AkzoNobel verkauft Südostasien-Geschäft für 1,35 Milliarden Dollar
Der niederländische Farbenhersteller trennt sich von seinem dekorativen Farbengeschäft in Südostasien und setzt seinen Portfolio-Umbau fort.

Der niederländische Farben- und Beschichtungskonzern AkzoNobel verkauft sein dekoratives Farbengeschäft in Südostasien an den japanischen Wettbewerber Nippon Paint. Der Kaufpreis liegt bei 1,35 Milliarden US-Dollar. Wie das Unternehmen mitteilte, umfasst die Transaktion die Aktivitäten in Vietnam, Indonesien, Malaysia, Thailand, Singapur, Papua-Neuguinea und Australien. Nach Steuern und Zahlungen an Minderheitspartner rechnet AkzoNobel mit einem Netto-Barmittelzufluss von rund einer Milliarde Dollar.
Mit dem Verkauf setzt AkzoNobel seine strategische Neuausrichtung unter CEO Greg Poux-Guillaume fort. Der Konzern will sein Portfolio auf Regionen konzentrieren, in denen er eine marktführende Position einnimmt. Zuvor hatte sich das Unternehmen bereits von seinen dekorativen Farbengeschäften in Indien und Pakistan getrennt. Die indischen Aktivitäten brachten 1,6 Milliarden Dollar, das Pakistan-Geschäft 50 Millionen Euro.
Für deutsche Anleger ist die Transaktion ein weiteres Signal dafür, wie konsequent der niederländische Konzern sein Portfolio umbaut. Die Nachrichtenagentur Reuters betont, dass der Abschluss der Überprüfung des asiatischen Portfolios die Differenzierung und Stärkung der Marktposition vorantreiben soll. Die Financial Times hebt dagegen hervor, dass AkzoNobel damit ein Versprechen von Poux-Guillaume einlöst, sich aus Randmärkten zurückzuziehen.
Nippon Paint greift nach kleinerem Ziel
Für Nippon Paint stellt der Deal einen Teilerfolg dar. Frühere Versuche für weitreichendere Übernahmen waren gescheitert. Im Juli hatte Nippon Paint ein Angebot über 7,5 Milliarden Euro für das gesamte dekorative Farbengeschäft von AkzoNobel unterbreitet. Bereits im Juni war ein gemeinsames Übernahmeangebot mit dem US-Konkurrenten Sherwin-Williams über 12,5 Milliarden Euro für den gesamten Konzern zurückgezogen worden.
Laut informierten Kreisen bleibt Nippon Paint zwar an einer größeren Transaktion interessiert. Allerdings dürfte die Integration des nun erworbenen Südostasien-Geschäfts das Unternehmen zunächst stark beanspruchen. AkzoNobel betonte zudem, keine weiteren Vermögenswerte aus diesem Geschäftsbereich verkaufen zu wollen. Eine Fortsetzung der Veräußerungen in dieser Sparte ist damit vorerst nicht zu erwarten.
Zeitplan und Fusion mit Axalta
Der Zeitplan für den Vollzug ist gestaffelt: Das Indonesien-Geschäft wird separat bis Ende 2026 übertragen, die restlichen Transaktionen sind für Mitte 2027 geplant. Unabhängig davon treibt AkzoNobel die Fusion mit dem US-amerikanischen Beschichtungsspezialisten Axalta voran. Die Aktionäre haben dem Zusammenschluss bereits im August zugestimmt.
Das neue Unternehmen soll einen an der New Yorker Börse notierten Konzern mit einem Unternehmenswert von rund 25 Milliarden Dollar schaffen. Der Hauptsitz wird sowohl in Amsterdam als auch in Philadelphia liegen. Als Ziel gibt das Unternehmen einen Jahresumsatz von etwa 17 Milliarden Dollar an. Mit dem Verkauf in Südostasien schafft AkzoNobel zusätzlichen Spielraum für die Integration dieses Großprojekts.
Für Investoren bleibt die Aktie damit ein Fall von konsequenter Portfolio-Konzentration. AkzoNobel zieht sich Schritt für Schritt aus Märkten zurück, in denen das Unternehmen nicht zu den führenden Anbietern zählt, und setzt im Gegenzug auf den geplanten Zusammenschluss mit Axalta. Ob diese Strategie aufgeht, dürfte sich vor allem an der Umsetzung des Zeitplans für den Südostasien-Verkauf und an der Integration der Fusion entscheiden.
