Schaeffler baut 3460 Stellen ab und bittet Mitarbeiter zum Gehaltsverzicht
Der Autozulieferer streicht in Europa 3460 Jobs, schließt Standorte und will Beschäftigte zu freiwilligem Gehaltsverzicht bewegen.

Der deutsche Autozulieferer Schaeffler plant einen tiefen Einschnitt in seine europäische Belegschaft. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, will das Unternehmen 3460 Stellen in Europa abbauen. Zusätzlich sollen mehrere Standorte geschlossen werden. Für die Beschäftigten ist das ein doppelter Einschnitt: Neben dem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen steht auch ein Gehaltsverzicht im Raum.
Der Stellenabbau ist nur ein Baustein eines umfassenderen Sparpakets. Schaeffler wünscht sich ausdrücklich einen freiwilligen Gehaltsverzicht der Mitarbeiter. Der Vorstand geht dabei voran und verzichtet zwei Jahre lang auf zehn Prozent seines Grundgehalts. Bei den Leitenden Angestellten ist ein Verzicht von fünf Prozent im Gespräch – beschlossen ist dieser Schritt bislang jedoch nicht.
Das erklärte Ziel des Gehaltsverzichts ist es, Jobs zu retten. Das Unternehmen versucht damit offenbar, den Personalaufwand zu senken, ohne den Stellenabbau noch weiter auszuweiten. Bislang ist der Verzicht allerdings nur für den Vorstand beschlossen. Ob und in welchem Umfang die Leitenden Angestellten und die übrige Belegschaft folgen, ist offen.
Der Vorstand verzichtet zwei Jahre lang auf zehn Prozent seines Grundgehalts
Die konkreten Maßnahmen lassen sich in wenigen Punkten zusammenfassen. In Europa sollen 3460 Stellen wegfallen. Mehrere Standorte des Zulieferers sollen geschlossen werden. Der Vorstand verzichtet für zwei Jahre auf zehn Prozent seines Grundgehalts. Bei den Leitenden Angestellten werden fünf Prozent diskutiert, eine Entscheidung steht aber noch aus.
Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Während der Verzicht an der Konzernspitze bereits beschlossen ist, befindet sich die Beteiligung der Leitenden Angestellten noch in der Gesprächsphase. Der Vorstand sendet damit ein Signal an die Belegschaft, dass die Sanierung auch auf der Führungsebene ansetzt. Ob dieses Signal ausreicht, um die Beschäftigten zu einem freiwilligen Verzicht zu bewegen, ist eine der zentralen offenen Fragen.
Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet der geplante Stellenabbau erhebliche Unsicherheit. Standortschließungen treffen ganze Regionen, in denen Schaeffler Arbeitgeber ist. Der freiwillige Gehaltsverzicht ist dagegen als Alternative gedacht: Wer auf einen Teil seines Einkommens verzichtet, hilft dem Unternehmen, Kosten zu senken, und trägt so dazu bei, Arbeitsplätze zu erhalten. Der Verzicht ist bislang aber nur an der Spitze des Konzerns beschlossen.
Bereits am 03.03.2026 berichtete aktien.news über den Kurseinbruch der Schaeffler-Aktie
Der aktuelle Sparkurs fällt nicht aus heiterem Himmel. Bereits am 03.03.2026 berichtete aktien.news, dass die Schaeffler-Aktie nach einer schwachen Prognose um 18 Prozent einbrach. Im europäischen Handel verlor das Papier des Zulieferers deutlich an Wert und löschte damit sämtliche Jahresgewinne aus. Auslöser war eine enttäuschende Jahresprognose: Schaeffler erwartete für 2026 einen Umsatz in einer Spanne von rund 22,5 bis 24,5 Milliarden Euro. Der Mittelwert dieser Spanne lag damit deutlich unter den Konsensschätzungen der Analysten.
