Estee Lauder und Puig verhandeln Fusion zum Beauty-Weltmarktführer
Die Gründerfamilien beider Konzerne streben laut Insidern eine Einigung in den kommenden Wochen an.

Die Kosmetikgiganten Estee Lauder und Puig befinden sich in fortgeschrittenen Fusionsgesprächen. Wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber Reuters unter der Bedingung der Anonymität erklärte, streben beide Unternehmen an, in den kommenden Wochen eine Einigung zu erzielen. Die Quelle bestätigte damit einen früheren Bericht der spanischen Wirtschaftszeitung Expansion.
Bereits im vergangenen Monat hatten Puig und Estee Lauder öffentlich erklärt, dass sie ein Geschäft prüfen, das den weltweit größten Akteur im Bereich Premium-Beauty schaffen würde. Unter einem gemeinsamen Dach wären dann Marken wie Tom Ford, Carolina Herrera, Rabanne, Jean Paul Gaultier und Clinique vereint. Sprecher von Puig lehnten eine Stellungnahme ab, während Estee Lauder außerhalb der US-Geschäftszeiten für einen Kommentar nicht erreichbar war.
Struktur der geplanten Transaktion
Laut Expansion würde die Transaktion als öffentliches Übernahmeangebot von Estee Lauder für Puig strukturiert sein – in Form einer Kombination aus Barzahlungen und Aktien. Das neue, fusionierte Unternehmen wäre demnach an der New York Stock Exchange (NYSE) notiert. Das diskutierte Fusionsmodell würde die Kontrolle der Familie Lauder verwässern und sie näher an den potenziellen Anteil der Familie Puig bringen. Die stimmrechtslosen Aktionäre von Puig würden laut der spanischen Zeitung Bargeld oder Aktien mit geringem Stimmrecht erhalten.
Ein auffälliges Signal für die Ernsthaftigkeit der Gespräche liefert Puig durch eine kurzfristige Terminverschiebung: Das Unternehmen hatte ursprünglich geplant, am 14. April seine Umsatzzahlen für das erste Quartal vorzulegen und gleichzeitig seinen Kapitalmarkttag abzuhalten. Den Umsatzbericht hat Puig inzwischen auf den 28. April verschoben. Einen neuen Termin für den Kapitalmarkttag hat das Unternehmen bisher nicht bekannt gegeben.
Weltmarktführer mit 20 Milliarden Euro Umsatz
Analysten schätzen, dass das fusionierte Unternehmen einen Umsatz von knapp über 20 Milliarden Euro erzielen würde. Damit wäre der neue Konzern der weltweit führende Premium-Kosmetikkonzern – noch vor der Luxussparte von L'Oréal, die auf einen Umsatz von 15,6 Milliarden Euro kommt. L'Oréals Luxusdivision hatte erst im vergangenen Oktober die Beauty-Sparte des Gucci-Eigentümers Kering übernommen und gilt seither als einer der stärksten Wettbewerber im globalen Premiumsegment.
Ein Zusammenschluss dieser Größenordnung würde die Kräfteverhältnisse im globalen Luxuskosmetikmarkt grundlegend verschieben. Für deutsche Verbraucher und Anleger wäre ein solches Megadeal-Szenario besonders relevant, da zahlreiche der betroffenen Marken – darunter Clinique, Tom Ford Beauty und Rabanne – hierzulande stark vertreten sind. Ob und wann eine endgültige Einigung erzielt wird, bleibt abzuwarten. Die Gespräche laufen nach Angaben der Insider weiterhin vertraulich.
