Sam Taylor-Johnson: Über Stil, Vintage-Jeans und den Porsche 944
Die Regisseurin spricht im FT-Interview über Mode, Erinnerungen und die Dinge, die ihr Leben prägen.

Die britische Regisseurin und Künstlerin Sam Taylor-Johnson hat in einem Interview mit der Financial Times über ihren persönlichen Stil, ihre Vorlieben und die Objekte gesprochen, die ihr viel bedeuten. Im Mittelpunkt stehen dabei ihre Uniform aus Smokinghemden und Vintage-Levi's-501ern, die sie nach eigener Aussage ihr ganzes Leben lang kauft. „Ich habe noch Exemplare aus meiner frühen Zwanzigerzeit, ich lasse sie nie los“, sagt sie.
Auf die Frage, ob es eine Altersgrenze für Jeans gebe, antwortet sie entschieden: „Gott bewahre. Wir werden mit 80 in unseren 501ern episch aussehen.“ Der Großteil ihrer Jeans sei Vintage, obwohl sie sich selbst nicht als „Vintage-Mädchen“ bezeichnet. Sie habe echte Bedenken, wer die Kleidung vor ihr getragen habe. „Was, wenn die Person, die diese vorher getragen hat, eine schlechte war?“, fragt sie und scherzt, Vintage-Kleidung sollte Etiketten über den vorherigen Besitzer tragen.
Big Sur, Dostojewski und Gloria Steinem
Als Ort, der ihr viel bedeutet, nennt Taylor-Johnson Big Sur. „Wenn Gott eine Adresse hätte, wäre sie dort.“ Als bestes Buch des vergangenen Jahres bezeichnet sie „The Land and its People“ von David Sedaris, dessen Schreiben vollständig charaktergetrieben sei. Zudem habe sie in diesem Jahr erstmals Dostojewskis „Der Idiot“ gelesen, der zwar kein Roman sei, den man nicht aus der Hand legen könne, aber das kraftvollste Ende habe.
Ihr Style-Icon ist Gloria Steinem. „Die Kraft dieser Frau. Selbst in ihren späten 80ern und frühen 90ern sah sie immer noch so schick aus – sehr straff und zusammengehalten, aber auf diese mühelose Art“, so Taylor-Johnson.
Zu den persönlichen Geschenken zählt ein Vanille-Hemd von Turnbull & Asser mit passender Boxershorts für ihren Ehemann Aaron Taylor-Johnson, das er den ganzen Sommer über in Rom trug. Das beste Geschenk, das sie selbst erhielt, war ein Porsche 944 aus dem Jahr 1988 in Mintgrün von Aaron zu ihrem Geburtstag. „Es war das schönste Ding, das ich je gesehen habe“, sagt sie. Sie fahre ihn gerne für Dinge wie den Brot- und Milchkauf, und die Leute winkten und blitzten mit ihren Lichtern.
Gesundheit, Yoga und Spiritualität
Musikalisch nennt sie „Turiya and Ramakrishna“ von Alice Coltrane als letzten Download. Ihre Mutter sei Yogalehrerin gewesen, weshalb sie seit ihrer Kindheit praktiziere. Eine Klasse sei eine großartige Möglichkeit, 20 Pfund auszugeben. Zudem habe sie Negronis und das Laufen wiederentdeckt, wobei sie in London gerne im Hyde Park laufe.
Taylor-Johnson hat vier Töchter: Angelica (29), Phoenix (19), Wylda (16) und Romy (14). Wenn alle zusammen seien, seien die Dynamiken erstaunlich – „das Lachen und Tanzen, dann das Gezänk und Streiten“. In ihrem Kühlschrank finden sich immer Cornichons und Oliven sowie Kimchi und AG1 Greens. Sie habe eigene gesundheitliche Auseinandersetzungen gehabt – 1997 wurde sie mit Darmkrebs, 2000 mit Brustkrebs diagnostiziert – und neige daher zum Katastrophisieren bei körperlichen Anzeichen.
An ein Leben nach dem Tod glaubt sie fest. Als etwa Neunjährige habe sie ein tiefes Gefühl der Andersartigkeit empfunden, während der Scheidung ihrer Eltern. Wenn das Leben überwältigend wirke, gehe sie zur Kirche St Bartholomew the Great, wo sie sich in einem Gottesdienst friedlich fühle.
Kameras, Kunst und Alltagsfreuden
Taylor-Johnson trägt stets zwei Kameras bei sich: eine Leica M6 mit Film und ein Hasselblad-Mittelformat-Modell, das nach 25 Jahren gerade gestohlen wurde. Sie überlege nun, was es ersetzen soll. Am Fotografieren mit Film liebe sie den bewussteren Prozess. Zur Akupunktur geht sie seit 15 Jahren einmal im Monat zu Wendy Mandy, die ihr half, ihre Trauer nach dem plötzlichen Tod des Produzenten Anthony Minghella zu verstehen.
Zuletzt ergänzte ein Phoebe Philo-Trenchcoat ihren Kleiderschrank. Als Künstlerin, deren Arbeit sie sammeln würde, nennt sie Mary Stephenson. Ihr Lieblingsgebäude ist die Galleria Borghese in Rom, ihr Lieblingsspiel Racing Demon. Als prägendes Kunsterlebnis beschreibt sie Mark Rothkos Seagram-Murale in Tate Britain im Alter von neun Jahren. In einem anderen Leben wäre sie Hebamme geworden. Ihren Ehering, von Aaron entworfen und bei Boucheron gefertigt, würde sie niemals hergeben. Der beste Rat, den sie je erhielt, stammte von einem kürzlich verstorbenen Freund: „Heute ist das Morgen, worüber wir gestern besorgt waren. Und alles ist in Ordnung.“
Das Buch „Sam Taylor-Johnson: The Self and the Portrait“ erscheint am 6. Oktober bei Rizzoli zum Preis von 75 US-Dollar.
