherrschende Thema der Woche. In der vergangenen Woche kletterte der Preis pro Barrel kurzzeitig über 120 US-Dollar – der höchste Stand seit 2022. Auslöser ist der nun bereits im dritten Monat andauernde Krieg mit dem Iran, der die strategisch wichtige Straße von Hormus blockiert hat. Es handelt sich damit um die größte Unterbrechung der Energieversorgung aller Zeiten.
Die USA und der Iran stehen unter internationalem Druck, den Konflikt zu beenden. Die Welt beobachtet besorgt, wie sich die Lage entwickelt – denn mit jeder weiteren Woche, in der die Meerenge geschlossen bleibt, wachsen die wirtschaftlichen Risiken. Höhere Inflation, schwaches Wachstum oder im schlimmsten Fall beides drohen zahlreichen Volkswirtschaften.
Japan interveniert am Devisenmarkt
Besonders hart trifft die Energiekrise Japan als großen Ölimporteur. Der durch den Konflikt geschwächte Yen hat die japanische Regierung zu einer Intervention am Devisenmarkt veranlasst, um die eigene Währung zu stützen. Japan ist in einer besonders exponierten Lage, da das Land stark von Ölimporten abhängig ist und ein schwacher Yen die Importkosten zusätzlich in die Höhe treibt.
Trotz der geopolitischen Spannungen halten sich die globalen Aktienmärkte bislang wacker. Starke Unternehmensgewinne und der anhaltende Boom rund um Künstliche Intelligenz stützen die Kurse. Doch Analysten warnen: Angesichts des andauernden Krieges im Nahen Osten kann diese Stabilität nicht dauerhaft Bestand haben.
Mit dem Beginn eines neuen Monats erinnern sich viele Marktteilnehmer an das alte Börsensprichwort „Sell in May and go away". Die Frage, ob die saisonale Schwächephase in diesem Jahr durch die geopolitischen Risiken noch verstärkt wird, beschäftigt Händler und Investoren gleichermaßen.
US-Arbeitsmarktbericht als Wochenhöhepunkt
Der wichtigste Datenpunkt der Woche für die Wall Street ist der monatliche US-Arbeitsmarktbericht für April, der am Freitag veröffentlicht wird. Ökonomen, die von Reuters befragt wurden, erwarten, dass die US-Wirtschaft im April rund 73.000 neue Stellen geschaffen hat. Dieser Wert wäre deutlich schwächer als im Vormonat.
Im März hatte die US-Wirtschaft noch 178.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen – der stärkste Zuwachs seit Dezember 2024. Zuvor hatte es im Februar jedoch einen deutlichen Rückgang gegeben. Die Daten werden zeigen, wie stark der Nahost-Konflikt bereits auf den amerikanischen Arbeitsmarkt durchschlägt.
Für deutsche Anleger ist die Gemengelage besonders relevant: Hohe Energiepreise belasten die exportorientierte deutsche Wirtschaft, während die Unsicherheit an den globalen Märkten die Risikobereitschaft der Investoren dämpft. Die kommenden Tage dürften richtungsweisend dafür sein, wie sich die Märkte im weiteren Jahresverlauf entwickeln.
