Scott Barshay soll Identitätskrise von Paul Weiss lösen
Der renommierte Dealmaker übernimmt die Führung der US-Elitekanzlei nach dem überraschenden Abgang von Brad Karp.

Scott Barshay, einer der bekanntesten Transaktionsanwälte der Wall Street, hat im Februar die Führung der renommierten US-Anwaltskanzlei Paul Weiss übernommen. Er löst damit Brad Karp ab, der jahrelang als Chairman die Kanzlei geprägt hatte. Die Wachablösung verlief nach Berichten kühl und professionell – ganz im Stil des neuen Chefs.
Barshay war es selbst, der Karp über dessen bevorstehenden Abgang informierte. Dabei offenbarte er zugleich, dass er dessen Nachfolger sein würde. Besondere Brisanz erhält diese Episode dadurch, dass es Karp gewesen war, der Barshay einst für Paul Weiss gewonnen hatte – bei Abendessen im exklusiven Restaurant Le Bernardin im New Yorker Stadtteil Midtown Manhattan.
Vom Dealmaker zum Kanzleichef
Barshay hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen herausragenden Ruf als einer der versiertesten Dealmaker der USA erarbeitet. Unternehmen, die komplexe Transaktionen abschließen oder sich gegen feindliche Übernahmen verteidigen wollen, zählen ihn zu ihrer ersten Anlaufstelle. Diese Expertise katapultierte ihn in die Riege der bestbezahlten Anwälte der Branche.
In der US-amerikanischen Anwaltswelt sind Spitzenverdienste keine Seltenheit: Das jährliche Einkommen führender Partner kann laut Berichten die Marke von 25 Millionen US-Dollar übersteigen. Barshay gehört zu jenen Ausnahmetalenten, die in dieser Liga mitspielen. Für deutsche Verhältnisse sind solche Summen kaum vorstellbar – selbst Topanwälte hierzulande verdienen in der Regel einen Bruchteil davon.
Eine Kanzlei in der Identitätskrise
Mit seinem Amtsantritt übernimmt Barshay jedoch nicht nur Prestige und Einfluss, sondern auch eine gewaltige Herausforderung. Paul Weiss, eine der führenden Anwaltskanzleien der Vereinigten Staaten, befindet sich nach Einschätzung von Beobachtern mitten in einer Identitätskrise. Was genau diese Krise ausmacht und wie tief sie reicht, wird Barshays erste Bewährungsprobe als Kanzleichef sein.
Der Wechsel an der Spitze von Paul Weiss steht sinnbildlich für einen breiteren Wandel in der Welt der US-amerikanischen Großkanzleien. Führungsfragen, strategische Neuausrichtungen und der Druck, in einem zunehmend kompetitiven Markt zu bestehen, beschäftigen viele der sogenannten „Big Law"-Häuser. Für Paul Weiss kommt dieser Umbruch zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt.
Ob Barshay, der sein Handwerk als Transaktionsanwalt perfektioniert hat, auch als Kanzleimanager überzeugen kann, bleibt abzuwarten. Die Fähigkeit, milliardenschwere Deals zu strukturieren, ist nicht zwingend deckungsgleich mit der Kunst, eine große Organisation durch eine Identitätskrise zu führen. Die Anwaltswelt beobachtet den neuen Paul-Weiss-Chef mit großer Aufmerksamkeit.