Der Kostendruck ist kein Schaeffler-Phänomen allein. Am 04.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Volkswagen-Aufsichtsrat den „Zukunftsplan 2030“ des Vorstands einstimmig gebilligt hat. Kern des Plans ist der weltweite Abbau von 50.000 Stellen. Zudem identifizierte der Konzern eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa. Am 19.10.2026 folgte der nächste Bericht: Der VW-Konzern steuert nach Darstellung der IG Metall auf eine weltweite Gehaltsnullrunde zu, der Konzernvorstand wolle die Entgelte bis zum Jahr 2030 einfrieren. Betroffen wären mehr als 660.000 Beschäftigte des Autobauers.
Auch bei anderen Herstellern geht es um Standorte. Am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe die Schließung von zwei deutschen Werken angekündigt hat, falls die Kosten im Inland nicht deutlich sinken. Die Drohung fiel auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen. Schaeffler reiht sich mit seinem Sparpaket damit in eine breite Bewegung der deutschen Automobilindustrie ein, in der Stellenabbau, Standortfragen und Gehaltszugeständnisse parallel verhandelt werden.
Für Anleger steht die Frage nach der Ertragskraft im Mittelpunkt
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem ein Signal zur Ertragslage der Branche. Ein Zulieferer, der 3460 Stellen streicht, mehrere Standorte schließt und seine Führungskräfte zum Gehaltsverzicht bewegt, kämpft um seine Kostenbasis. Solche Maßnahmen sollen die Profitabilität stützen, belasten aber das Verhältnis zu den Beschäftigten und können mit Restrukturierungsaufwand verbunden sein.
Anleger sollten die angekündigten Schritte daher als Teil eines längerfristigen Sanierungsprozesses einordnen. Entscheidend ist, ob es dem Unternehmen gelingt, die Kosten nachhaltig zu senken und zugleich die operative Leistung zu halten. Die frühere Prognosesenkung und der damalige Kursrückgang zeigen, wie sensibel der Markt auf enttäuschende Ausblicke bei Schaeffler reagiert. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Zugleich lohnt der Blick auf die Vergleichsunternehmen. Volkswagen plant den Abbau von 50.000 Stellen und eine mögliche Entgeltnullrunde bis 2030, Mercedes droht mit Werksschließungen. Wer in Zulieferer- oder Herstelleraktien investiert ist, sollte die angekündigten Einsparungen und ihre Umsetzung aufmerksam verfolgen. Die Höhe des freiwilligen Gehaltsverzichts und die Zahl der tatsächlich gestrichenen Stellen sind dabei zentrale Kennzeichen dafür, wie tief der jeweilige Umbau greift.
Der Verzicht der Leitenden Angestellten bleibt vorerst offen
Der weitere Fahrplan hängt an wenigen, aber wichtigen Punkten. Der Gehaltsverzicht des Vorstands ist für zwei Jahre beschlossen. Ob die Leitenden Angestellten fünf Prozent beisteuern, ist noch nicht entschieden. Ebenso offen ist, wie viele der 3460 Stellen in Europa tatsächlich wegfallen und welche Standorte geschlossen werden. Klar ist bislang nur die Richtung: Schaeffler setzt auf Einsparungen beim Personal und bei den Standortkosten.
Im Branchenvergleich zeigt sich, dass Schaeffler mit diesem Kurs nicht allein ist. Volkswagen plant den Abbau von 50.000 Stellen und eine mögliche Entgeltnullrunde bis 2030, Mercedes droht mit Werksschließungen. Für die Beschäftigten und für die Aktionäre bleibt abzuwarten, wie schnell die angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden und ob der freiwillige Gehaltsverzicht tatsächlich breite Zustimmung findet.
Diese drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis der Nachricht
- Autozulieferer: Ein Unternehmen, das Bauteile und Systeme an Automobilhersteller liefert, statt selbst komplette Fahrzeuge zu verkaufen.
- Grundgehalt: Der feste, regelmäßig gezahlte Teil des Arbeitsentgelts ohne variable Bestandteile wie Boni.
- Freiwilliger Gehaltsverzicht: Eine Vereinbarung, bei der Beschäftigte auf einen Teil ihres Entgelts verzichten, um das Unternehmen zu entlasten.
