Verbund AG: Grünstromerzeugung 2025 und die Hoffnung auf Trendwende
Der österreichische Versorger Verbund setzt fast vollständig auf Grünstrom und hofft nach Dürre und Niedrigwasser auf eine Trendwende.

Die Verbund AG ist ein österreichischer Energieversorger, dessen Stromerzeugung fast vollständig aus Grünstrom besteht. Den Schwerpunkt bildet die Wasserkraft, ergänzt wird sie durch Wind- und Sonnenkraft. Gaskraftwerke setzt das Unternehmen nur zur Stabilisierung des Stromnetzes ein – sie dienen also nicht der regulären Erzeugung, sondern der Absicherung des Systems.
Für das Jahr 2025 nennt der Versorger konkrete Produktionszahlen. Aus 136 Wasserkraftwerken stammten 25.370 Gigawattstunden (GWh) Strom. Hinzu kamen 1.714 GWh aus 353 Windkraftanlagen sowie 439 GWh aus 51 Photovoltaikparks. Die Wasserkraft bleibt damit mit großem Abstand die wichtigste Säule der Verbund-Erzeugung.
Das beherrschende Thema ist die Hoffnung auf eine Trendwende nach Dürre und Niedrigwasser. Trockenheit und niedrige Pegelstände hatten die Wasserkraft in den zurückliegenden Jahren belastet. Mit den nun vorgelegten Zahlen verbindet sich die Erwartung, dass sich die Erzeugung wieder stabilisiert.
Die Details
Die Zahlen für 2025 zeigen, wie stark die Verbund AG auf die Wasserkraft ausgerichtet ist. 25.370 GWh stammten aus 136 Wasserkraftwerken. Das entspricht dem mit Abstand größten Anteil am Erzeugungsmix des österreichischen Versorgers.
Die Windkraft trug 1.714 GWh bei, erzeugt von 353 Windkraftanlagen. Die Photovoltaik kam auf 439 GWh aus 51 Photovoltaikparks. Beide Bereiche zusammen erreichen damit nur einen Bruchteil der Wasserkraft-Erzeugung.
Bemerkenswert ist die Rolle der Gaskraftwerke. Sie werden laut den Angaben ausschließlich zur Stabilisierung des Netzes eingesetzt. Sie springen also ein, wenn das Stromnetz Unterstützung braucht, und sind nicht Teil der regulären Grünstromproduktion. Für ein Unternehmen, das sich über Grünstrom positioniert, ist diese Reservefunktion ein wichtiger Baustein: Sie sichert die Versorgungssicherheit ab, ohne die grüne Ausrichtung infrage zu stellen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Verbund-Aktie nach einer deutlichen Hochstufung durch die Bank of America (BofA) um rund ein Prozent auf 61,35 Euro gestiegen war. Die US-Investmentbank hatte zeitgleich ihre europäischen Energiepreisprognosen kräftig nach oben korrigiert. Als Gründe nannten die Analysten eine Reihe von Angebotsschocks auf den globalen Energiemärkten: Störungen bei den LNG-Exporten aus Katar, rekordniedrige Füllstände der europäischen Erdgasspeicher sowie eine steigende LNG-Nachfrage aus Asien. Diese Faktoren dürften die europäischen Strompreise bis ins Jahr 2027 hinein deutlich nach oben treiben.
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news im Rahmen eines Green-Economy-Überblicks über das anhaltende Niedrigwasser in Deutschland. Mitte September lag die Wassertiefe bei Köln bei gerade einmal 72 Zentimetern; der statistische Mittelwert der vergangenen zehn Jahre beträgt 2,97 Meter. Viele Frachtschiffe konnten ihre Ladung nicht voll ausnutzen, weil sonst Grundberührung drohte. Das Prognos-Institut bezifferte die Schäden durch Produktionsausfälle allein für diesen Sommer auf mehr als 900 Millionen Euro. Besonders hart traf es die Chemie- und die Mineralölindustrie, die auf den Wasserweg als Transportader angewiesen sind.
Auch aus der Windbranche kamen zuletzt positive Signale. Am 12.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Vestas-Aktie um mehr als 20 Prozent zulegte, nachdem der dänische Windkraftriese starke Quartalszahlen, eine angehobene Jahresprognose und einen neuen Aktienrückkauf in Milliardenhöhe gemeldet hatte. Für das zweite Quartal 2025 wies Vestas einen bereinigten operativen Gewinn von 446 Millionen Euro aus – nach lediglich 57 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die operative Marge vor Sondereffekten lag bei 9,4 Prozent. Vorstandschef Henrik Andersen bezeichnete das Ergebnis als „eines der besten zweiten Quartale, die wir je hatten".
Am 14.08.2026 folgte ein weiterer Bericht zur Windenergie. Demnach kämpfte die europäische Windindustrie seit Jahren mit einem schwierigen Umfeld, doch die Ergebnisse von Vestas und dem Projektentwickler Ørsted weckten Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung. Wie die Financial Times berichtete, wurden europäische Windunternehmen in den vergangenen fünf Jahren von zwei Seiten gleichzeitig unter Druck gesetzt: explodierende Kosten für Rohstoffe, Logistik und Fertigung auf der einen Seite, zögerliche Käufer auf der anderen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Verbund AG vor allem wegen ihres Erzeugungsprofils interessant. Das Unternehmen erzeugt fast ausschließlich Grünstrom und ist damit stark von der Wasserkraft abhängig. Diese Abhängigkeit ist eine Stärke und ein Risiko zugleich: In niederschlagsreichen Jahren liefert die Wasserkraft verlässlich Strom, in Dürre- und Niedrigwasserphasen sinkt die Produktion.
Wer die Aktie beobachtet, sollte daher zwei Faktoren im Blick behalten. Erstens die Witterung und die Wasserstände, denn sie wirken direkt auf die Erzeugungsmenge. Zweitens die europäischen Strompreise, die laut der BofA-Einschätzung bis 2027 deutlich steigen könnten. Höhere Strompreise würden die Erlöse eines Erzeugers wie Verbund begünstigen.
Hinzu kommt die breitere Marktstimmung im Bereich erneuerbare Energien. Die jüngsten Zahlen aus der Windbranche zeigen, dass sich die Branchenbedingungen verbessern können. Für Anleger bedeutet das: Die Verbund-Aktie ist kein reines Wasserkraft-Investment, sondern hängt auch am gesamten Umfeld der grünen Energie. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die Verbund AG hofft nach Dürre und Niedrigwasser auf eine Trendwende bei der Grünstromerzeugung. Die vorgelegten Zahlen für 2025 bilden die Grundlage dieser Erwartung. Ob sich die Erholung bestätigt, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Wasserstände ab.
Zusätzliche Impulse könnten von den europäischen Strompreisen kommen. Die Bank of America erwartet, dass Angebotsschocks auf den globalen Energiemärkten die Preise bis ins Jahr 2027 hinein deutlich nach oben treiben. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, könnte sie die Erlössituation des österreichischen Versorgers stützen.
Kurz erklärt
- Grünstrom: Strom, der aus erneuerbaren Quellen wie Wasser-, Wind- und Sonnenkraft gewonnen wird.
- Wasserkraftwerk: Anlage, die die Energie fließenden oder fallenden Wassers in elektrischen Strom umwandelt.
- Netzstabilisierung: Einsatz von Kraftwerken, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
