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Rüstungsboom: Nur jeder dritte Neueinsteiger erreicht seine Wachstumsziele

Eine Horváth-Studie zeigt: Von rund tausend befragten Führungskräften streben über 40 Prozent in den Verteidigungssektor – doch nur ein Drittel dürfte seine Ziele erreichen.

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Rüstungsboom: Nur jeder dritte Neueinsteiger erreicht seine Wachstumsziele

Der europäische Verteidigungssektor erlebt einen Boom, wie es ihn seit dem Kalten Krieg nicht mehr gegeben hat. Auslöser sind der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und deutlich gestiegene Sicherheitsbedürfnisse in ganz Europa. Tausende Betriebe drängen deshalb gleichzeitig in den Markt – doch längst nicht alle werden von diesem Aufschwung profitieren. Nur rund 33 Prozent der Neueinsteiger erreichen einer Studie der Beratung Horváth zufolge ihre Wachstumsziele bis 2030. Die Untersuchung liegt der WirtschaftsWoche exklusiv vor.

Die Zahlen verdeutlichen das enorme Potenzial, das viele Unternehmen anzieht. Die Verteidigungsausgaben in der EU sollen bis 2030 bis zu 780 Milliarden Euro erreichen, der deutsche Verteidigungsetat mehr als 180 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund streben über 40 Prozent der befragten Firmen einen Einstieg oder einen Ausbau ihres Engagements an. Für die Studie wurden rund 1000 Führungskräfte befragt.

Allerdings dürfte das Wachstum deutlich langsamer ausfallen als in den vergangenen Jahren. Berater Christoph Ketterle, Principal Aerospace & Defense bei Horváth, erwartet ein reales jährliches Wachstum von sechs bis sieben Prozent. Das ist ein spürbarer Rückgang gegenüber dem durchschnittlichen Wachstum von 11,4 Prozent seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs.

"Je mehr Firmen in den Markt drängen, desto enger wird der Spielraum für alle", sagt Ketterle. Der Berater warnt zugleich vor allzu großen Erwartungen: "Man kann definitiv davon ausgehen, dass manche etwas zu optimistisch in die Zukunft blicken, was das künftige Wachstumspotenzial im Thema Defense angeht."

Metall und Bergbau drängen am stärksten

Besonders groß ist der Andrang aus der Metall- und Bergbaubranche: Hier sehen 72 Prozent der Unternehmen Potenziale im Verteidigungsgeschäft. Auch die Automobilindustrie zeigt Ambitionen – 38 Prozent planen den Einstieg oder den Ausbau. Im Maschinenbau und in der industriellen Automatisierung liegt die Einstiegsabsicht bei 33 Prozent. Bei den Umsatzanteilen zeigt sich, wie unterschiedlich weit die Branchen bereits sind: Softwareanbieter und Dienstleister erzielen 18 Prozent ihres Umsatzes mit Verteidigung, Energieunternehmen 23 Prozent und Banken sowie Finanzdienstleister 15 Prozent. Die Automobilindustrie rechnet bis 2029 mit rund sieben Prozent.

Wer in den Sektor drängen will, stößt auf erhebliche Hürden. Regulierung, Compliance und lange Vorlaufzeiten bremsen den Markteintritt. Etablierte Zuliefernetze und die Prime Contractors sind stark abgeschirmt. Hinzu kommt, dass die Beschaffungsabteilungen der großen Hersteller (OEMs) an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Vergabeverfahren und parlamentarische Budgetfreigaben ziehen sich über Jahre hin.

Geduld statt Produktdenken

Viele Neueinsteiger scheitern laut der Studie an einem grundlegenden Fehler: Sie denken in der Logik "Produkt sucht Kunde". Ketterle rät zu einem anderen Ansatz: "Wer neu in den Markt eintritt, sollte nicht fragen, was er grundsätzlich für Defense produzieren könnte, sondern wo tatsächlich Kapazitäten oder Kompetenzen fehlen." Das erfolgreiche Drittel der Unternehmen agiert genau so – gezielt und bedarfsorientiert, statt wahllos Kapazitäten aufzubauen.

Für Anleger bedeutet das, genau hinzuschauen. Nicht jedes Unternehmen, das seinen Einstieg in die Verteidigungsbranche ankündigt, wird davon auch profitieren. Wer in entsprechend positionierte Aktien investiert, sollte auf konkrete Aufträge, klare Kompetenzen und eine nachvollziehbare Strategie achten – nicht allein auf vollmundige Ankündigungen. Der Markt wächst, aber er verteilt sich auf immer mehr Anbieter.

Ketterle empfiehlt Neueinsteigern daher vor allem eines: Commitment, Geduld und Ausdauer. Ein erfolgreicher Markteintritt sei kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiges Engagement. Wer sich davon leiten lässt, hat in dem wachsenden Sektor durchaus Chancen – doch der Weg dorthin ist deutlich steiniger, als die aktuellen Wachstumsraten vermuten lassen.

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