OPEC+-Fördererhöhung bleibt symbolisch solange Hormus gesperrt ist
Die OPEC+ erhöht die Produktion um 188.000 Barrel täglich – doch die gesperrte Straße von Hormus macht den Beschluss weitgehend wirkungslos.

Die OPEC+ hat beschlossen, ihre Förderung um 188.000 Barrel pro Tag (bpd) zu erhöhen. Solange die Straße von Hormus jedoch faktisch geschlossen bleibt, ist diese Entscheidung für jene Mitglieder, die auf die Meerenge für den Zugang zu den Weltmärkten angewiesen sind, weitgehend bedeutungslos. Dennoch sollte der Beschluss nicht ignoriert werden.
Die verbleibenden OPEC+-Mitglieder, die freiwilligen Produktionskürzungen unterliegen, senden damit ein klares Signal: Die Gruppe bleibt auch ohne die Vereinigten Arabischen Emirate relevant und sieht sich weiterhin als ausgleichende Kraft zwischen Angebot und Nachfrage. Der Austritt der VAE aus der OPEC+ in der vergangenen Woche wurde als schwerer Schlag für den Einfluss der 65 Jahre alten Produzentengruppe gewertet.
Der VAE-Austritt hatte zudem Spekulationen über einen bevorstehenden Mengenwettbewerb ausgelöst, der den Markt überschwemmen könnte, sobald die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet ist. Ob ein solcher Preis- und Mengenkrieg tatsächlich das wahrscheinlichste Szenario wäre, falls die USA und der Iran ein Friedensabkommen erzielen, ist jedoch keineswegs ausgemacht.
Asiens Ölimporte auf 10-Jahres-Tief
Die Folgen der anhaltenden Sperrung der Meerenge werden in den Handelsdaten bereits deutlich sichtbar. Über die Straße von Hormus wurden vor Beginn des Iran-Konflikts am 28. Februar rund 20 Prozent des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases transportiert – etwa 80 Prozent dieser Ströme waren für Asien bestimmt, die weltweit wichtigste Energieimportregion.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Asiens Rohölimporte sanken im April auf 19,39 Millionen bpd, nach 24,48 Millionen bpd im März und 27,52 Millionen bpd im Februar, wie Daten von LSEG Oil Research zeigen. Das ist der niedrigste Monatswert seit mindestens zehn Jahren. Im Vergleich zum Vorkriegsniveau fehlen den asiatischen Raffinerien damit rund 8 Millionen bpd.
Besonders hart trifft es Südkorea und Japan. Südkoreas Importe fielen im April auf ein 13-Jahres-Tief von 1,50 Millionen bpd – die Volumina durch die Meerenge sanken von durchschnittlich 1,73 Millionen bpd in den drei Monaten vor Kriegsbeginn auf null. Japans Importe über die Meerenge brachen im April auf lediglich 139.000 bpd ein, verglichen mit einem Durchschnitt von 2,04 Millionen bpd in den drei Monaten vor dem Beginn der US-israelischen Luftoffensive gegen den Iran.
US-Rohöl füllt die Lücke nur teilweise
Im Mai zeichnet sich eine gewisse Erholung ab, da Rohöl von Lieferanten außerhalb des Nahen Ostens – allen voran aus den USA – in Asien eintrifft. Die asiatischen Importe von US-Rohöl werden von den Rohstoffanalysten von Kpler für Mai auf 2,08 Millionen bpd prognostiziert, ein Rekordhoch nach 1,10 Millionen bpd im April. Die beiden größten Käufer von US-Rohöl im Mai sind laut Kpler Südkorea mit rund 865.000 bpd und Japan mit 491.000 bpd.
Dennoch reicht der Zustrom aus den USA nicht aus, um das Defizit vollständig auszugleichen. Südkoreas gesamte Mai-Importe werden auf 2,23 Millionen bpd geschätzt, Japans auf 1,64 Millionen bpd – beides deutlich unter den Vorkriegsniveaus. Asiatische Raffinerien konnten zwar alternative Quellen erschließen, doch die Mengen bleiben unzureichend.
Während der Einsatz von Lagerbeständen kurzfristig Entlastung bringen kann, droht mittelfristig eine weitere Drosselung der Raffinerieauslastung. Sollte die Straße von Hormus faktisch geschlossen bleiben, dürfte sich das Angebot an raffinierten Produkten weiter verknappen – mit der Folge steigender Preise, um die Nachfrage zu dämpfen. Die OPEC+-Fördererhöhung bleibt vor diesem Hintergrund vorerst ein politisches Signal ohne praktische Wirkung.
