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Rohstoffkrise: Jahrzehnte der Unterinvestition rächen sich jetzt

Auf der Resourcing Tomorrow 2025 in London warnen Experten vor einer strukturellen Krise im globalen Bergbausektor.

3 Min
Rohstoffkrise: Jahrzehnte der Unterinvestition rächen sich jetzt

Die Resourcing Tomorrow 2025 in London hat ein ernüchterndes Bild der globalen Rohstoffbranche gezeichnet. Renommierte Investoren, Banker und Industrievertreter sind sich einig: Jahrzehntelange Unterinvestitionen in die Exploration haben die Projektpipeline der Bergbaubranche weitgehend ausgedünnt – mit gravierenden Folgen für die Versorgungssicherheit kritischer Metalle wie Kupfer, Lithium und Seltener Erden.

Rick Rule, einer der profiliertesten Rohstoffinvestoren der letzten 30 Jahre, bringt das Problem auf den Punkt: „Wir haben systematisch über fast drei Jahrzehnte hinweg zu wenig in die Exploration investiert, und das rächt sich nun." Der 72-jährige US-Investor, der inzwischen unabhängig von institutionellen Fonds agiert, macht das Kurzfristdenken institutioneller Anleger für die chronische Unterfinanzierung der Exploration mitverantwortlich.

Rule beschreibt, wie große Bergbaukonzerne ihre Explorationsabteilungen faktisch ausgelagert haben – mit dem Ergebnis, dass die Summen, die sie heute für echte Neuentdeckungen zu zahlen bereit sind, „unfassbar" seien. Gleichzeitig seien viele bekannte Lagerstätten zwar ausgebohrt, bei den heutigen Kapitalkosten und Kupferpreisen aber wirtschaftlich nicht rentabel.

Explorationsprojekte werden immer teurer

Besonders alarmierend ist die Kostenentwicklung bei Großprojekten. Rule illustriert die galoppierende Inflation im Projektbau: „Wir denken, es sind 7-Milliarden-Dollar-Projekte, weil sie vor zwei Jahren 7-Milliarden-Dollar-Projekte waren. Heute sind es 9-Milliarden-Dollar-Projekte, und die Inflation sowie die Baukosten sind so hoch, dass es nächstes Jahr 10-Milliarden-Dollar-Projekte und dann 12-Milliarden-Dollar-Projekte sein werden."

Die Konferenz thematisierte darüber hinaus eskalierende M&A-Aktivitäten im Kupferbereich, die steigende Kapitalintensität von Projekten sowie außer Kontrolle geratene Zeitpläne für die Projektentwicklung. Hinzu kommt eine sprunghaft ansteigende Kupfernachfrage, die das Angebotsproblem weiter verschärft.

Rohitesh Dhawan, CEO des International Council on Mining & Metals (ICMM), untermauert die Dringlichkeit mit konkreten Zahlen: Der Kupferverbrauch in den USA werde sich innerhalb eines Jahrzehnts auf 4 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppeln – doch das Land verfüge nur über zwei in Betrieb befindliche Schmelzhütten. China hingegen betreibe 200. „Wie kann es sein, dass die größte Volkswirtschaft der Welt die Versorgung mit einem Metall, das sie als essenziell erachtet, nicht sichern kann? Die Antwort ist brutal einfach: Ökonomie", so Dhawan.

China spielt in einer anderen Liga

Während westliche Staaten mit kurzfristigen Kapitalspritzen reagieren, verfolgt China eine konsequente Langzeitstrategie – so das einhellige Urteil der Konferenzteilnehmer. Karina Danilyuk, Global Head of Mining and Metals bei Rothschild & Co., formuliert es unmissverständlich: „Es gibt heute nur einen Staat auf der Welt, der tatsächlich eine langfristige Strategie verfolgt, und das ist China. Alle anderen spielen nur Amateur-Völkerball und werfen mit Geld nach Dingen, die entweder nur annähernd passen oder Schlagzeilen machen."

China habe den Großteil der Verarbeitung Seltener Erden konsolidiert, kontrolliere den Lithiummarkt und halte einen erheblichen Anteil am globalen Kupferschmelzmarkt. Durch gezielte Subventionen über die gesamte Wertschöpfungskette und die Unterstützung nationaler Champions bei der weltweiten Ressourcensicherung habe China eine Marktmacht aufgebaut, die kein anderer Staat auch nur annähernd erreiche.

Besonders deutlich wird der Kontrast in Europa. Francesco Gattiglio, Albemarles Vice President of Public Affairs für die Region, kritisiert, dass die Unterstützung für ausgewiesene strategische Projekte in Europa immer noch hauptsächlich „auf dem Papier" existiere. „Wir sehen keine wirklich starke finanzielle Unterstützung für den Start dieser Projekte, und wenn wir nicht bereit sind, alles Notwendige zu tun, um das zu starten und zu unterstützen, was wir als strategisch erachten, dann ist es kein strategisches Projekt", sagte er auf der Konferenz.

Kurzfristdenken als systemisches Problem

Das Thema Kurzfristigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Konferenz. Britischer Werbeguru Sir Martin Sorrell fasste es gesellschaftlich zusammen: „Wir [als Gesellschaft] sind fast überall viel zu kurzfristig orientiert." Rick Rule sieht sich selbst nach dem Rückzug aus dem institutionellen Fondsmanagement nun in der Lage, sich auf „risikobereinigte interne Zinssätze in einem Zeitrahmen von fünf oder zehn Jahren" zu konzentrieren – statt auf kurzfristige Quartalsboni.

Für deutsche und europäische Anleger, die in Rohstoffaktien oder Minenfonds investiert sind, liefert die Resourcing Tomorrow 2025 eine klare Botschaft: Die strukturellen Engpässe bei kritischen Metallen sind real, langfristig angelegt und werden die Märkte noch auf Jahre hinaus prägen. Wer in diesem Sektor investiert, braucht vor allem eines – Geduld.

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